Dokumentationsfehler soll Schuld an schlechter Bewertung der Stadtlohner Geburtshilfe sein

mlzKrankenhaus Stadtlohn

„Unzureichende Qualität“ attestiert ein Institut der Geburtshilfe im Stadtlohner Krankenhaus. Das Problem: Die Bewertung beruht offenbar nur auf einem einzigen Dokumentationsfehler.

Ahaus

, 12.11.2018, 18:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die schlechte Bewertung geht aus einer Untersuchung des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) hervor. Dieses Gremium ist für die Selbstverwaltung des deutschen Gesundheitswesens verantwortlich.

Der GBA hat jetzt erstmals die Ergebnisse einer umfassende Auswertung von Krankenhausdaten der angeschlossenen 1085 erfassten Kliniken veröffentlicht. Das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) hat die Daten analysiert. Darin ist Stadtlohn als eines der bemängelten Krankenhäuser aufgeführt. Die Nachricht machte am Montag schnell in verschiedenen Medien die Runde.

Kein Kinderarzt bei Frühchengeburt?

Was genau bemängelt wird: Bei einer Frühchen-Geburt in Stadtlohn soll kein Kinderarzt anwesend gewesen sein. Nach den Maßstäben des Ausschusses ein schwerer Verstoß. Das Besondere: Die Bewertung der Geburtshilfe in Stadtlohn beruht ausschließlich auf diesem einen Fall.

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Es handele sich dabei um einen Dokumentationsfehler, erklärt Tobias Rodig, Leiter der Unternehmenskommunikation im Klinikverbund Westmünsterland zu dem das Krankenhaus Maria Hilf seit Juni 2018 gehört. Tatsächlich sei es gar keine Frühchengeburt gewesen. Daher musste kein Kinderarzt vor Ort sein.

Kein Mangel, sondern Statistikfehler

„Ein medizinischer oder pflegerischer Mangel lag nicht vor“, sagt Rodig daher auch im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Statistikfehler sei bereits an das zuständige Institut weitergeleitet worden. „Wir befinden uns zurzeit noch in Gesprächen und setzen die Analyse fort“, erklärt er.

Auch wenn es in diesem Fall ein Irrtum gewesen sein soll, nimmt der Klinikverbund solche Bewertungen sehr ernst: „Wir befürworten es, dass die Qualität in der medizinischen Behandlung weiter in den Fokus genommen wird“, sagt Tobias Rodig. Gleichzeitig müsse jedoch auch gewährleistet sein, dass die Auswertung nicht auf fehlerhaften Daten beruht.

Kein Zusammenhang mit Schließung

Mit der Zusammenlegung der Kreißsäle in Stadtlohn und Ahaus hat diese Bewertung nichts zu tun: „Die aktuellen Daten sind nicht in die Entscheidung eingeflossen, da sie zum Zeitpunkt der Entscheidung noch gar nicht vorlagen“, erklärt Tobias Rodig. Gleichwohl sei der Klinikverbund Westmünsterland davon überzeugt, dass die Konzentration der Geburtshilfe an einem Standort es erleichtern werde, Struktur- und Qualitätsvorgaben einzuhalten.

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