Das Teupe-Team, das sonst oft viele hundert Kilometer zu seinen Projekten zurücklegen muss, freut sich darüber, in der Heimatstadt des Unternehmens ein prominentes Bauvorhaben umsetzen zu können: den stählernen Treppenturm an der Berkelmühle. © Stefan Grothues
Berkelmühle

Der Turm hat 16 Ecken: Teupe errichtet neues Wahrzeichen an der Berkel

Rom, Berlin, Hamburg. Das Stadtlohner Unternehmen Teupe hat schon viele prominente Projekte verwirklicht. Jetzt bauen die Stahlbauexperten den Treppenturm der Berkelmühle. Ein Herzensprojekt.

Zwölf Meter hoch, sechs Meter Durchmesser, zunächst stahlgrau, später edelrost-braun. An der Berkel wird gerade an einem neuen Wahrzeichen für Stadtlohn geschweißt und geschraubt. Ein stählerne Treppenturm ist der neue, markante Begleiter der historischen Berkelmühle. Alte eckige Backstein-Architektur trifft auf eine runde stählerne Ergänzung.

Dieter Gescher, Geschäftsführer der Teupe GmbH (r.) und Projektleiter Kai Brockherde sind für die Umsetzung des Projekts verantwortlich.
Dieter Gescher, Geschäftsführer der Teupe GmbH (r.) und Projektleiter Kai Brockherde sind für die Umsetzung des Projekts verantwortlich. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

An dieser Stelle schüttelt Dieter Gescher den Kopf und wirft ein: „Rund ist der Turm eigentlich nicht …“ Dieter Gescher muss es wissen. Er ist Geschäftsführer der Stadtlohner Teupe GmbH. Sein Team um Projektleiter Kai Brockherde hat den Turm konstruktiv geplant. Dieter Gescher, selbst gelernter Maschinenbau-Ingenieur, sagt: „Der Grundriss des Turms ist ein Polygon.“

Ein Vieleck also. Genau gesagt ein 16-Eck, das beinahe rund wirkt. Die Idee stammt vom Ahauser Architekturbüro Farwick + Grote. Brandschutz und Barrierefreiheit erfordern zwei getrennte Treppenhäuser für das künftige Begegnungszentrum Berkelmühle. Der freistehende Turm, der in diesen Tagen mit Platten aus Cortenstahl verkleidet wird, ist über verglaste Stege mit dem Mühlengebäude verbunden.

So soll die Mühle 2023 mit dem neuen Treppenturm aussehen. Die Platzgestaltung ist Thema des 2. Berkeldialogs.
So soll die Mühle 2023 mit dem neuen Treppenturm aussehen. Die Platzgestaltung ist Thema des 2. Berkeldialogs. © Farwick + Grote © Farwick + Grote

Die stählerne Treppe windet sich bereits um den Betonschacht, in dem später der Aufzug auf und ab fährt. Am Treppengeländer fehlt nur noch der Handlauf aus Eschenholz. Dieter Gescher und Kai Brockherde sind froh, dass die Bauarbeiten nach wochenlanger 3D-Konstruktion am Rechner reibungslos über die Bühne gehen.

Großbaustelle: die Berkelmühle und Treppenturm aus der Vogelperspektive.
Großbaustelle: die Berkelmühle und Treppenturm aus der Vogelperspektive. © Bernd Schlusemann © Bernd Schlusemann

„Die Stahlfassade wird in der nächsten Woche geschlossen“, sagt Dieter Gescher bei der Baustellenbesichtigung am Mittwoch, 8. September. Er rechnet damit, dass der Turm früher als vereinbart fertig sein wird.

Gescher: „Die restlichen Innenarbeiten werden noch vor Jahresende abgeschlossen.“ Der Aufzug wird wegen möglicher Erschütterungen allerdings erst nach dem Neubau des Wehrs eingebaut.

Lichtblick: eine Innenansicht des Treppenturms gen Himmel. Noch sind die Cortenstahlplatten silbergrau. Im Laufe der Zeit werden sie korrodieren und einen warmen rostbraunen Farbton erhalten.
Lichtblick: eine Innenansicht des Treppenturms gen Himmel. Noch sind die Cortenstahlplatten silbergrau. Im Laufe der Zeit werden sie korrodieren und einen warmen rostbraunen Farbton erhalten. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Für die Teupe GmbH ist der Treppenturm ein ungewöhnliches Projekt. „Da stecken wir wirklich Herzblut rein“, sagt Dieter Gescher. Weniger wegen der konstruktiven Herausforderung.

Im Stahl- und Maschinenbau ist die Teupe GmbH schon lange zuhause. Ungewöhnlich ist für das Stadtlohner Unternehmen, dass die Baustelle in der Heimatstadt Stadtlohn ist.

Petersdom und Elbphilharmonie eingerüstet

Die Teupe Gmbh ist Teil der Teupe Gruppe, die sich als Gerüstbauer in ganz Deutschland, in Österreich und der Schweiz und darüber hinaus einen Namen gemacht hat. Teupe hat Gerüste am Petersdom im Vatikan, an der Elbphilharmonie in Hamburg und an der Müngstener Brücke, der höchsten Eisenbahnbrücke Deutschlands gebaut.

Arbeiten an der Turmspitze: Der Treppenturm ist etwa zwölf Meter hoch und hat einen Außendurchmesser von sechs Metern. Im Betonschacht im Innern des Turms wird eine Fahrstuhl installiert, darum herum verläuft eine stählerne Wendeltreppe, die alle Stockwerke der historischen Berkelmühle erschließt.
Arbeiten an der Turmspitze: Der Treppenturm ist etwa zwölf Meter hoch und hat einen Außendurchmesser von sechs Metern. Im Betonschacht im Innern des Turms wird eine Fahrstuhl installiert, darum herum verläuft eine stählerne Wendeltreppe, die alle Stockwerke der historischen Berkelmühle erschließt. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Teupe-Teams arbeiten in diesen Wochen vom hohen Norden (Rathaus Flensburg) bis in den tiefen Süden (Bogenbrücke am Inn), von West (Rheinbrücke bei Emmerich) nach Ost (Edge Tower in Berlin). Und jetzt auch endlich in Stadtlohn.

Unternehmen vor 70 Jahren in Stadtlohn gegründet

Aber Teupe ist doch ein Gerüstbauer und kein Treppenturmbauer, oder nicht? Heinrich Teupe hat das Unternehmen vor 70 Jahren in Stadtlohn gegründet. Er handelte mit Holz- und Leitergerüsten. Und das sehr erfolgreich mit einem Blick für die Zukunft.

Bohren, schweißen, feilen ... spätestens bis zum Ende des Jahres will das Teupe-Team die Arbeiten am Treppenturm abschließen.
Bohren, schweißen, feilen … spätestens bis zum Ende des Jahres will das Teupe-Team die Arbeiten am Treppenturm abschließen. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

In den 1980er-Jahren stiegen die Söhne Josef und Bernhard Teupe in das Unternehmen ein. Beide sind bis heute als geschäftsführende Gesellschafter tätig.

In den 1990er-Jahre wurden neue Standorte in Jena, Hamburg, Bonn, Dormagen und Heilbronn sowie Firmen in Österreich und in der Schweiz gegründet. Heute zählt die Teupe Gruppe als einer der Marktführer über 400 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von mehr als 70 Millionen Euro.

Gerüstbauer ist auch Spezialist für Stahlbau

Aber Teupe ist längst mehr als ein Gerüstbauer, erklärt Dieter Gescher, der einer von fünf Geschäftsführern in der Teupe Gruppe ist. „Wenn wir Gerüste an Eisenbahn- oder Autobahnbrücken bauen, dann fragen unsere Auftraggeber auch nach dauerhaften Zuwegungen, Treppen, Hydraulikanlagen, Förder- oder Hebetechniken. Oder nach Vorrichtungen für Brückenuntersichtgeräte“, so Dieter Gescher. Auf individuelle Lösungen in Stahl ist die Teupe GmbH als Teil der Teupe Gruppe spezialisiert.

Draufsicht aus der Vogelperspektive: Links das Berkelwehr, rechts die Mühle mit dem 16-eckigen Treppenturm.
Draufsicht aus der Vogelperspektive: Links das Berkelwehr, rechts die Mühle mit dem 16-eckigen Treppenturm. © Bernd Schlusemann © Bernd Schlusemann

Aber Teupe ist in Großprojekten zuhause. Darum gibt es keine Vorzeigeprojekte in Stadtlohn. „Für uns als Stadtlohner Unternehmen ist das Projekt extrem wichtig, um dem Nachwuchs zu zeigen, wie man Projekte technisch abarbeiten kann.“ Denn eines steht für Dieter Gescher fest: Teupe brauche in Zukunft viele Nachwuchskräfte.

Gescher: „Die Infrastruktur zum Beispiel an den Autobahnbrücken ist vielerorts marode. Auf uns wartet jede Menge Arbeit. Die Zukunft unseres Unternehmens sehe ich sehr, sehr optimistisch.“

Teupe gewährte Stadtlohn-Rabatt

Dieter Gescher verrät auch, dass es den Teupe-Gesellschaftern ein besonderes Anliegen war, das Projekt in ihrer Heimatstadt zu verwirklichen. „Nach der betriebsinternen Kalkulation hat der Gesellschafter noch einmal einen Extra-Nachlass gewährt“, so Gescher. Damit hatte Teupe bei der Angebotsabgabe vor einem Jahr die Nase vorn.

Hinter dem Gerüst ist bereits die künftige Außenansicht des Turms zu erkennen. Noch ist sie silbergrau, später wird sie rostbraun sein.
Hinter dem Gerüst ist bereits die künftige Außenansicht des Turms zu erkennen. Noch ist sie silbergrau, später wird sie rostbraun sein. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Inzwischen, so Gescher weiter, habe sich der Preis für die Stahlträger verdoppelt. Davon merkt die Stadt Stadtlohn aber nichts. „Das geht auf unsere Kappe“, sagt Dieter Gescher. Der Treppenturm kostet die Stadt 413.600 Euro. In dieser Summe ist auch der Bau der zweiten Stahltreppe im Berkelmühlengebäude enthalten.

Projektleiter Kai Brockherde sagt: „Wir sind stolz darauf, in unserer Heimatstadt so ein technisch aufwendiges Projekt durchführen zu dürfen.“ Er und Dieter Gescher freuen sich als „Stadtlohner Poahlbörger“ schon darauf, den Azubis später einmal das Projekt vorführen zu können.

Und sie freuen sich darauf, dass bald wieder Leben in die Berkelmühle einziehen wird. Unter anderem die Forschermühle, die Kindern Naturwissenschaften und Technik näherbringen wird. Dieter Gescher: „Da wollen wir uns als Stadtlohner Unternehmen auch gerne einbringen.“

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Vor Ort und nah dran für den Leser, hört gerne auch die andere Seite
Zur Autorenseite
Stefan Grothues

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.