Eine-Welt-Idee zeigt in Stadtlohn ihre Schokoladenseite

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Fairer Handel ist eine Frage des Respekts vor Menschen und ihrer Arbeit. Fairtrade kann aber auch den Gaumen kitzeln. In Stadtlohn lassen die Fairtrade-Unterstützer jetzt Schokolade fließen.

Stadtlohn

, 01.03.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zäh fließt die dunkelbraune Schokoladenmasse über die Edelstahlkaskaden. Die herben Kakao-Aromen mischen sich mit dem süßen Duft der geschnittenen Bananenscheiben, die an langen Holzstäben ein Bad im Schokoladenbrunnen nehmen. So sinnlich kommt jetzt die Fairtrade-Idee in Stadtlohn daher.

Eine-Welt-Gedanken fair-süßen

Rudolf Kleyboldt, Andrea Schröer, Martin Auras und Mathilde Terbrack kosten die Leckerei begeistert. Zusammen mit Michael Deggerich bilden die vier die „Steuerungsgruppe Fairtrade“ in Stadtlohn. Jetzt testen sie im Otgerus-Haus zum ersten Mal den neuen Schokoladenbrunnen. „Damit wollen wir den Eine-Welt-Gedanken ‚fair-süßen‘“, sagt Mathilde Terbrack. Wie ihre Mitstreiter macht sie sich schon seit Jahren stark für die Fairtrade-Stadt Stadtlohn.

2015 wurde ein wichtiges Etappenziel erreicht: Stadtlohn wurde offiziell Fairtrade-Stadt, damals die 356. bundesweit. Heute gibt es in Deutschland bereits 587 zertifizierte Fairtrade-Städte, die gezielt den fairen Handel auf kommunaler Ebene fördern, um das Bewusstsein für gerechte Produktionsbedingungen sowie soziale und umweltschonende Herstellungs- und Handelsstrukturen zu schaffen. Wer sich Fairtrade-Stadt nennen will, muss bestimmte nachprüfbare Kriterien erfüllen, erklärt Martin Auraus. In Einzelhandelsgeschäften und bei Floristen sowie in Cafés und Restaurants werden mindestens zwei Produkte aus fairem Handel angeboten werden.

2019 ist das Jahr der Rezertifizierung

In diesem Jahr steht Stadtlohn bei einer Rezertifizierung erneut auf dem Prüfstand. Schafft Stadtlohn die Hürde erneut? Andrea Schröer ist optimistisch. „Gerade im Sortiment des Lebensmitteleinzelhandels haben sich fair gehandelte Produkte etabliert, zum Beispiel Bananen.“ Bei den Bekleidungsgeschäften allerdings sieht die Steuerungsgruppe in Sachen fair gehandelter Textilien noch Luft nach oben. Dafür stehen in etlichen Gastronomiebetrieben ganz selbstverständlich fair gehandelter Kaffee oder Tee auf der Karte.

Idee wächst sei den 1970er-Jahren

Daran war in den 1970er-Jahren noch gar nicht zu denken. Der Eine-Welt-Gedanke führte damals unter dem Motto „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ noch ein Schattendasein, das nach bitterem Kaffee schmeckte. Erst als der Eine-Welt-Laden 2007 mit dem K-Punkt in die Dufkampstraße zog, wuchsen die Produktvielfalt und Kundschaft. Neue Impulse gab auch der Umzug ins neue Otgerus-Haus 2017. Dort wird der Eine-Welt-Laden von einem guten Dutzend ehrenamtlicher Helfer getragen, die verlässliche Öffnungszeiten von 9.30 bis 12.30 Uhr und von 14.30 bis 17.30 Uhr gewährleisten.

„Die Umsätze steigen“, freut ich Rudolf Kleyboldt. „Faire Produkte sind zwar etwas teurer. Aber schließlich soll der Kaffee ja allen gut bekommen – auch den Produzenten.“ Für die Konsumenten bedeute das keinesfalls Verzicht. Im Gegenteil, sagt Rudolf Kleyboldt. „Wer mit offenen Augen durch den Supermarkt oder den Eine-Welt-Laden geht und auf die Siegel für fairen Handel achtet, der kann viel mehr über die Herkunft der Lebens- oder Genussmittel erfahren. Und wer bewusster einkauft, der kann auch besser genießen.“

Nicht nur graue Theorie

„Es geht darum, den Menschen Respekt zu zollen. Fairtrade hat nichts mit Almosen zu tun, sondern mit Respekt vor der Arbeit. Es ist eine Frage der Fairness und Gerechtigkeit“, sagt Andrea Schröer. Diesen Gedanken will die Steuerungsgruppe in diesem Jahr mit dem Schokoladenbrunnen versüßen. Er soll an den vier verkaufsoffenen Sonntagen zum Einsatz kommen, bei Projekttagen in Kindergärten und Schulen sowie bei Vortragsverstaltungen, zum Beispiel am 6. Mai im Otgerus-Haus, wenn das Thema Schokolade im Mittelpunkt steht. Und das nicht nur in der grauen Theorie, sondern auch in der Praxis für den Gaumen. Rudolf Kleyboldt sagt: „Nächstenliebe geht durch den Magen.“

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