Bürgerwindpark Hengeler/Wendfeld soll weiter nach Westen wachsen

mlzWindkraft

Acht Windräder drehen sich im Bürgerwindpark Hengeler/Wendfeld. Nach den Wünschen der Betreiber soll der Windpark weiter wachsen. Es könnte aber Konflikte mit dem Landschaftsschutz geben.

Stadtlohn

, 05.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Achteinhalb Millionen Kilowattstunden Strom haben die acht Windkraftanlagen im Bürgerwindpark Hengeler/Wendfeld allein im Januar 2019 erzeugt.

Mit dieser in einem einzigen Monat erzeugten Strommenge könnten rein rechnerisch über 2000 Durchschnittshaushalte ein ganzes Jahr lang klimafreundlich mit elektrischer Energie versorgt werden.

Jetzt wollen die Windkraftbetreiber den Windpark weiter ausbauen. Die ins Auge gefasste Erweiterungsfläche ist etwa 70 Hektar groß, schließt sich südlich der L608 an die bestehende Konzentrationszone an und erweitert sie nach Westen in Richtung Vreden.

Drei bis fünf neue Anlagen denkbar

Wie viele neue Windkraftanlagen dort errichtet werden könnten, ist noch unklar und abhängig von möglichen Anlage-Typen.

„Wir sind mit den Planungen noch nicht so weit. Zunächst muss geklärt werden, ob die Erweiterungsfläche genehmigt wird“, sagte August Rietfort, der Geschäftsführer des Bürgerwindparks Hengeler/Wendfeld am Freitag im Gespräch mit unserer Redaktion. Denkbar wären drei bis fünf Anlagen.

Das Genehmigungsverfahren läuft in mehreren Etappen. Zunächst müsste die Stadt Stadtlohn den Teilflächennutzungsplan ändern. Am kommenden Dienstag wird das Erweiterungsprojekt erstmals in der öffentlichen Sitzung des Umwelt-, Planungs- und Bauausschusses der Stadt vorgestellt.

Falls die Stadt Stadtlohn im weiteren Verfahren die Änderung billigt, müsste danach auch die Untere Umweltbehörde beim Kreis Borken zustimmen. Parallel dazu würde dann auch ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz durchgeführt.

Bereits 40 Millionen Euro investiert

Im Jahr 2017 haben die Betreiber des Bürgerwindparks Hengeler/Wendfeld rund 40 Millionen Euro in acht Windkraftanlagen südlich und nördlich der L608 in Hengeler-Wendfeld investiert.

Die Windkraftanlagen haben eine Turmhöhe von 134 Metern und einem Rotor-Durchmesser von 131 Metern. Der Bürgerwindpark wird getragen von rund 150 Gesellschaftern aus Stadtlohn und Ehemaligen aus den Bauerschaften Hengeler und Wendfeld. Darüber hinaus sind weitere 300 Stadtlohner über das SVS-Beteiligungsmodell am Bürgerwindpark beteiligt.

Es gab aber auch Nachbarn, die Dauerbeschallung und Schattenschlag kritisch sahen. Inzwischen sind aber alle Klagen zurückgezogen worden – um das Miteinander in der Nachbarschaft nicht dauerhaft zu gefährden, wie es von beiden Seiten heißt. Auch die skeptischen Nachbarn wurden nun über ein Anwohnermodell in das Projekt eingebunden.

230.000 Euro Gewerbesteuer im Jahr

„Die gesamte Wertschöpfung bleibt in Stadtlohn“, sagt August Rietfort, der Geschäftsführer des Bürgerwindparks. Zudem, so Rietfort, habe der Bürgerwindpark bereits im ersten Jahr seines Betriebs fast 230.000 Euro Gewerbesteuer an die Stadt abgeführt.

„Das ist die Größenordnung, die wir auch in den nächsten zehn Jahren zahlen werden. Danach wird es sogar noch mehr sein.“ Außerdem profitiere die Stadt von der Windpacht, weil sie selbst Flächen in Hengeler besitze.

Keine artenschutzrechtlichen Bedenken

Aus Sicht von August Rietfort spricht nur wenig gegen die Erweiterung des Windparks, aber vieles dafür. Vor allem der Bedarf an sauberer Energie. Nach dem Kohleausstieg werde der Ausbau der Windenergie neue Fahrt aufnehmen, da sei er sich sicher.

Rietfort: „Die guten Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der Stadt Stadtlohn und die hohe Akzeptanz bei den Bürgern vor Ort haben uns darin bestärkt, die Planung der Erweiterung voranzutreiben.“

In der nun angedachten Erweiterungsfläche von 70 Hektar gebe es nur wenige Anwohner, einer von ihnen ist August Rietfort selbst. Der Abstand zu den Wohngebieten in Stadtlohn und Vreden beträgt mehr als 1500 Meter.

Weil das Erweiterungsgebiet bei den anfänglichen Planungen des Bürgerwindparks schon 2012 gutachterlich untersucht wurde, stehe auch schon fest, dass es keine artenschutzrechtlichen Bedenken gebe.

Landschaftsschutzgebiet berührt

Dennoch gibt es Fragezeichen. Vor sechs Jahren wurde die Erweiterungsfläche ausgeklammert, nachdem die Untere Umweltbehörde des Kreises Borken die Windkraftpläne für unvereinbar mit dem Landschaftsschutzgebiet „Östliche Berkelniederung“ erklärt hatte.

Dieser Einschätzung widersprechen die Betreiber des Bürgerwindparks Hengeler/Wendfeld unter Berufung auf ihre Gutachter.

Mathias Pennekamp, Fachbereichsleiter Planen und Bauen im Stadtlohner Rathaus, gibt in der Beratungsvorlage für die Bauausschusssitzung zu bedenken, dass in die Überlegungen zwei weitere Aspekte einbezogen werden müssten: Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass „die betroffenen Personen sensibel auf Windenergie-Planungen reagieren“.

Zudem seien die Auswirkungen auf das Landschaftsbild erheblich.

Weitere Themen im Bauausschuss

Die Sitzung des Umwelt-, Planungs- und Bauausschusses beginnt am Dienstag, 5. Februar, um 17 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses.

Neben der Windenergie wird dort über die Installation eines automatischen Pollers in der Hohen Straße, über einen Antrag des SMS-Stadtmarketing zum Thema „Steuerung und Sicherung der örtlichen Nahversorgung in der Stadt Stadtlohn“, über die Kanalerneuerung und die Straßensanierung am Schanzring und am Görkeskamp, über die Gestaltung des Mühlenumfeldes und über die Beantragung von Fördermittel für den barrierefreien Umbau der Marienschule beraten.

Weitere Themen sind denkmalpflegerische Maßnahmen am Wasserturm und zwei Baumfäll-Anträge (Bruckner-/Lortzingstraße und im Bereich der Tennisanlage). Ferner stehen Änderungen im beschleunigten Verfahren beim Bebauungsplan Nr. 4 „Freudenberg“ und der Ausbau eines verrohrten Gewässers in diesem Gebiet auf der Tagesordnung.

Hauptausschuss tagt am Mittwoch

Der Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschuss tagt am Mittwoch, 6. Februar, um 17 Uhr, im großen Sitzungssaal des Rathauses.

Hier sind folgende Beratungen vorgesehen: Haushalt 2019, Ordnungsbehördliche Verordnung über die Freigabe von Verkaufsstellen des Möbeleinzelhandels, Anträge der SPD-Fraktion zur Unterstützung der Resolution der Stadt Borken zum Erhalt der Stroke Unit am Krankenhaus Borken und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf eine ergänzende Stellungnahme der Stadt Stadtlohn zum Nahverkehrsplan. Ferner berichtet die Verwaltung über die Katzenkennzeichnungs- und –kastrationspflicht im Kreis Borken.

Öffentliche Fraktionssitzungen am Montag

Die Themen der Ausschusssitzungen werden in öffentlichen Fraktionssitzungen vorberaten. Dazu sind wie in den Ausschüssen interessierte Zuschauer willkommen. Die Termine für die Fraktionssitzungen am Montag, 4. Februar, im Rathaus, Markt 3:

  • CDU: 18 Uhr im großen Sitzungssaal (1. OG)
  • UWG: 19 Uhr im kleinen Sitzungssaal (2. OG)
  • SPD: 18.30 Uhr im Raum 125 (1. OG)
  • FDP: 19 Uhr im Raum 126 (1. OG)
  • Bündnis 90/Die Grünen: 18 Uhr im Raum 209 (2. OG)
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