Druckluft kostet Geld

Westfalen-Tankstelle

Autofahrer, denen es an den Geldbeutel geht, reagieren zuweilen empfindlich. Das erfahren derzeit die Mitarbeiter der Westfalen-Tankstelle in Stadtlohn am eigenen Leibe – seitdem die Druckluft hier nicht mehr kostenlos ist.

STADTLOHN

, 03.08.2017, 19:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Autofahrer, die ihre Reifen befüllen, zahlen an der Westfalen-Tankstelle einen Euro – für sechs Minuten Druckluft.

Autofahrer, die ihre Reifen befüllen, zahlen an der Westfalen-Tankstelle einen Euro – für sechs Minuten Druckluft.

Wer an seinem Fahrzeug den Reifendruck nachbessern will, muss ab sofort in die Tasche greifen – und sich auch beeilen. Für sechs Minuten Druckluft zahlen Kunden an der Westfalen-Tankstelle in Stadtlohn seit kurzem einen Euro. Bislang war der Service stets kostenlos.

Kundenärger

Manch Kunden treibt die Umstellung die Zornesröte ins Gesicht. Markus Weber zum Beispiel ist so sauer, dass er künftig einen großen Bogen um die Westfalen-Tanke machen will, das kündigt er zumindest auf Facebook an. Demnach hatte er sein plattes Rad am Dienstag zur Dufkampstraße geschoben, um anschließend auf dem Sattel weiter zur Arbeit zu radeln. Vom neuen Druckluftautomaten wurde er dann aber kalt erwischt. Weil er kein Bargeld dabei hatte, musste Markus Weber sein Rad unverrichteter Dinge weiterschieben. Denn auch eine Servicekraft, die er ansprach, konnte oder wollte ihm nicht helfen. Seit 15 Jahren tankt der Stadtlohner sein Auto nach eigenen Angaben schon an der Westfalen-Tankstelle. „Mich sehen die dort erst wieder, wenn der Münzautomat wieder weg ist“, sagt er.

Test an mehreren Standorten

Laut einer Mitarbeiterin der Westfalen-Tankstelle ist Weber nicht der einzige Kunde, der verstimmt reagiert. Es gebe immer wieder Kunden, die sich über den weggefallenen Kostenlos-Service beschweren. Wenn Autofahrer wie Markus Weber wegbleiben, trifft es vor allem die Tankstellenbetreiber. Dabei haben die überhaupt keinen Einfluss auf die Münzautomaten. Die wurden von der Westfalen AG in Münster aufgestellt. „Wir testen die Automaten derzeit an insgesamt neun von unseren 260 Standorten“, betont Sprecherin Hildegard Werth. Neben der Filiale in Stadtlohn wurde auch die Westfalen-Tankstelle an der Wüllener Straße in Ahaus mit einem Münzautomaten ausgestattet.

Servicequalität

Weil diese neuen Automaten robuster und somit weniger reparaturanfällig seien, erhöhe sich die Servicequalität für den Kunden – und das lasse sich das Unternehmen bezahlen. „In Stadtlohn ist in der Vergangenheit das Luftdruckgerät häufiger ausgefallen. Einmal wurde es sogar gestohlen. Das wird es bei den festinstallierten Automaten künftig nicht mehr geben“, betont Hildegard Werth. Und: „Bundesweit gibt es mittlerweile markenübergreifend 6000 Tankstellen, die sich den Luftdruck bezahlen lassen.“ Das wären dann fast die Hälfte aller Tankstellen in Deutschland.

"Hohe Kosten"

Auch wenn Thomas Drott vom Bundesverband der Tankstellen in Minden keine genauen Statistiken führt, erscheint ihm diese Zahl dann doch etwas zu hoch. Richtig sei aber, dass viele Tankstellen-Ketten dazu übergehen, die Luft zu verkaufen. „Das kostenlose Angebot rührt aus einer Zeit, in der es den Tankstellen wirtschaftlich besser ging. Denn der weitverbreitete Eindruck, dass Luft nichts kostet, ist falsch. Das Luftdruckangebot verursacht für die Betreiber hohe Kosten. Der Automat muss angeschafft sowie regelmäßig geeicht und gewartet werden“, bittet Drott um Verständnis für seine Kollegen. Es gehe hierbei um Kostendeckung, nicht um Gewinn. Und in den meisten Fällen würden Tankstellen durch das Druckluftgeschäft gerade mal plus minus null erreichen, sagt der Experte.

Tankstellenbetreiber einig

Die drei anderen Tankstellen-Betreiber in Stadtlohn verschwenden dennoch keinen Gedanken daran, sich die Druckluft zukünftig bezahlen zu lassen. „Natürlich kostet uns die Bereitstellung von komprimierter Luft Geld. Für uns ist das aber eine Investition in unsere Kunden“, sagt Günter Vogtt von der SB-Tankstelle an der Eschstraße. Genauso sehen es Nicole Peters von der Avia im Ort und ihre Kollegin Anita Feldscholten von der Team-Tankstelle an der Dinkellandstraße: „Wir sehen die kostenlose Luft als Service und werden auch künftig kein Geld nehmen“, sind sich die beiden Frauen einig.

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