Eine zeitlos schöne Attraktion

Unterwegs im Losbergparek

Sie dreht seit vielen Jahren ihre weite Runden im Losbergpark: Die kleine Eisenbahn gehört zu den Angeboten, die den Besuch dieser Naherholungsanlage attraktiv machen. Wir haben hinter die Kulissen des Bahnbetriebs geschaut.

STADTLOHN

23.04.2016, 00:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Der kleine grau-braune Spatz hätte es wahrlich einfacher haben können. Gerade eben wollte er noch seinen Nestbau mit einem weiteren Grashalm perfektionieren, als ihn ein Geräusch aufschreckt. Aus der Ferne schiebt sich immer schneller ein roter Punkt heran, der sich bald zu einer Eisenbahn vergrößert. Nur einige Details wollen dabei nicht so ganz stimmen. So überragt ein Frauenkopf die rote Lok-Silhouette, auf der vorne das weiße Logo der Westfälischen Landes-Eisenbahn prangt und auch der typische Dampf der Lok fehlt.

"Schade, dass es eine derartige Bahn nicht schon in meiner Kindheit gab", sagt Agnes Szelag nach der ersten Probefahrt an diesem frühlingshaften Sonntagnachmittag, und lässt Bedauern durchscheinen. Wenige Minuten zuvor um Punkt 14.30 Uhr war sie in die Rolle einer Lokführerin geschlüpft - nur eben ohne Eisenbahner-Uniform. Zusammen mit Hans-Werner Schlattmann dreht sie von nun an zur Freude der Kinder ungezählte Runden auf der knapp 400 Meter langen Strecke durch den Stadtlohner Losbergpark.

Sechs Pferdestärken

Bis sich die Lok im Mini-Format dröhnend aus dem nach einer typischen Werkstatt riechenden Lokschuppen schälte, waren nur die Kinder vom nahen Spielplatz hörbar. Sonntagsruhe eben. Die rund sechs Pferdestärken des Bahn-Nachbaus beendeten diese gut hörbar. "Zwei Mal" oder "Drei Fahrten bitte" - die kleinen blauen Fahrchips wandern schnell aus den Händen von Roberto Szelag in die der wartenden Kinder.

"Heute läuft es ganz gut", erklärt der 43-jährige Fernbusfahrer in einer ruhigen Minute. Seit rund drei Wochen dreht die Parkbahn wieder ihre Kreise, hängt das Herz des Stadtlohner Eisenbahn-Clubs am nur äußerlich geschrumpften Eisenbahnvergnügen.

Ungeliebtes Regenwetter

Das ist aber nicht immer gleichbleibend groß, denn zum Wetter hat die betagte Parkbahn ein ähnlich gespanntes Verhältnis wie die hochmodernen Züge der Deutschen Bahn. "Wenn es geregnet hat, wird es schwierig", erläutert Szelags mittlerweile wieder eingetroffene Ehefrau Agnes. Denn bei Regen kann die Bahn, die auf einer Spurbreite von nur 32 Zentimetern unterwegs ist, mit ihren jungen Gästen oft nicht die leichte Steigung auf der Strecke überwinden. "Und wer fährt auch im Regen...", gibt die Lokführerin zu bedenken.

Jetzt läuft sie nach langer Winterpause aber wieder problemlos. Dabei ist die Fahrt immer ein Drahtseilakt, denn die Parkbahn ist wie eine Diva. "Sie wird von Notstromgeneratoren angetrieben" offenbart Roberto Szelag. Und die sind trotz ihrer hohen Anschaffungskosten recht störungsanfällig. "Allein in diesem Jahr haben wir schon rund 1000 Euro aufgewandt, nur damit die Bahn läuft."

Sechs Minuten fahren

Von all den technischen Feinheiten merken die begeisterten Kinder natürlich nichts. Sie lieben das ungeduldige Warten auf dem Mini-Bahnsteig, die großen Abschiedsszenen vor der nur sechsminütigen Bahnfahrt. Ein wenig Nostalgie schwingt bei den Großeltern natürlich auch mit, beim Nachwuchs ist es hingegen eher die Vorfreude. "Es erinnert mich schon etwas an frühere Tage", schwelgt etwa Elisabeth Lange in Erinnerungen an frühere Ferienzeiten, wenn es via Bahn zu den Großeltern ging. Nun sind es die Enkel Ole und Henry, die auf Großmutters Spuren wandern. "Oma, mal schauen, was wir gleich erleben", meint der Jüngste vor dem nahenden Abschied.

Nicht ganz bis auf den letzten Platz belegt ist der Zug mit seinen vier kleinen Wagen und dem Tender, als er sich schließlich in Bewegung setzt. Agnes Szelag braucht dafür nur das Fußpedal durchzudrücken und schon fließt die Kraft aus den Stromgeneratoren. Geschwindigkeit und auch die Fahrtrichtung sind am übersichtlichen Schaltpult längst eingestellt. Für die Kinder folgen nun aufregende drei Minuten. Mit nur sechs Kilometern pro Stunde schleicht der angrenzende Spielplatz genauso vorbei wie sich sonnende Ausflügler oder die in der Frühlingssonne ergrünenden Büsche. Der anschließenden Einfahrt in den Bahnhof folgt noch eine weitere Runde des Lok-Abenteuers - zur großen Freude der kleinen Gäste.

Seit 23 Jahren im Park

Alles geht an diesem Sonntag gut - wie schon seit 23 Jahren. Damals verhalf der Zufall den Stadtlohner Eisenbahnfreunden zur Parkbahn. "Ein Vereinskollege ist damals auf eine Zeitungsannonce aufmerksam geworden", ruft sich Maik Aplien vom Eisenbahn-Club die damaligen Ereignisse in Erinnerung. Mit den Worten "Das wär' doch was für uns" begeisterte er die Hobby-Eisenbahner und so fuhren sie mit einigen Autos nach Delmenhorst. Was sie dort sahen überraschte alle: "Der damalige Besitzer lebte auf einem riesigen Bauernhof. Die Lok fuhr alleine und er saß mit einem Feldstecher und der Fernbedienung auf einem Hochsitz und beobachtete sie."

Beobachtet wird der Zug auch heute noch, wenn auch nicht stundenlang mit dem Feldstecher. Da sind natürlich die wartenden Eltern oder Großeltern oder die vorbei eilenden Besucher des Losbergparks. Was sie aber derzeit nicht zu sehen bekommen ist die zweite nostalgisch anmutende Dampflok mit der alles begann. "Für einige tausend D-Mark kauften wir damals 300 Meter Schiene, die wohl in den 1960er-Jahren durch ein Münsteraner Unternehmen gefertigte Parkbahn-Lok, einen Tender und vier Wagen." Da aber aktuell ein Notstromgenerator ausgefallen ist, sind die acht an der Parkbahn beteiligten Vereinskollegen aktuell nur mit dem roten Nachbau unterwegs. "Nun muss sie halt das Geld für den Umbau verdienen", erklärt Roberto Szelag, seit diesem Jahr Kassierer des Eisenbahn-Clubs.

Traum der Eisenbahnfreunde

Den Punkt, den er damit anspricht, klingt anfangs wie eine Aufgabe der ureigenen Bahn-Identität - ist aber der große Traum der Eisenbahnfreunde. "Irgendwann soll die Bahn elektrisch unterwegs sein", erläutert Agnes Szelag. Die Zeiten dröhnender typischer Dieselmotoren scheinen also gezählt, doch wie wird sich dann das Flair der Parkbahn verändern? "Vermutlich gar nicht", führt sie fort. "Denn besonders die kleinen Kinder haben Angst vor dem Lärm." Ihr Mann Roberto ergänzt: "Die alte Lok soll dann auch einen Dampfgenerator bekommen und somit auch optisch wieder an die ursprünglichen Loks erinnern."

Doch auch das Original hatte ursprünglich eine elektrische Vergangenheit. "Sie lief früher auf Strom", erläuterte Maik Aplien. Das war den Eisenbahnfreunden aber zu gefährlich, deshalb der Umstieg auf die Stromgeneratoren. Ebenso längst vergessen erscheint der ursprüngliche Streckenverlauf quer über den Schützenfestplatz der St. Otgerus-Bürgerschützen. Aplien: "Für uns war das nicht so schön, führte die Schiene bei den Schützenfesten bis zum Umbau doch durchs Zelt."

Stolz darauf

Daran denkt aber heute kaum jemand zurück. Für den 1985 gegründeten Eisenbahn-Club (ECS), der nebenher noch das Eisenbahnmuseum betreibt, bedeutet sie zwar viel Aufwand, ist aber auch ihr Stolz. "Schließlich haben die Kinder hier in Stadtlohn nicht viel zum Erleben", meint Agnes Szelag.

Kurze Zeit später setzt sich die Bahn langsam wieder in Bewegung. Zurück bleiben wartende Eltern sowie Großeltern und in wohl allen ist der Gedanke präsent, dass die Modellbahn ihre Runden noch lange am Losbergpark drehen kann.

  • Die Parkbahn dreht von April bis Oktober an Sonn- und Feiertagen nachmittags von 14.30 bis 18 Uhr ihre Runden im Losbergpark, Am Losbergpark. Der Fahrpreis beträgt zwei Euro (zwei Runden) pro Kind, Erwachsene, die ihr Kind begleiten, können kostenlos mitfahren. Die Parkbahn kann auch für Schulklassen oder private Kindergruppen gemietet werden. Der Preis beträgt dann 50 Euro pro Stunde. Kontakt: Rembert Vehlken (Vorsitzender ESC), Tel. (0163) 9294633, E-Mail: rembertvehlken@aol.com
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