Denise Schwinning schließt mit Familiencafé Leerstandslücke

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Denise Schwinning (35) ist unternehmungslustig. Oder besser gesagt: Sie ist eine echte Unternehmerin. Kindermode ist ihr Metier. Jetzt ist sie auch noch „Backkönigin“ – dank Citymanager.

Stadtlohn

, 02.05.2019, 17:02 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die ersten acht Wochen sind geschafft, die Umsatzerwartungen sind übertroffen. Denise Schwinning atmet auf: „Ich bin müde und zufrieden“, sagt sie lachend. Die Zufriedenheit sieht man ihr an, die Müdigkeit nicht. Dabei liegt ein aufregendes und arbeitsreiches halbes Jahr mit vielen Gesprächen, Überlegungen und Entscheidungen hinter ihr. Die 35-Jährige muss ihre Familie mit Mann, zwei Söhnen, Hund und Kater mit ihrem Kindermodengeschäft „Pretty Junior“ an der Eschstraße unter einen Hut bringen. Und am dem 7. März eröffnete sie gleich nebenan auch noch die Selbstbedienungsbäckerei und das Familiencafé „Back König“.

„Das hier ist mein Platz!“ Noah (3) besteht auf seinen Stammplatz am Fenster. Von hier aus kann man die ganze Eschstraße überblicken. Gleich neben ihm sitzt sein großer Bruder Luca (12). Die beiden Söhne von Denise Schwinning fühlen sich im Familiencafé schon wie zuhause. Sie sind hier täglich zu Gast. Citymanager Giampietro Salerno holt sich einen Stuhl vom Nachbartisch und setzt sich zu den Schwinnings. Dann erzählen Denise Schwinning und der Citymanager, wie der Back König in die Eschstraße kam.

Zwölf Jahre lang florierte in dem 200 Quadratmeter großen Ladenlokal eine Holly-Back-Filiale. 2018 aber ging die ganze Kette mit Hauptsitz Gronau in die Insolvenz. Seit dem 1. November 2018 hatte Stadtlohn in der Eschstraße einen neuen Leerstand. Ein Fall für den Citymanager. Vor gut einem Jahr hatte ihn die Stadt Stadtlohn für den Kampf gegen Leerstände engagiert. In diesem Fall schrillten seine Alarmglocken besonders laut. „Die Holly-Back-Filiale war ein echter Frequenzbringer für die Eschstraße. In meinen Gesprächen mit den benachbarten Einzelhändlern wurde schnell klar: Nach der Schließung des Cafés wurde es deutlich ruhiger in der Eschstraße. Wir mussten schnell eine Lösung finden.“

Dass in der Eschstraße die Kundenströme nachließen, spürte auch Denise Schwinning. Seit 2016 führt sie das Kindermodengeschäft „Pretty Junior“ gleich nebenan. „Da habe ich als Quereinsteigerin begonnen“, erzählt die gebürtige Kleverin, die von Haus aus gelernte Restaurantfachfrau und Betriebswirtin für Hotel und Gaststätten ist. „Ich war zuerst Kundin bei Pretty Junior, dann Mitarbeiterin und jetzt bin ich Inhaberin.“ Auf die Idee, selbst zusätzlich das Café nebenan zu übernehmen, kam sie trotz ihres beruflichen Hintergrundes nicht. Aber Citymanager Giampietro Salerno. Er spann seit November viele Gesprächsfäden: mit dem Vermieter, mit Systemgastronomen und mit Denise Schwinning. Salerno: „Ich war von Anfang an fest davon überzeugt, dass ein Systembäcker an dieser Stelle funktioniert. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass sich in Stadtlohn das klassische Backhandwerk und die Systembäckerei gut vertragen.“

Der Vermieter freute sich, dass Salerno die Dinge in die Hand nahm. Und er war auch bereit für die neue Perspektive bei der Miethöhe zurückzustecken. Und irgendwann führte der Weg den Citymanager auch zum Back König, einer bundesweit expandierende SB-Bäckerei-Kette aus Berlin. Der überzeugte Salerno mit seinem flexiblen Konzept: „Der Back König ist hier in Stadtlohn kein Franchisegeber, sondern nur ein Zulieferer, der auch die Lizenz für den Namen vergibt. Der Ladenumbau ist nicht vorgegeben. Wir konnten also die vorhandene Einrichtung und die Öfen zum Teil weiter nutzen.“ Und das waren Argumente, mit denen Giampietro Salerno Denise Schwinning überzeugen konnte. Ein neues Geschäft in unmittelbarer Nachbarschaft ohne größere risikoreiche Investitionen.

In der Zwischenzeit hat sich Christian Schwinning (32) zu seiner Frau und zum Citymanager an den Tisch gesetzt. Der gelernte Einzelhandelskaufmann, der heute in der Metallbranche tätig ist, kommt gerade von der Arbeit. Er weiß noch genau, wie es war, als seine Frau im November zum ersten Mal über die Bäckerei- und Café-Idee sprach. „Vorsicht, Risiko!“, das war das erste, was er dachte. Aber nach vielen Gesprächen, nach Salernos Verhandlungen mit Back König und dem Vermieter und nach Rentabilitätsberechnungen sagte auch er ja. Jetzt steht Christian Schwinning voll hinter der Idee seiner Frau. Und er unterstützt sie samstags und sonntags auch in der Bäckerei und im Café.

Dort gibt es viel zu tun. Während die Schwinnings erzählen, wie sie zum Back König kamen, geben sich die Kunden die Klinke in die Hand. Drei Teilzeitkräfte und zwei Aushilfen kümmern sich um die Kundschaft. Viele Mütter mit Kindern sind darunter. „Unser Konzept des Familiencafés kommt gut an“, sagt Denise Schwinning. Dazu gehören nicht nur kindgerechte Backwaren im Mini-Format, sondern auch eine Wickel- und Stillecke, Spielmöglichkeiten und ein Bällchenbad. Denise Schwinning strahlt: „Das macht einfach richtig Spaß, wenn die großen und kleinen Kunden zufrieden sind.“ Sie schaut hinüber zu Giampietro Salerno und sagt: „Ohne den Citymanager hätte ich diesen Schritt nie gewagt.“

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