„Die Badende“ ist nicht zu retten

Figur zerstört

Der finanzielle Schaden hält sich in Grenzen, aber der ideelle Schaden ist immens: Von einem "Massaker" spricht Stadtpressesprecher Günter Wewers, nachdem er den abgeschlagenen Torso der Skulptur "Die Badende" gesehen hat.

STADTLOHN

, 10.02.2016, 17:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Figur war - wie berichtet - am Wochenende von Unbekannten zerstört worden. Der Torso konnte gestern von Mitarbeitern des Bauamts am Ölwehr geborgen werden, Kopf und Arme fehlen.

Motiv ist rätselhaft

"Die Figur ist eigentlich nicht mehr herstellbar", sagte Stadtlohns Pressesprecher Günter Wewers gestern. "Sie wurde regelrecht massakriert." Welche Motivation hinter der Tat steckt, ist für Wewers unbegreiflich. "Über Kunst kann man streiten - dafür ist sie ja da", sagte er. "Ich glaube aber nicht, dass das jemand gemacht hat, weil er sie nicht leiden konnte."

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Die Figur war erst im August 2015 zum Abschluss des Flurbereinigungsverfahrens Berkelaue aufgestellt worden, als Geschenk von der Bezirksregierung Münster. Dagmar Bix vom zuständigen Dezernat bezifferte den finanziellen Schaden durch die Zerstörung auf 1000 Euro. Die vergleichsweise überschaubaren Kosten stehen indes in keinem Verhältnis zum ideellen Schaden. "Vom Symbolcharakter her ist das dramatisch", sagte Bix im Gespräch mit der Münsterland Zeitung. Schließlich sollten alle Gemeinden entlang der Berkel eine Statue bekommen. "Wir hatten mittlerweile fast alle Gemeinden auf deutscher Seite ausgestattet", erklärte Bix. "Das ist nun ein Rückschritt."

Als Kommune nicht allein

Martin Althoff, Geschäftsführer der Werkstätten der Interkulturellen Begegnungsprojekte in Coesfeld (IBP), wo die Figuren hergestellt werden, reagierte "frustriert" auf die Nachricht von der Zerstörung der Stadtlohner Figur. Die Idee der Figur sei es, zu signalisieren: "Wir sind als Kommune nicht allein." Den Tätern sei offenbar nicht bewusst, was sie da anrichten.

"Es gibt viele, die sich bemühen, ehrenamtlich zum Wohlergehen der Region etwas beizutragen", sagte er. "Und einige Wenige meinen, sie zeigen Stärke durch so etwas." Althoff erinnerte an die Arbeit des Vereins "Berkelspaziergang", auf dessen Initiative hin 2011 die erste "Badende" in Billerbeck errichtet worden war.

Auch dort habe es bereits Beschädigungen gegeben, wie Althoff bestätigte - obwohl die Figur dort ähnlich schlecht zugänglich ist wie die in Stadtlohn. Darum ist Althoff auch sicher: "Das ist eine gezielte Geschichte gewesen. So etwas kann man nicht ohne Aufwand machen." Indes sei der Schaden in Billerbeck geringer gewesen, sodass die Figur gerettet werden konnte.

Figur soll erneuert werden

Anders in Stadtlohn. Da die Figur über einem zugeschnittenen Styroporkern mit Spezialspachtelmasse aufgebaut und nicht gegossen wird, ist eine Reparatur kaum möglich. Entworfen hatte sie der Steinmetz Winfried Nymphius, der auch Mitarbeiter des IBP ist. Ein Kostenvoranschlag für eine neue Badende für Stadtlohn sei in Arbeit, versichert Althoff. "Ich gehe fest davon aus, dass sie erneuert und wieder aufgestellt wird."

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