Einsicht macht Richter Hoffnung: Bewährungsstrafe für Drogendelikt

mlzGerichtsprozess

Mit 100 Gramm Marihuana war ein Stadtlohner in Gronau erwischt worden. Diesen Fehler räumte er ein und bekam eine fünfmonatige Bewährungsstrafe. Der Richter sah eine günstige Sozialprognose.

Stadtlohn

, 25.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zumindest der Beginn einer gewissen Einsicht hat einen 26-Jährigen vor dem Amtsgericht Ahaus davor bewahrt, eine höhere Freiheitsstrafe als fünf Monate auf Bewährung für die unerlaubte Einführung von Betäubungsmitteln in nicht-geringer Menge aus den Niederlanden zu erhalten. Ebenso hatte sich der Stadtlohner umgehend geständig gezeigt.

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Mit rund 100 Gramm Marihuana (17,5 Gramm THC) war der Angeklagte im April 2019 am Bahnhof Gronau erwischt worden. Die Drogen hatte er sich in den Niederlanden besorgt und sei dann mit dem Zug zurückgefahren, so der 26-Jährige. Rund 600 Euro habe ihn das Päckchen gekostet.

Seit 14 Tagen Kontakt zur Suchtberatung

Das ließ das Gericht aufhorchen, lebte der Angeklagte aktuell doch von SGB II und müsse zudem noch Miete an die Eltern zahlen, zu denen er zurückgezogen war, nachdem ihm im Leben „einiges aus dem Ruder gelaufen war“. Zur Tochter habe er keinen Kontakt, nach Abschluss einer Lehre habe er nur noch unregelmäßig gearbeitet. Mit 15 habe er begonnen, zu rauchen.

„Als dann Freundin und Kind weg waren, hat das zugenommen.“ Aktuell „kiffe er wieder weniger“, er habe auch Kontakt zur Suchtberatung aufgenommen. Dies allerdings erst vor 14 Tagen. „Da hatten sie aber schon länger Zeit“, mahnte der Richter an. „Es muss wohl erst knallen“, so der Angeklagte. Weitere Termine bei der Suchtberatung sind vereinbart.

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Wie der Angeklagte denn an so viel Geld gekommen sei? „Ich lege mir was weg und ich habe etwas von meiner Mutter bekommen. Natürlich nicht zu diesem Zweck“, so der Stadtlohner. Auf die Frage, warum er gleich so viel auf einmal gekauft habe, erklärte der Angeklagte: „Dann muss ich nicht so oft fahren.“ Mit einer Therapie – auch mit einem längeren stationären Aufenthalt – sei er einverstanden: „Es war dumm, ich will davon wegkommen. Alles war ein großer Fehler, den ich bereue.“

„Das war nicht dumm, sondern eine schwere Straftat"

„Das war nicht dumm, es handelt sich um eine schwere Straftat“, so der Richter. Deshalb sitze man vor einem Schöffengericht und müsse eigentlich über ein Strafmaß von mindestens zwei Jahren Freiheitsstrafe sprechen. Die Staatsanwaltschaft war letztlich zu der Überzeugung gekommen, dass hier ein minderschwerer Fall vorliege: Fünf Monate auf Bewährung seien angemessen, als Auflagen kämen die Aufnahme einer Drogentherapie und 500 Euro Geldstrafe in Betracht. Die Verteidigung stimmte dem zu, es gelte das Geständnis und die Aufnahme der Drogenberatung zu berücksichtigen. Eine Geldstrafe liege im Ermessen des Gerichts.

Der Richter verhängte letztlich fünf Monate auf Bewährung mit einer Bewährungsfrist von zwei Jahren. In diesen müssen unverzüglich 100 Sozialstunden geleistet, zudem eine ambulante oder stationäre Drogentherapie aufgenommen werden.

„Zugute halte ich ihnen, dass sie bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten sind. Wenn ich höre, dass sie weitergekifft haben, dann haben sie wohl auch Glück gehabt.“ Abschließend: „Sie haben bisher vieles im Leben nicht auf die Kette bekommen. Sie zeigen aber Einsicht. Das macht mir Hoffnung, dass Sie Ihr Leben in den Griff bekommen und kein Kandidat für weitere Straftaten sind.“

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