Darum rückt eine Stadtlohner Ortsumgehung in ganz weite Ferne

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Westumgehung oder Ostumgehung für Stadtlohn? Darum drehte sich die Analyse eines Ingenieurbüros. Das Ergebnis fiel eindeutig aus – sorgte aber für enttäuschte Gesichter.

Stadtlohn

, 02.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Im Umwelt-, Planungs- und Bauausschuss hat in der vergangenen Woche Dr. Lothar Bondzio vom Ingenieurbüro „Brilon Bondzio und Weiser“ die Analyse der Stadtlohner Verkehrssituation für das kommende Jahrzehnt vorgestellt. Im Fokus standen dabei die seit mehreren Jahren diskutierten Optionen einer West- oder Ostumgehung.

Zur Analyse erstellte das Ingenieurbüro ein Verkehrsmodell, anhand dessen die Experten den aufkommenden Verkehr in Stadtlohn für das Jahr 2030 prognostizierten. Nur so sei es möglich, die Auswirkungen einer West- bzw. Ostumgehung darzustellen, erklärte Lothar Bondzio. 2018 wurden dafür an 15 Stellen Verkehrsuntersuchungen durchgeführt.

Wenig überraschend wurde die höchste Belastung an der Kreuzung Mühlenstraße/Grabenstraße in der Nähe der Mühlenbrücke gemessen. Knapp 13.000 Fahrzeuge passieren diesen Knotenpunkt im Schnitt täglich. Rund 10.000 Fahrzeuge wurden auch auf den Straßen „Breul“, „Eschstraße“ und „Werseloer Straße“ gemessen.

„Wir müssen davon ausgehen, dass es im Vergleich zu heute zu einer leichten Zunahme der Verkehrsbelastung kommen wird. Die Einwohnerentwicklung wird konstant bleiben“, erklärte Lothar Bondzio. Durch die geplante Sperrung der Mühlenbrücke komme es außerdem zu einer Verlagerung des Verkehrs. Auch anhand dieser Prognosen und der städtebaulichen Einzelprojekte wie den Baugebieten Erningfeld, Wennigfeld und Freudenberg berechneten die Experten das Potenzial für eine Verkehrsumgehung.

Mühlenstraße, Grabenstraße und Eschstraße entlastet

Das eindeutige Fazit: Eine Westumgehung, die im Modell von der L572 an Hengeler vorbei bis zur Werseloer Straße führt, würde den Verkehr in der Innenstadt signifikant mehr entlasten als eine Ostumgehung. Knapp 5000 Fahrzeuge sollen nach den Berechnungen die Westumgehung täglich nutzen und damit vor allem Mühlenstraße, Grabenstraße und Eschstraße in der Spitze um täglich 4600 Fahrzeuge entlasten. Der Verkehr auf der Werseloer Straße würde hingegen um bis zu 2900 Kfz leicht steigen.

Eine Ostumgehung von der L572 über den Düwing Dyk bis zum Breul würden laut Prognose nur bis zu 3800 Fahrzeuge täglich nutzen. Eine Entlastung entstünde vor allem für die Straßen Breul (bis zu 3200 Kfz), Mühlenstraße/Burgstraße (bis zu 2100 Kfz) und dem Düwing Dyk (bis zu 1900 Kfz). Der Verkehr am Westfalenring würde laut des Ingenieurbüros um bis zu 800 Fahrzeuge pro Tag steigen.

Experte sagt: „Westumgehung ist klar zu favorisieren“

„Unter verkehrlichen Gesichtspunkten ist eine Westumgehung gegenüber einer Ostumgehung zu favorisieren. Die Westumgehung würde eine städtebaulich sinnvolle Begrenzung der Siedlungsentwicklung nach Westen bilden“, heißt es in der Stellungnahme des Ingenieurbüros. Außerdem sei der ökologische Eingriff bei der Westumgehung deutlich geringer. „Unsere Erfahrung zeigt, dass man definitiv mit 15 Jahren bis zur Fertigstellung der Umgehungsstraße rechnen muss. Es ist ein sehr komplexes und langwieriges Verfahren“, erklärte Lothar Bondzio. Auch, weil man als Kommune immer mit Klagen von Anwohnern rechnen müsse.

Josef Wansing von der CDU-Fraktion zeigte sich enttäuscht: „Einige Träume sind hier heute zerplatzt. Wir sprechen seit 40 Jahren immer wieder darüber und nun ist das Ziel in weite Ferne gerückt.“ Fachbereichsleiter Mathias Pennekamp betrachtete die Präsentation nüchterner: „Die letzten Datenerhebungen lagen Jahrzehnte zurück. Wir wollten, dass diese Szenarien einmal durchgespielt werden.“

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