Bestattungen auf dem Aschestreufeld sind bald auch mit Namensnennung möglich

mlzFriedhof Stadtlohn

Bislang durfte die Asche von Verstorbenen nur anonym verstreut werden. Künftig ist auch eine Namensnennung möglich. Dann kann die Ascheverstreuung auch katholisch begleitet werden.

Stadtlohn

, 11.10.2018, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die kleine Rasenfläche auf dem Stadtlohner Friedhof wäre eigentlich ganz unscheinbar – stünden dort nicht am Rande ein steinernes Kreuz, kleine Engelskulpturen und Grableuchten. Hinterbliebene haben sie dort aufgestellt – für ihre namenlos beigesetzten Angehörigen oder Freunde. Sie wurden hier nicht im Sarg oder in einer Urne bestattet. Ihre Asche wurde schlicht auf dem Rasen verstreut.

Für diese Bestattungsform legt die Stadtlohner Friedhofssatzung strenge Regeln fest. Dort heißt es bislang: „Am Aschestreufeld wird nicht gekennzeichnet, wer beigesetzt worden ist. Grabmale und bauliche Anlagen sind nicht zulässig.“ Und die wichtigste Regel: Angehörige können diese kostengünstigere Bestattungsform nicht stellvertretend für die Verstorbenen aussuchen. Vielmehr muss der Verstorbene selbst schon zu Lebzeiten seinen Wunsch auf Ascheverstreuung ausdrücklich schriftlich festgelegt haben.

Eine Beisetzung pro Jahr

Das Aschestreufeld wurde vor 14 Jahren in die Stadtlohner Friedhofssatzung aufgenommen. Seither wurde dort die Asche von weniger als zehn Verstorbenen verstreut. In den letzten Jahren führt die Friedhofsstatistik eine Aschestreufeldbeisetzung pro Jahr auf.

Warum Menschen sich für diese Beisetzungsform entscheiden weiß die Statistik nicht. Über die möglichen Gründe kann man aber spekulieren: Bei dem einen mag der Wunsch nach einer schnellen und schlichten Beisetzung im Vordergrund stehen, bei dem anderen die Sorge, ein Grab könnte den Hinterbliebenen zuviel Mühe und Kosten aufbürden. Für eine Aschestreufeldbeisetzung werden zur Zeit keine Gebühren erhoben. Sie sind aber künftig bei steigenden Zahlen nicht ausgeschlossen.

In der Vergangenheit kam es mitunter aber zu Komplikationen. Denn was nicht in der Friedhofssatzung der Stadt steht: Bei der anonymen Ascheverstreuung ist eine Begleitung der Beisetzung durch die katholische Kirche aus theologischen Gründen nicht möglich. „Dann hieß es manchmal von Seiten der Angehörigen: ,Wenn der Verstorbene das gewusst hätte, dann hätte er sich nicht für die anonyme Ascheverstreuung entschieden‘“, erklärt Günter Wewers, der Erste Beigeordnete der Stadt Stadtlohn.

Keine katholische Begleitung ohne Name

Pastoralreferent Rudolf Kleyboldt von der Kirchengemeinde St. Otger erläutert die theologischen Hintergründe: „Jeder Mensch ist einzigartig. Und diese Einzigartigkeit geht über den Tod hinaus.“ Darum gehöre zum katholischen Beerdigungsritus stets auch ein Zitat des Propheten Jesaja: „Fürchte dich nicht, denn ich befreie dich. Ich rufe dich bei deinem Namen, mein bist du!“ Rudolf Kleyboldt: „Wir haben ein ganzheitliches Menschenbild mit der Einheit von Leib und Seele über den Tod hinaus bis zur Wiederauferstehung. In unserem Glauben verschmilzt der Mensch nach dem Tode nicht namenlos mit der Mutter Natur oder dem Universum.“

Rudolf Kleyboldt betont aber: „Selbstverständlich stehen wir den Familien in ihrer Trauer auch dann zur Seite, wenn sich der Verstorbene für eine anonyme Verstreuung entschieden hat. Wir wollen ja für die Menschen in Bedrängnis da sein.“ Nur sei eine katholische Begräbnisfeier anonym eben nicht möglich.

Namensstele wird aufgestellt

Der Rat der Stadt Stadtlohn hat in seiner jüngsten Sitzung Konsequenzen gezogen, um mögliche Konflikte auszuräumen. Am Aschestreufeld wird nun eine Stele errichtet, auf die die Namen der dort bestatteten Menschen graviert werden können. Eine Gravur kostet nach Schätzung der Verwaltung 650 Euro. Um die Stele nutzen zu können, muss der Verstorbene bereits zu Lebzeiten verfügt haben, dass er auf dem Aschestreufeld beigesetzt werden und auch namentlich erwähnt werden möchte.

Diese Neuregelung eröffnet die Möglichkeit zu katholischen Begräbnisfeiern am Aschestreufeld. Dagegen hat das Seelsorgeteam von St. Otger keine Bedenken, wenn es dort künftig eine namentliche Erinnerungsstätte gibt.

Auf ausdrücklichen Wunsch sind aber auch weiterhin anonyme Bestattungen möglich.

192 Bestattungen im Jahr 2017

Normale Bestattungen: 82 Tiefenbestattungen in Wahlgräbern): 53 Urnenbeisetzungen: 49 Anonyme Beisetzungen: 4 Stille Beisetzungen (nach Tot- oder Fehlgeburten): 3 Aschestreufeldbestattung: 1
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