Eisenbahnclub Stadtlohn sorgt sich um marodes Bahnhofsdach

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118 Jahre ist der Bahnhofs in Stadtlohn alt. Das denkmalgeschützte Gebäude verfällt zusehends. Der Eisenbahnclub fürchtet, Teile des Daches könnten auf das Eisenbahnmuseum stürzen.

Stadtlohn

, 12.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zerborstene Scheiben, morsche Fenster, meterhohes Unkraut – das über 100 Jahre alte und denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude ist wahrlich keine gute Visitenkarte am südlichen Stadteingang der Stadt Stadtlohn. Heinz Garwer und Rembert Vehlken vom Eisenbahnclub Stadtlohn beklagen dies schon seit Jahren. Jetzt sehen die Hobbyeisenbahner auch echte Gefahren für ihr Eisenbahnmuseum im benachbarten Güterschuppen.

Heinz Garwer zeigt auf ein fußgroßes Holzstück, das auf dem Dach des Eisenbahnmuseums liegt. Es handelt sich offensichtlich um ein herabgefallenes morsches Endstück einer Dachpfette des schon seit langem leerstehenden Bahnhofsgebäudes. Am Ortgang des Bahnhofsdaches liegen die Dachpfannen krumm und schief, einige sind schon in die Dachrinne gerutscht.

Am Ortgang des Bahnhofdachs liegen die Pfannen krumm und schief. Der Eisenbahnclub fürchtet, das Teile des Dachs auf das Eisenbahnmuseum in der ehemaligen Güterabfertigung stürzen könnten.

Am Ortgang des Bahnhofdachs liegen die Pfannen krumm und schief. Der Eisenbahnclub fürchtet, das Teile des Dachs auf das Eisenbahnmuseum in der ehemaligen Güterabfertigung stürzen könnten. © Stefan Grothues

Heinz Garwer fürchtet Schlimmes: „Das ganze Gebälk scheint nicht mehr in Ordnung zu sein. Ich habe Angst, dass Teile des Dachstuhls herabstürzen und dabei auch das Dach des Eisenbahnmuseums durchschlagen könnten. Darunter ist ja unsere Werkstatt, wo auch Menschen arbeiten. Auch unsere Ausstellung könnte beschädigt werden.“

Im Rathaus nehme man die Sorgen des Eisenbahnclubs ernst, sagt der Erste Beigeordnete Günter Wewers, der sich vor Ort selbst ein Bild von der Situation gemacht hat. „Wir haben den Eigentümer des Bahnhofs schon zwei Mal angeschrieben und aufgefordert, einen Dachdecker zu beauftragen, der das Ganze fachmännisch unter die Lupe nimmt“, so Wewers

Das Unkraut schießt am ehemaligen Haupteingang des Bahnhofs in die Höhe.

Das Unkraut schießt am ehemaligen Haupteingang des Bahnhofs in die Höhe. © Stefan Grothues

Eigens für diesen Zweck hat die Stadt Ende des vergangenen Jahres auch Denkmalschutzmittel bereitgestellt. Der Eigentümer hatte sie bereits im September 2019 für die Erstellung eines Sanierungskonzepts beantragt. Der Bau- und Planungsausschuss der Stadt bewilligte einstimmig einen Zuschuss. Ein Drittel der Kosten für des knapp 10.000 Euro teuren Sanierungskonzepts will die Stadt übernehmen.

Sorge um Bestand des Bahnhofsgebäudes

Doch am Bahnhofsgebäude selbst passiere nichts, obwohl Eile geboten sei, beklagt Heinz Garwer. Er fürchtet nicht nur um die Sicherheit des benachbarten Eisenbahnmuseums. Er sorgt sich auch um die Zukunft des denkmalgeschützten Bahnhofsgebäudes. Wie er drängt auch die Stadt beim Eigentümer seit mehr als zehn Jahren auf eine grundlegende Sanierung – bislang ohne Erfolg. Der Eigentümer hat sich auf mehrfache Nachfragen unserer Redaktion noch nicht zur Zukunft des Bahnhofsgebäudes geäußert.

Risse im Mauerwerk des Bahnhofs

Risse im Mauerwerk des Bahnhofs © Stefan Grothues

Im jüngsten Schreiben an den Eigentümer hat die Stadt auch auf die Möglichkeit einer förmlichen Erhaltungsanordnung hingewiesen. Paragraf 7 des nordrhein-westfälischen Denkmalschutzgesetzes eröffnet diesen Weg bei verwahrlosten oder akut gefährdeten Baudenkmälern. Allerdings, so betont Claudia Volbers, im Rathaus zuständig für die Denkmalpflege, seien Erhaltungsanordnungen nur das letzte Mittel und an hohe Hürden gebunden. Geklärt werden müsste zum Beispiel, ob die möglicherweise im siebenstelligen Bereich liegenden Kosten für eine gründliche Gebäudesanierung überhaupt zumutbar seien.

Bahnhof wurde 1902 errichtet

Das zweigeschossiges Bahnhofsgebäude wurde 1902 errichtet. Während die angrenzende eingeschossige Güterabfertigung (städtisches Eigentum) im Jahr 2013 und der Lokschuppen (Privatbesitz) in den Jahren 1999 und 2000 mit Denkmalfördermitteln umfangreich saniert wurden, ist das Bahnhofsgebäude selbst seit Jahrzehnten dem Verfall preisgegeben.

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Im vergangenen Jahr keimte kurzzeitig Hoffnung auf, der alte Bahnhof könnte neu belebt werden. Die Brüder Strotmann planten dort, als Pächter ein Café und eine Kaffeerösterei zu eröffnen. Diese Pläne liegen jedoch seit Anfang des Jahres auf Eis. Die Brüder Strotmann wollen erst abwarten, was sich in der Frage der Gebäudesanierung tut.

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