Berkeldialog leidet unter Corona, die Bauarbeiten laufen aber nach Plan

mlzHochwasserschutz

Die Arbeiten für den Hochwasserschutz und die Mühlen-Sanierung gehen ihren Gang. Die Stadt versichert, dass der neue Zeitplan von 2019 eingehalten wird. Nur der Bürgerdialog leidet unter Corona.

Stadtlohn

, 20.07.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wir haben begonnen!“, sagt Gerd Große Frericks und in seiner Stimme schwingt deutlich Erleichterung mit. Nach fast einem Jahrzehnt der Vorüberlegungen, Planungen, Abstimmungen mit dem Kreis und der Bezirksregierung und einem langen Genehmigungsverfahren wird das Hochwasserschutzkonzept jetzt umgesetzt, die Berkelmühle saniert und das Mühlenumfeld neu gestaltet. Gerd Große Fericks betont: „Wir liegen im Zeitplan, der 2019 aufgestellt wurde.“

Vorbereitungen für stählernen Treppenturm

Der Hochwasserschutzexperte im Rathaus zeigt auf die provisorisch betonierte Berkelböschung im Bereich der Mühle. „Wir haben das Wehr jetzt baulich von der Mühle getrennt.“ Oberhalb der Böschung ist der Boden für den stählernen Treppenturm vorbereitet worden. Dort müssen noch zehn Bohrpfähle aus Beton in den Boden getrieben werden. Sie bilden das Fundament für den stählernen Treppenturm, der das Mühlengebäude neu erschließen soll. Die Bohrungen, so sagt Anna Sperlbaum vom Projektteam, sollen zeitnah beginnen.

Bis zum Sommer 2021 soll auch die Mühle im Rohbau gesichert werden. Bis dahin werde das Mauerwerk saniert, die Fenster ausgetauscht und vor allem das marode Dach erneuert, so Anna Sperlbaum. Dann wird das Mühlenprojekt für ein Jahr auf Eis gelegt, damit das Mühlenwehr und die Ufermauern abgebrochen und erneuert werden können. „Es macht keinen Sinn, im Innenausbau feine Fliesen zu verlegen, wenn wir draußen noch mit schwerem Gerät arbeiten.“ 2022 folgt dann die Innensanierung der Berkelmühle, die Anfang 2023 abgeschlossen sein soll.

So soll die Uferpromenade mit dem Blick in Richtung Mühlenwehr einmal aussehen.

So soll die Uferpromenade mit dem Blick in Richtung Mühlenwehr einmal aussehen. © Mosaik Management GmbH

Über alle diese Zusammenhänge wollte die Stadt in diesem Jahr mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen. Im April sollte eigentlich ein Berkeldialog beginnen mit Fortsetzung im August und Dezember. „Corona hat uns leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das hat uns wirklich getroffen“, sagt Anna Sperlbaum. Die ersten beiden Termine wurden abgesagt. Für den Dezembertermin bestehe aber noch Hoffnung.

Projekt-Homepage geht nächsten Monat online

Ersatzweise soll am 22. August im Internet eine eigene Projekt-Homepage freigeschaltet werden, auf der sich die Stadtlohner über das Gesamtprojekt, die Zusammenhänge und die Baufortschritte informieren können. „Das ist ja ein hochkomplexes Verfahren, in dem Ökologie, Städtebau und Hochwasserschutz ineinandergreifen“, sagt Anna Sperlbaum.

Bürgermeister Helmut Könning bezeichnete unlängst den Hochwasserschutz als eine der größten Aufgaben, die die Stadt je stemmen musste. 80 Prozent der Kosten, das sind über elf Millionen Euro, hat die Bezirksregierung als Förderung zugesagt. Die Kehrseite des Geldsegens: Es gibt viel Abstimmungsbedarf zwischen den Behörden.

Kampfmittelsondierungen im Bereich der Uferstraße

Ein weiterer Bremsfaktor waren und werden auch weiterhin die erforderlichen Sondierungen der Kampfmittelräumer sein. Im Januar 2021 beginnen im Bereich der Uferstraße neue Untersuchungen. Hier wird die Berkel abschnittsweise um bis zu fünf Meter verbreitert. Im Bereich des Wehrs sind es zwei Meter. Vor den Erdarbeiten müssen alle eineinhalb Meter bis zu acht Meter tiefe Bohrungen gemacht werden, um schlummernde Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg ausschließen zu können.

Nach den Sondierungen wird etwa ab Einmündung der Straße „Am Losbergpark“ flussabwärts bis unterhalb des Mühlenwehrs eine etwa 260 Meter lange Flussumleitung gebaggert, die die Berkel vorübergehend aufnimmt, damit Wehr und Uferbereich im Trockenen umgebaut werden können.

Vor der Mühle wurde der Baugrund für den stählernen Treppenturm vorbereitet. Im Bereich des Uferwegs (links) wird 2021 eine Berkelumleitung gebaggert, damit das Wehr und die Uferbereiche erneuert werden können. Die Umleitung wird später zur Fischaufstiegsanlage ausgebaut.

Vor der Mühle wurde der Baugrund für den stählernen Treppenturm vorbereitet. Im Bereich des Uferwegs (links) wird 2021 eine Berkelumleitung gebaggert, damit das Wehr und die Uferbereiche erneuert werden können. Die Umleitung wird später zur Fischaufstiegsanlage ausgebaut. © Stefan Grothues

Die Berkelumleitung wird anschließend zur Fischaufstiegs- oder -abstiegsanlage ausgebaut. Sie ist aus ökologischen Gründen erforderlich. Sie erlaubt Fischen, auf dem Weg zu ihren Laichplätzen die Wehranlage zu überwinden.

Jetzt lesen

Bereits begonnen haben die Arbeiten für ein webbasiertes Berkelpegel-Messsystem, das Stadtlohn gemeinsam mit den Berkelanrainern Billerbeck, Coesfeld, Gescher und Vreden umsetzt. Das Frühwarnsystem soll bis Dezember 2020 funktionstüchtig sein, sagt Gerd Große Frericks. Die Daten von 15 Pegel-Messstellen, davon drei auf Stadtlohner Gebiet, können dann von jedermann im Netz abgerufen werden.

Lesen Sie jetzt