Ehemaliger Stadtlohner Biologe Norbert Sass kann Doktortitel noch nicht beweisen

mlzUmstrittene Tumortherapie

Auch nach dem dritten Prozesstag gegen Norbert Sass im Amtsgericht Heilbronn bleibt vieles in dessen Biografie nebulös. So fehlt weiter der Beweis für einen Doktortitel. Und nicht nur der.

Stadtlohn

, 22.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nein, die versprochene Promotionsurkunde hatte der 69-jährige ehemalige Betreiber des Löwenhofs in Stadtlohn auch am Freitag nicht dabei, als er zum dritten Mal im Amtsgericht Heilbronn vor Richter Alexander Lobmüller, zwei Schöffen und Staatsanwältin Bettina Jörg stand. Dort muss er sich wegen einer umstrittenen Tumortherapie für schwere Körperverletzung, aber auch für Betrug und weitere Delikte verantworten.

Gericht hat Zweifel an akademischer Laufbahn

Dabei war die Klärung der Frage, ob die vom Angeklagten behauptete akademische Laufbahn der Wahrheit entspricht, seit Beginn der Hauptverhandlung im Januar eine ganz zentrale. Immer wieder nämlich hatten Staatsanwältin und Richter erhebliche Zweifel daran geäußert. Und die wollte Norbert Sass durch entsprechende Dokumente entkräften. Bislang aber blieb es bei der Ankündigung.

Weshalb es so bedeutsam ist, ob der Doktortitel echt oder falsch ist? Zeugen, Angehörige von zwei verstorbenen Krebspatientinnen, hatten ausgesagt, dass sie dem Angeklagten und seinen Heilungsmethoden auch deshalb besonders vertraut hätten, weil sie glaubten, dass er als Arzt tätig sei. Auf seinen Visitenkarten steht schließlich Dr. Norbert Sass, Immunologe.

Verteidigung stellt keine Beweisanträge

Nicht nur in diesem Fall aber gab es an diesem Verhandlungstag keine neuen Erkenntnisse. Auch die von der Verteidigung angekündigten Beweisanträge, um neue, entlastende Beweismittel im Verfahren zu berücksichtigen, wurden nicht gestellt. Offenbar hatte der Vertreter der Stuttgarter Kanzlei Theumer, Wieland und Weisenburger keine Kenntnis davon, dass das für diesen Termin geplant war.

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Vielleicht auch vor diesem Hintergrund fiel die lakonische Bilanz von Presserichter Michael Reisser so aus: „Es eigentlich ist nichts Spektakuläres passiert.“ Das könnte sich in den zusätzlich angesetzten Fortsetzungsterminen noch ändern. Bis zu dem ersten von insgesamt dreien am 6. März hat die Verteidigung jetzt Zeit, Beweisanträge zu stellen. Für den 8. März und 7. April sind dann die letzten Verhandlungstermine angesetzt.

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Dann werden Richter Lobmüller und die beiden Schöffen darüber urteilen, ob Norbert Sass schuldig im Sinne der Anklage ist und vielleicht sogar eine Haftstrafe antreten muss, oder aber ob er Heilbronn als freier Mann verlässt.

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