Berthold Dittmann: „Ich möchte meine Wahlkampf-Versprechen einlösen“

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Berthold Dittmann wird am 1. November sein Amt als neuer Stadtlohner Bürgermeister antreten. Im Interview verrät er, was er als erstes tun wird und wie er mit Sozialen Medien umgehen möchte.

Stadtlohn

, 27.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit 51,81 Prozent hat sich der parteilose Berthold Dittmann bei der Bürgermeisterwahl im September durchgesetzt. Am Sonntag, 1. November, beginnt offiziell seine Amtszeit im Stadtlohner Rathaus. Wir haben ein paar Tage vorher mit ihm über seine Pläne, seinen Umgang mit Sozialen Medien und seinen Umzug nach Stadtlohn gesprochen.

Was haben Sie am 14. September, also am Tag nach der Wahl, als Erstes gemacht?

Ich habe den Tag routinegemäß mit einer Tasse Kaffee und der digitalen Zeitung gestartet. Es war eine kurze Nacht (lacht). Am Abend hatten meine Freunde und Geschwister noch eine kleine Feier organisiert. Dann gab es natürlich eine Menge Nachrichten zu beantworten. Das war schon leicht überwältigend, wie viele Glückwünsche angekommen sind. Die gesamte erste Woche hat es sich nicht ganz wirklich angefühlt.

Sie haben bislang nicht im Rathaus gearbeitet. Ist für den Berufswechsel alles geregelt?

Ja. Ich war selbstständig und habe alle Vorbereitungen getroffen, dass das Ganze jetzt ohne mich weiterlaufen kann.

Wie bereiten Sie sich nun auf die neue Aufgabe vor?

Ich habe gerade ein paar Tage Urlaub gemacht und arbeite mich nun langsam in die Themen ein. Es gibt auch schon eine Menge Bürger, die sich an mich wenden. Ich führe viele Gespräche, auch mit der Verwaltung und dem Bürgermeister. Mit dem Ersten Beigeordneten Günter Wewers habe ich telefoniert.

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Günter Wewers war ja auch Ihr Gegenkandidat bei der Wahl. Wie wird da die Zusammenarbeit laufen?

Ich sehe es als große Chance für Stadtlohn, dass nun zwei starke Bewerber gemeinsam die Geschicke der Stadt lenken. Die Konstellation kann etwas Bereicherndes haben. Wir haben einen fairen Wahlkampf geführt und Günter Wewers macht seit Jahren gute Arbeit im Rathaus und im Ehrenamt. Das möchte ich nicht missen.

Was werden Sie als neuer Bürgermeister als Erstes angehen?

Mein erster Termin ist tatsächlich direkt am Sonntag, den 1. November, um 11 Uhr – ein Gratulationsbesuch. Die Arbeit im Rathaus beginnt dann am Montag. Da werde ich mich erst einmal in den einzelnen Abteilungen vorstellen. Viele kennen mich ja gar nicht persönlich. Vielleicht werde ich auch in einigen Abteilungen hospitieren, um alles möglichst gut kennenzulernen. Am Mittwoch steht die erste Ratssitzung an mit Wahlen und Ausschussbesetzungen. Inhaltlich wird das erste größere Thema die Einbringung des Haushalts sein.

Sie wohnen im Moment in Ahaus, haben im Wahlkampf aber immer gesagt, dass Sie wieder zurück nach Stadtlohn ziehen wollen. Gibt es da schon was Konkretes?

Ja, tatsächlich. Ich habe mich seit der Wahl um Wohnraum bemüht und habe etwas Adäquates gefunden. Der Umzug ist für Frühjahr geplant. Ich freue mich, zurück nach Stadtlohn zu kommen. Aber die Zeit in Ahaus hatte auch etwas Gutes. Ich habe einen Blick von außen bekommen und nehme nun einige Dinge anders wahr.

Sie sind nach Ahaus gezogen, weil Sie in Stadtlohn keinen passenden Wohnraum gefunden haben. Ist das Thema Wohnungsnot eines, das Sie als Bürgermeister angehen werden?

Ja, das Thema ist total präsent. Da ist schon einiges angestoßen, aber da müssen wir noch mehr machen. Wir müssen Wohnraum für alle Bedürfnisse zur Verfügung stellen.

Welche Themen stehen sonst noch auf Ihrer Liste?

Ich möchte das, was ich im Wahlkampf gesagt habe, einlösen. Das bedeutet zum Beispiel, junge Leute stärker einzubinden. Ich möchte möglichst schnell eine Bürgerbeteiligungsplattform schaffen. Außerdem ist mir die Digitalisierung wichtig – in den Schulen, im Rathaus, aber auch in der Innenstadt. Dafür müssen wir den Breitbandausbau vorantreiben und die richtige Infrastruktur schaffen.

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Auf der Liste steht natürlich auch das Thema Hochwasser. Da möchte ich schauen: Was bremst das Projekt gerade aus? Warum dauert es so lange? Was können wir optimieren? Ich bin tendenziell ein ungeduldiger Mensch. Aber ich bin auch realistisch und weiß natürlich, dass gewisse Dinge einfach dauern.

Sie haben im Wahlkampf auch stark auf Präsenz in den Sozialen Medien gesetzt. Wollen Sie das als Bürgermeister fortführen?

Ich würde es gerne fortführen, aber ich muss schauen, inwieweit das umsetzbar ist. Ich möchte transparent sein, die Leute sollen wahrnehmen, was ich mache. Das ist über Medien wie Facebook und Instagram natürlich gut zu erreichen. Aber ich werde mich nicht verbiegen. Ständig posten, dass ich gerade Kaffee trinke oder was ich esse – das wird es nicht geben.

Das Coronavirus wird Ihre Anfangszeit stark beeinflussen...

Stimmt. Mir tut es für meinen Vorgänger Helmut Könning ein bisschen Leid, dass er seine Abschiedsfeier absagen musste. Er hat diesen Job sehr lange und sehr gut gemacht. Mir persönlich ist dieses ganze Tamtam nicht so wichtig, ich brauche keine große Willkommensfeier. Ich sehe das eher als Chance, dass ich die Mitarbeiter im Rathaus und die Abteilungen in kleinem Rahmen besser kennenlernen kann.

Worauf freuen Sie sich in den kommenden fünf Jahren?

Auf die Arbeit im politischen Raum. Da sehe ich es auch als Chance, dass ich parteilos bin. Ich wurde zwar von vier der fünf Ratsparteien unterstützt, aber ich bin Bürgermeister für ganz Stadtlohn. Das Amt sollte parteiunabhängig geführt werden und ich kann da vielleicht auch ganz andere Denkprozesse anstoßen. Ob ich acht oder zwölf Stunden arbeite, ist nicht so entscheidend. Wichtig ist, was rauskommt.

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