Im Senioren- und Pflegezentrum St. Josef in Stadtlohn sind aktuell neun Bewohner mit dem Coronavirus infiziert. Vier Bewohner sind am Sonntag und Montag (14. und 15. Februar) an oder im Zusammenhang mit Corona gestorben. © Stefan Grothues
Coronavirus

Corona-Ausbruch in Stadtlohner Altenheim: Vier infizierte Bewohner gestorben

Das Senioren- und Pflegezentrum St. Josef in Stadtlohn kämpft mit einem Corona-Ausbruch. Vier Bewohner sind innerhalb von nur zwei Tagen an oder im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

Das ist wohl der traurigste Rosenmontag in der Geschichte des Senioren- und Pflegezentrums St. Josef in Stadtlohn: Drei Bewohnerinnen und Bewohner starben am 15. Februar innerhalb nur eines Tages an oder im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Bereits einen Tag zuvor war eine ebenfalls infizierte 94-jährige Bewohnerin gestorben.

Bei den Toten von Montag handelt es sich um eine 96-jährige und eine 75-jährige Frau sowie um einen 85-jährigen Mann. Die 96-Jährige und der 85-Jährige verstarben im Altenwohnheim im Beisein von Angehörigen, die 75-Jährige im Krankenhaus. „Das ist ein schwarzer Tag für uns alle“, erklärte Hausleiter Ludwig Wübbelt.

Neun Bewohner und drei Mitarbeiter aktuell infiziert

Neun weitere Bewohnerinnen und Bewohner sowie drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind aktuell mit dem Corona-Virus infiziert. Die betroffenen Bewohner, die aus verschiedenen Hausgemeinschaften stammen, wurden jetzt in einer Wohngruppe zusammengelegt und weiterhin in der Einrichtung betreut.

„Die Krankheitsverläufe dieser Bewohner sind bislang sehr milde“, erklärt Christiane Nitsche-Costa als Sprecherin des Pflegenetzes Westmünsterland, das zum Klinikum Westmünsterland gehört. Nach ihren Angaben war die Corona-Infektion in drei der vier Todesfälle vermutlich nicht ursächlich für den Tod verantwortlich. Zwei weitere Todesfälle im Seniorenzentrum stünden in keinerlei Zusammenhang mit Covid-19.

Infektionswege sind nicht nachvollziehbar

Wie das Virus seinen Weg in das Stadtlohner Seniorenzentrum fand, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Entdeckt wurde es Ende Januar, Anfang Februar bei Routinetests. „Wöchentlich wurden damals Schnelltests durchgeführt. Dabei gab es drei positive Ergebnisse bei Bewohnern – erstaunlicherweise je einen in drei verschiedenen Hausgemeinschaften auf unterschiedlichen Etagen“, sagt Christiane Nitsche-Costa.

Durch PCR-Tests seien die Ergebnisse bestätigt worden. Inzwischen werden mehrmals wöchentlich alle Bewohner durchgetestet. Die Krankheitsverläufe der drei Erstinfizierten seien milde gewesen, so Christiane Nitsche-Costa.

Zweitimpfung erfolgte Anfang Februar

Zum Zeitpunkt des Ausbruchs war die erste Impfrunde im Senioren- und Pflegezentrum St. Josef bereits gelaufen, die Zweitimpfung stand bevor. So gut wie alle der 80 Bewohnerinnen und Bewohner sowie 90 bis 95 Prozent des Personals hatten sich impfen lassen. Die Zweitimpfung war für den 2. und 3. Februar terminiert. Dabei blieb es auch. Christiane Nitsche-Costa: „Alle, die nicht positiv getestet waren, konnten die zweite Impfung erhalten.“

Noch im Dezember hatte Hausleiter Ludwig Wübbelt im Gespräch mit unserer Redaktion gehofft, ohne einen Coronaausbruch über die Impfzeit zu kommen. „Es wäre fatal, wenn wir den bisherigen Erfolg auf den letzten Metern vor der Impfung verspielen würden“, sagte der 60-Jährige kurz vor Weihnachten.

Impfschutz baut sich erst über Wochen auf

Dass die Impfung den Corona-Ausbruch im Seniorenzentrum nicht verhindert hat, ist nach der Bewertung der Impfwirksamkeit durch das Robert-Koch-Institut (RKI) nicht ungewöhnlich. Auf der Internetseite des RKI heißt es dazu: „Zu einer Erkrankung kann es auch dann kommen, wenn die Infektion kurz vor der Impfung stattgefunden hat oder wenn eine Infektion in den ersten Tagen nach der Impfung erfolgt ist, bevor der Impfschutz vollständig ausgebildet werden konnte. Eine Wirkung der Impfung tritt in der Regel 10-14 Tage nach Applikation der 1. Impfstoffdosis ein.“

Das Gesundheitsamt des Kreises hat das Senioren- und Pflegezentrum St. Josef nicht unter Quarantäne gestellt. Es gibt auch kein generelles Besuchsverbot. „Wir haben aber die Angehörigen gebeten, bis zum 1. März nicht ins Haus zu kommen. Und die halten sich daran. Seit Dienstag gab es keine Besucher mehr“, so Christiane Nitsche-Costa.

Für Mitarbeiter und Bewohner sei das nun emotional eine sehr schwere Zeit. Der Soziale Dienst unterstützt die Pflegenden und halte auch Kontakt zu den Infizierten. Nach Aussage von Ludwig Wübbelt ist der kollegiale Zusammenhalt noch gewachsen. Seelsorger und Trauerbegleiter sollen in den nächsten Wochen mit Pflegenden und Bewohnern die Ereignisse aufarbeiten. Christiane Nitsche-Costa: „Bei den Verstorbenen handelt es sich ja um Menschen, die schon länger in den Hausgemeinschaften lebten, die dort ihr Zuhause hatten. Das sind ja sehr familiäre Verhältnisse.“

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Stefan Grothues

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