Coronavirus lockt mehr Besucher auf den Stadtlohner Wochenmarkt

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Die Markthändler in Stadtlohn sind zufrieden: Am Donnerstag hatten sie mehr Kunden als an einem gewöhnlichen Markttag. In Zeiten des Coronavirus‘ ist der Markt einer der wenigen Treffpunkte.

Stadtlohn

, 03.04.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Quer über den Marktplatz reichen am Donnerstagmittag die Schlangen vor den einzelnen Marktständen. Jeweils mit dem vorgeschriebenen Abstand haben sich die Kunden vor den Händlern angestellt. Die Schilder, die die Stadt vorher zur Sicherheit noch extra verteilt hat, sind eigentlich unnötig. Die Stadtlohner halten von selbst den Sicherheitsabstand ein.

„Die Leute sind wirklich sehr diszipliniert“, sagt Harald Vogtt vom Fachbereich Sicherheit und Ordnung der Stadt Stadtlohn. Der Marktmeister sieht gerade nach dem Rechten. Der Aufbau der Marktwagen unterscheide sich nicht von einem „normalen“ Wochenmarkt in der Stadt. Einzig die Stehtische vor dem Fischwagen und beim Partyservice fehlen. „Mittagstisch gibt es heute nicht“, erklärt er.

Kein Mittagstisch sondern nur Essen „to go“

Kunden können die Speisen nur mitnehmen. „Das ist aber eigentlich auch schon der größte Unterschied“, sagt Diane Menneken über ihre Theke hinweg. Mit frischem Fisch und Backfisch steht sie seit Jahren auf dem Stadtlohner Markt. „Im Moment gibt es nur was zum Mitnehmen“, erklärt sie. In ihren Augen seien die Kunden ein wenig ängstlich geworden. „Aber das kann man ja auch verstehen“, fügt sie hinzu.

Die Schilder auf dem Boden und an den Marktständen wären nicht nötig gewesen. Die Stadtlohner haben sich auf dem Markt von selbst an die Abstandsregelungen gehalten.

Die Schilder auf dem Boden und an den Marktständen wären nicht nötig gewesen. Die Stadtlohner haben sich auf dem Markt von selbst an die Abstandsregelungen gehalten. © Stephan Teine

Auch nebenan bei Obst und Gemüse gehen die Geschäfte gut. „Ich wundere mich fast ein bisschen, dass die Leute so diszipliniert sind“, erklärt Birgit van de Maat. Tatsächlich reihen sich die Marktbesucher säuberlich in drei Reihen vor dem breiten Stand ein und warten anstandslos, bis sie näher an den Wagen herangerufen werden.

Der Markt als Treffpunkt auf Abstand

„Sie legen sogar Wert darauf, dass wir ihnen die Waren in die Hand geben und das niemand selbst Obst und Gemüse anfasst“, sagt Birgit van de Maat weiter. Die Krise sei eben da und jeder müsse mithelfen, das Beste daraus zu machen. In ihren Augen ist an diesem Donnerstagnachmittag etwas mehr los als gewöhnlich. „Kein Wunder, die Leute haben ja auch sonst gar keine Möglichkeit mehr, andere Menschen zu treffen“, sagt sie und blickt in das kleine Rund der Marktstände.

Von Wartereihe zu Wartereihe unterhalten sich ihre Kunden, machen sich gegenseitig Mut oder sagen, dass es eben im Moment einfach nicht anders gehe.

Der Wochenmarkt in Stadtlohn findet – auch in der Coronakrise – mittwochs von 14 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 12 Uhr statt.

Thomas Schlüter vom Geflügelhof Schlüter aus Stadtlohn ist ein bisschen wehmütig. „Das Verkaufen hat schon mehr Spaß gemacht, als die Leute noch dicht gedrängt vor dem Wagen standen“, sagt er. Aus mehreren Tischen mit Eiern hat er eine kleine Barrikade vor seinem Wagen aufgebaut. Auch bei ihm stehen die Kunden Schlange.

Als ein älterer Marktbesucher wohl aus Gewohnheit direkt an den Tresen kommt, weist Thomas Schlüter ihn zurecht. Freundlich, aber bestimmt. „Die anderen warten ja auch. Hinten anstellen“, ruft er vom Marktwagen herunter.

Markthändler freuen sich über mehr Kunden in der Coronakrise

Der Kunde stutzt, blickt sich um und geht leise murrend ans Ende der Schlange. „Insgesamt sind die Leute aber wirklich sehr diszipliniert“, bestätigt auch Thomas Schlüter. Er freut sich sogar über ein gutes Geschäft. Auf dem Markt sei mehr los als sonst. „Wir verkaufen deutlich mehr“, sagt er. Gut für ihn, schließlich sei das Geschäft mit Kantinen im Moment komplett eingebrochen.

Die Händler haben sich am Mittwoch über viele Kunden gefreut. Die nutzten den Gang über den Markt auch für einige Gespräche – natürlich auf Abstand.

Die Händler haben sich am Mittwoch über viele Kunden gefreut. Die nutzten den Gang über den Markt auch für einige Gespräche – natürlich auf Abstand. © Stephan Teine

„Die Leute kochen wieder zu Hause. Das merkt man“, sagt er. Gaststätten seien geschlossen und die Menschen seien zu Hause. „Sie lernen es wieder wertzuschätzen, mit der Familie zusammen zu essen und Zeit zu verbringen“, schätzt er. Da müsse man eben auch wieder anders einkaufen. „Außerdem haben wir hier ja auch einfach mehr Platz als in den engen Supermarkt-Gängen“, sagt er und deutet auf die Reihen auf dem Marktplatz.

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Ihm gegenüber verkauft Familie Terdues aus Legden Schnittblumen. Auch Gerburg Terdues ist an diesem Donnerstag mit dem Geschäft zufrieden. „Die Menschen wollen es zu Hause im Moment anscheinend schön haben“, sagt sie.

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