Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten, das Ringen um das alte Berkelstadion schon fast 20 Jahre. Jetzt denkt der Rat über einen Verkauf nach. Eine Bürgerinitiative will das Spiel noch drehen.

Stadtlohn

, 07.11.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Wir wollen den Verkauf des Berkelstadions verhindern.“ Jan Rathmer und seine Mitstreiter haben ein klares Ziel. Und sie sind fest entschlossen. Das innenstadtnahe Areal zwischen Burgstraße und Berkel soll ihrer Meinung nach für die Allgemeinheit erhalten bleiben. Das will die Bürgerinitiative notfalls auch gegen den Willen der Politiker im Stadtrat durchsetzen. „Im Idealfall stimmt der Rat für unsere Ideen. Wenn nicht, dann organisieren wir einen Bürgerentscheid“, sagt Dirk Wörmer.

130 Mitglieder in der WhatsApp-Gruppe zur Zukunft des Berkelstadions

Jan Rathmer, Dirk Wörmer, Juliane Rehkamp, Rita Althaus, Maik Veldscholten und Thomas Veldscholten sind die Köpfe der Bürgerinitiative, die sich in diesem Sommer zusammengefunden hat. „Als der Verkauf des Geländes ins Gespräch kam, sind bei uns die Alarmglocken angegangen“, sagt Juliane Rehkamp. In der WhatsApp-Gruppe „Zukunft des Berkelstadions“ seien 130 Stadtlohner, bei einem ersten Treffen waren rund 30 anwesend“

Im Jahr 2000 wurde das letzte Spiel im Berkelstadion abgepfiffen. Seither liegt das Areal brach. An Ideen und Überlegungen für das Gelände mangelte es seither nicht: Festplatz, Einkaufszentrum, Kino, Jugendhaus, Hotel, Schnellrestaurant, neuer Busbahnhof, neue Stadthalle – all das konnten und können sich Planer, Investoren, Politiker oder Bürger dort vorstellen. Zuletzt hatten sich Überlegungen für ein Seniorenwohnheim und Wohnbebauung verdichtet.

20 Jahre ohne Entscheidung „ein Armutszeugnis“

„Das ist aber nicht das, was die Stadtlohner wollen“, davon ist Jan Rathmer überzeugt. „In den Kegelklubs, in Vereinen und in den Nachbarschaften hören wir nämlich etwas ganz anderes“, ergänzt Dirk Wörmer. Er spricht auch von einem „Armutszeugnis“, weil das Gelände schon seit fast zwei Jahrzehnten brach liegt.

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Aber wie soll das Areal denn genutzt werden? Die Bürgerinitiative hat viele Ideen, ist aber nicht festgelegt: eine multifunktionale Stadthalle mit Bistro-Café und einem gastronomischen Stadtbeach (Wörmer: „Der Berkelbeach in Vreden läuft super!“), ein Busbahnhof zur Entlastung der Innenstadtstraßen, ein Parkplatz in Verbindung mit einem Fest- und Kirmesplatz ...

„Wir sind offen für weitere Vorschläge“, sagt Jan Rathmer. Gute Ideen könne sicher auch der Citymanager entwickeln. Wichtig sei nur: Das Gelände soll aufgrund seiner zentralen und besonderen Lage an der Berkel öffentlichen Zwecken dienen.

Bürger wollen über die Zukunft des Berkelstadions mitentscheiden

Das alte Berkelstadion aus der Vogelperspektive © Bernd Schlusemann

Juliane Rehkamp: „Dieser Ort könnte zu einem Treffpunkt für alle Generationen werden.“ Maik Veldscholten weißt darauf hin, dass derzeit die Stadthalle bautechnisch auf dem Prüfstand steht. „Sollte ein Neubau die beste Lösung sein, dann ist das Areal des Berkelstadions der ideale Standort“, sagt Maik Veldscholten.

Anregung an den Bürgermeister überreicht

Vertreter der Bürgerinitiative haben jetzt im Rathaus offiziell eine Anregung gemäß Paragraf 24 der Gemeindeordnung an Bürgermeister Helmut Könning überreicht. Darin beantragen sie, dass das Grundstück „im alleinigen Eigentum der Stadt Stadtlohn für mindestens die nächsten 25 Jahre verbleiben soll.“

Jetzt hoffen Jan Rathmer und seine Mitstreiter, in der nächsten Hauptausschusssitzung am 27. November Rederecht zu bekommen, um ihr Anliegen vorzutragen und zu erläutern. Bürgermeister Helmut Könning sieht keine grundsätzlichen Hemmnisse: „Ich selbst könnte das Rederecht aber höchstens vorschlagen, entscheiden müssen darüber die Ausschussmitglieder.

Möglichen Bürgerentscheid für September 2020 ins Auge gefasst

„Ideal für uns wäre, wenn der Ausschuss und anschließend der Rat sich unserer Auffassung anschließen“, sagt Jan Rathmer. Doch die Bürgerinitiative schmiedet auch schon einen Plan B: die Organisation eines Bürgerentscheids. Zur Einleitung müssten rund 4200 Unterschriften (20 Prozent der Einwohner) gesammelt werden.

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„Diese Unterschriften zusammenzubekommen, das ist das geringste Problem“, davon ist Dirk Wörmer überzeugt. Die Bürgerinitiative hat bereits Kontakt zu den Organisatoren des Vredener Bürgerentscheids zum Widukindstadion aufgenommen, der im Frühjahr 2019 in der Nachbarstadt erfolgreich war.

Einen Termin für den möglichen Bürgerentscheid hat die Bürgerinitiative bereits ins Auge gefasst: die Kommunalwahl am 13. September 2020. Vielleicht aber sei der Bürgerentscheid ja auch gar nicht nötig. „Die anstehende Kommunalwahl macht die Politiker ja vielleicht auch offener für Anregungen“, sagt Juliane Rehkamp.

Bürgerinitiative will sich nicht parteipolitisch binden

Erst im September hat der Stadtlohner Rat einen Vorstoß der FDP abgelehnt. Die Liberalen wollten mit einem Ratsbürgerentscheid die Entscheidung über die Zukunft des Berkelstadions direkt von den Bürgern entscheiden lassen. Nur die UWG unterstützte das Anliegen. CDU, SPD und Grüne verwiesen indes auf bereits bestehende Beschlüsse und laufende Verhandlungen. Die SPD wertete den Vorstoß der FDP gar als „populistisch“.

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Warum hat sich die im August gegründete Bürgerinitiative im September noch nicht öffentlich zu Wort gemeldet? „Wir wollen uns nicht vor einen parteipolitischen Karren spannen lassen“, sagt Jan Rathmer. Die Bürgerinitiative sei parteipolitisch unabhängig, und gerade das sei ihre Stärke. Das und ihre Entschlossenheit. Jürgen Wörmer: „Wir haben jetzt angefangen – und das ziehen wir jetzt durch. Jeder der uns kennt, weiß, dass wir uns jetzt nicht mehr abwimmeln lassen.“

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