Besuchshund kommt ins Senioren- und Pflegeheim

Weg zum Glück

Im Eingangsbereich steht eine große Tafel. „Pepe kommt“ ist darauf mit weißer Kreide geschrieben. Und Pepe wird von den Bewohnern des Senioren- und Pflegeheimes St. Josef schon sehnsüchtig erwartet.

STADTLOHN

05.12.2014, 17:01 Uhr / Lesedauer: 3 min
Besuchshund Pepe kommt einmal in der Woche ins Seniorenwohnheim St. Josef.

Besuchshund Pepe kommt einmal in der Woche ins Seniorenwohnheim St. Josef.

Je mehr Leckerlis es werden, desto stürmischer wird der dreieinhalbjährige Braune. Um ihn zu bremsen, zieht Nicole Vollmer einen leuchtgrünen Schlauch aus ihrem Korb. „Kennen Sie das noch“, fragt sie die Seniorin. Die nickt. Oben muss sie das Leckerli hineinwerfen, damit Pepe es unten auffangen kann. Der Labrador weiß natürlich, was Sache ist. Er legt den Kopf schief und setzt seinen treuesten Hundeblick auf. Und schon rollt das Leckerchen durch das Rohr… Seit April kommt Nicole Vollmer einmal wöchentlich mit Pepe ins Senioren- und Pflegeheim St. Josef. Immer montags. Ihr Mann besucht die Senioren mit dem zweiten Hund, ein schwarzer Labrador namens Watson, am Freitag. „Ich habe mich für die Therapiehundearbeit interessiert“, erzählt Nicole Vollmer. Aber hauptberuflich wollte sie das auch nicht machen.

So kam sie zum Arbeiter-Samariter-Bund. Um Besuchshund zu werden, musste Pepe eine Prüfung ablegen. „Es gibt Hunde, die sind einfach geeignet dafür“, erklärt die Ehrenamtliche. Und Pepe ist mehr als geeignet. Nicht nur wegen den unwiderstehlichen Hundecharms. Er sitzt immer noch vor Maria Tenbrink und schaut sie mit großen braunen Augen an. Neues Spiel: Die Seniorin füttert den Hund mit einem Holzkochlöffel. Für Pepe ist es Spaß, für die Bewohner von St. Josef eine Motorikübung „Wiedersehen, Pepe“, ruft Maria Tenbrink und lächelt immer noch. Der Labrador muss mit seinem Frauchen weiterziehen. Immerhin warten noch mehr Senioren auf ihn. Doch es ist noch Zeit: Der Labrador verabschiedet sich mit einem – geringelten – „Pfötchen“.

Ein neuer Fan wartet im zweiten Stock auf ihn. Der Mann auf dem Elektromobil hat in seinem Korb Hundeleckerlis. Nicht nur daran merkt man, dass er ein Freund der Vierbeiner ist. Pepe spürt das sofort und würde dem Mann am liebsten auf den Schoß krabbeln. Doch das Leckerli gibt es erst später, sonst konzentriert sich Pepe nicht mehr auf Maria Ortmeier, die ihn schon entdeckt hat. Nicole Vollmer legt ihr eine Decke mit vielen Zotten auf den Schoß. Darin soll die Seniorin die Leckereien für Pepe verstecken. Diesmal gibt es Karottenscheiben – damit Pepe nicht zu dick wird bei den vielen Leckerlis. Mit seiner Schnauze durchwühlt der Labrador die Decke nach Fressen. Maria Ortmeier lacht laut auf. Sie hat keine Angst davor, wenn Pepe ihr so nahe kommt.

Ein letztes Spiel: Maria Ortmeier wirft einen großen Würfel aus Schaumstoff. „Apport“ – ein kurzer Befehl von Nicole Vollmer und Pepe trottet dem orangenen Würfel hinterher. Er übergibt ihn direkt an die Seniorin, die ihn mit zwei Karottenstückchen belohnt. Immerhin hat sie eine Zwei gewürfelt. Nach ein paar weiteren Besuchen gähnt Pepe mit weit aufgerissener Schnauze. „Nach einer Stunde sind die Hunde auch platt“, erklärt Nicole Vollmer. Pepes Zeit ist für diesen Tag eh fast beendet. Unten neben dem Eingang kann er aber noch eine Frau glücklich machen. Sie sitzt auf einem Bänkchen und freut sich, dass sie den Labrador streicheln darf. Und schon hat Pepe eine weitere Freundin gewonnen, die er beim nächsten Mal besuchen darf.  

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