Dr. Ludwig Kuckuck am Kamin in seinem Sprechzimmer. Den Westernhut trägt er fast immer, im Sprechzimmer allerdings nur für das Foto. © Stefan Grothues
Hausarzt

Dr. Kuckuck zieht mit 80 Jahren den Arztkittel noch lange nicht aus

Dr. Kuckuck ist in Stadtlohn bekannt wie ein bunter Hund. Das sagt er selber. Als Feuerwehrarzt und Hausarzt ist er stets für seine Patienten da. Auch nach seinem 80. Geburtstag.

Dr. Kuckuck hat viele Markenzeichen: seinen freundlichen Namen, seinen fein gezwirbelten grauen Schnäuzer und seinen ledernen australischen Westernhut. Dafür ist er, wie er selbst sagt, „bekannt wie ein bunter Hund.“

Feuerwehrarzt Dr. Ludwig Kuckuck in Feuerwehruniform © Feuerwehr Stadtlohn © Feuerwehr Stadtlohn

Aber noch mehr schätzen seine Patienten in Stadtlohn seit fast einem halben Jahrhundert seine wichtigsten Markenzeichen: seine verschmitzte Heiterkeit, seine Zuwendung und seine Liebe zum Arztberuf. „Ich kann gar nicht anders, ich mag die Menschen“, sagt Ludwig Kuckuck und lacht. Vor wenigen Tagen ist er 80 Jahre alt geworden. Ans Aufhören denkt der Allgemeinmediziner noch lange nicht.

Zum Interviewtermin in seinem Sprechzimmer erscheint er mit kleiner Verspätung und einer guten Entschuldigung: „Ich musste noch Bewohner im Seniorenzentrum St. Josef gegen Corona impfen.“ Über 200 Impfungen hat er dort am Dienstag und Mittwoch vorgenommen. Dabei war manch ein Senior jünger als der Arzt.

„Und ich habe einfach alle Leute gemocht.“

Dr. Ludwig Kuckuck

Sein Sprechzimmer in der Praxis an der Otgeristraße wird von einem Kamin mit Delfter Kacheln dominiert. Auf dem schlichten Schreibtisch aus dunklem Holz steht kein Computer. „Damit habe ich mich nie anfreunden können“, sagt Dr. Kuckuck. Er setzt weiter auf seine handschriftlichen Notizen. Und auf das Gespräch mit den Patienten. „Worte sind genauso wichtig wie Medikamente, nein sogar noch wichtiger.“

Tag und Nacht auch für die Feuerwehr und für das DRK im Einsatz

In der Tasche des weißen Arztkittels piept es. „Das ist die Feuerwehr!“ sagt Ludwig Kuckuck. Aber dieses Mal ist sein Einsatz nicht erforderlich. Seit Jahrzehnten ist Kuckuck Feuerwehrarzt, DRK-Arzt und außerdem DRK-Ehrenvorsitzender. „Ich konnte mich schon immer für die Feuerwehrtechnik begeistern“, sagt er. Und er steht immer für Einsätze bereit. Auch mit 80 Jahren eilt er ein-, zweimal die Woche zu Einsätzen bei Bränden oder Unfällen – Tag und Nacht.

„Das gehört zum Beruf dazu“, sagt seine Frau Anita Kuckuck, mit der er seit fast 52 Jahren verheiratet ist. „Früher hat er oft von 8 bis 23 Uhr durchgearbeitet“, sagt Anita Kuckuck. Als sie ihren späteren Mann kennenlernte, war sie Rechtsanwalts- und Notargehilfin.

Ludwig und Anita Kuckuck sind seit fast 52 Jahren ein Ehepaar.
Ludwig und Anita Kuckuck sind seit fast 52 Jahren ein Ehepaar. © privat © privat

Seine Leidenschaft für die Medizin aber war ansteckend. Sie erlernte den Beruf der Krankenschwester und unterstützte ihren Mann in der Praxis. Die Sprechzeiten sah Dr. Kuckuck nie eng. „Wenn die Leute krank waren, klingelten sie auch bei uns zu Hause.“

„Bis 85 möchte ich weiter als Arzt arbeiten – vorläufig.“

Dr. Ludwig Kuckuck

„Heute habe ich drei Chefs“, sagt sie lachend. Die Söhne Carsten und Andreas sind als Ärzte in die Praxis eingestiegen. „Andreas wollte schon als kleines Kind Arzt wie der Papa werden. Er dachte, zur Visite gibt es immer Kaffee und Kuchen“, erzählt Anita Kuckuck.

Der Stadtlohner Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes gratulierte Dr. Ludwig Kuckuck mit einem Präsentkorp zum Achtzigsten; von links: Vorsitzender Helmut Könning, Juliane Rehkamp, Ludwig Kuckuck und Jürgen Rave.
Der Stadtlohner Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes gratulierte Dr. Ludwig Kuckuck mit einem Präsentkorb zum Achtzigsten; von links: Vorsitzender Helmut Könning, Juliane Rehkamp, Ludwig Kuckuck und Jürgen Rave. © DRK © DRK

Ludwig Kuckuck wuchs mit sechs Geschwistern in Hannover auf. Sein Vater war Lehrer. Faszinierender fand er aber den Beruf seiner Mutter. Sie war Krankenschwester. Kuckuck: „Für mich stand eigentlich immer fest: Ich will Arzt werden.“ 1962 nahm er das Medizinstudium in Münster auf.

„Patienten brauchen Gespräche und Empathie“

In Stadtlohn sah sich Ludwig Kuckuck aber eigentlich nicht als Hausarzt. „Wir hatten große Pläne fürs Krankenhaus“, sagt er. Aber dann sei der Hausarzt Dr. Petri in jungen Jahren gestorben. Kuckuck sah sich in der Pflicht und übernahm die Praxis. Das war 1974. Bereut hat er es keinen Tag. „Es lief ganz toll. Es hat immer Spaß gemacht.“

Aber Ludwig Kuckuck hat auch viel Leid und Not gesehen. Unfälle mit Kindern gingen ihm nahe. Verhärtungen ließen sie nicht zurück. „Ich kann das ganz gut verarbeiten, weil ich eine gute theologische Grundlage habe. Ich bin nicht frömmelnd. Aber ich ziehe viel Positives aus der Bibel. Die Leute brauchen Gespräche und Empathie. Und ich habe einfach alle Leute gemocht.“

„Ein Arzt sollte keine Angst vor Krankheiten haben.“

Dr. Ludwig Kuckuck

Ehrenamtlich war der Stadtlohner Mediziner aktiv als ärztlicher Begleiter der Versehrtensport-Gruppe und der Koronarsport-Gruppe sowie bei verschiedenen Sportevents wie Judo older als Ringarzt bei Boxkämpfen des TV Vreden.

Als Ringarzt betreute Ludwig Kuckuck die Boxer des TV Vreden.
Als Ringarzt betreute Ludwig Kuckuck die Boxer des TV Vreden. © privat © privat

Zeitlebens kannte Dr. Kuckuck nur die Krankheiten der anderen. Dann erlitt er 2013 einen leichten Schlaganfall und 2016 eine ernste Krebserkrankung. „Ich sollte nach der Diagnose der Kollegen eigentlich schon gar nicht mehr leben“, sagt er. Doch nach einer Operation und Bestrahlung sieht er sich jetzt als geheilt. Und der Stadtlohner hadert nicht mit seiner Erkrankung. „Das war vielleicht ein Dämpfer zur rechten Zeit“, sagt er.

Jetzt blickt er voller Freude auf die geschenkte Zeit und tut das, was er am liebsten tut: arbeiten. „Ich komme nicht mehr ganz so früh in die Praxis, das machen meine Söhne, aber ich praktiziere jeden Tag.“ Seine Söhne schätzten seine Erfahrung und er ihre Fähigkeit, neue Dinge schnell zu lernen.

Zweifel an Corona-Schutzimpfung ausgeräumt

Vier Kinder, acht Enkel und einen Urenkel haben Ludwig und Anita Kuckuck. Aber eigentlich betrachten sie darüber hinaus das ganze Praxisteam als Familie. Daneben findet der Posaunist Ludwig Kuckuck seit über 50 Jahren noch Zeit, einen Bläserchor in Borghorst zu leiten, dort wo er als junger Mediziner im Krankenhaus arbeitete.

Und wie sieht Dr. Kuckuck die neuen Herausforderungen der Corona-Pandemie? Wo er doch selbst als 80-Jähriger zur Risikogruppe zählt? „Ein Arzt sollte keine Angst vor Krankheiten haben“, sagt Ludwig Kuckuck. „Ich kann mich ja schützen.“ Er freut sich, dass er in dieser Woche noch einige Impfzweifler im Seniorenzentrum überzeugen konnte – mit Informationen und mit Herz.

Nach seinem 80. Geburtstag hat Ludwig nun ein klares Ziel. Und seine Augen blitzen, als er es nennt: „Bis 85 möchte ich weiter als Arzt arbeiten – vorläufig.“

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Stefan Grothues

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