So soll das neue Quartier "Engelsgärten" im Bereich Kalter Weg/Brakstraße/Engelstraße nach den bisherigen Planungen der Investoren aussehen. © Farwick + Grote
Wohnungsbau

„Engelsgärten“: Gelingt die Verdichtung an der Brakstraße ohne Proteste?

Verdichteter Mietwohnungsbau ruft immer wieder den Protest der Nachbarn auf den Plan. An der Brakstraße geht die Stadt neue Wege der Bürgerbeteiligung. Jetzt folgt die politische Nagelprobe.

Das Wohnbauprojekt trägt den schönen Namen „Engelsgärten“. Damit sich der Teufel nicht im Detail versteckt, ist die Stadt Stadtlohn neue Wege in der Bürgerbeteiligung gegangen. Das kommt nicht nur bei den Anwohnern gut an. Jetzt beginnt die politische Diskussion.

Am kommenden Dienstag stellen Investor und Planer das Projekt im Umwelt- und Bauausschuss vor. Insgesamt 67 Wohneinheiten sollen auf der seit Jahren brach liegenden Fläche im Bereich Brakstraße/Kalter Weg/Engelstraße entstehen, verteilt auf Mehrfamilienhäuser im Geschosswohnungsbau. Dazu kommen drei Einfamilienhäuser.

Anwohner: „Das Verfahren ist klasse“

Hermann-Josef Tendahl ist gespannt. Er will auf jeden Fall als Zuschauer an der öffentlichen Bauausschusssitzung am Dienstag (31. August) um 17 Uhr in der Stadthalle teilnehmen. Über die Pläne hat er sich schon Ende Juni mit über 50 weiteren Anwohnern informiert.

Und das ist neu: Noch bevor sich Politiker beraten und Vorentscheidungen treffen, sind in diesem Verfahren die Anwohner in einer Bürgerversammlung auf Einladung der Stadt von Planern und Investoren direkt informiert worden.

„Ich finde das Verfahren klasse“, sagt Hermann-Josef Tendahl. So konnte er schon frühzeitig seine Sorgen um die zunehmende Verkehrsbelastung und die seiner Ansicht nach „sehr massive Bebauung“ vortragen. „Wir Anwohner möchten ja nicht, dass künftig wegen des Schattenwurfs die Sonne in unseren Gärten eine Stunde früher untergeht.“

Bürgerversammlung gibt wichtige Hinweise für Politiker

Die Einwände und Anregungen der Anwohner wurden protokolliert und können am kommenden Dienstag direkt und frühzeitig mit in die Diskussion der Politiker einfließen. Dass der Bauausschuss die Präsentation erst nach den Bürgern diskutiert, ist erklärter Wille aller Fraktionen.

„Das Verfahren ist absolut richtig. Wir wollen die Bürger ja nicht überfahren. Die Diskussion in der Bürgerversammlung war gut. Ich habe einige Punkte mitgenommen. Über die Höhe der Bauten und die Parkplatzsituation müssen wir noch mal diskutieren“, sagt zum Beispiel der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Markus Könning.

Frühzeitige Information fördert sachliche Debatte

In der Vergangenheit hatten Discounter-Neubauten und vor allem auch der „Rahmenplan Bahnallee“ im Frühjahr 2020 Bürgerproteste ausgelöst, nachdem sie im Bauausschuss diskutiert worden waren. Der damalige Bürgermeister Helmut Könning räumte später ein: „Die Anwohner sind auf die Barrikaden gegangen. Mit so einer Reaktion hatte ich nicht gerechnet.“

Auf diesem seit längerer Zeit brachliegenden Areal im Bereich Kalterweg, Brakstraße, Engelstraße sollen neue Wohnungen entstehen.
Auf diesem seit längerer Zeit brachliegenden Areal im Bereich Kalterweg, Brakstraße, Engelstraße sollen neue Wohnungen entstehen. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Dabei gab es in Stadtlohn wie auch anderswo immer schon eine Bürgerbeteiligung. „Die ist ja im Bundesbaugesetz vorgesehen. Und zwar immer genau dann, wenn die Entscheidungen anstehen“, sagt Mathias Pennekamp, Leiter des Fachbereichs Bauen und Planen im Rathaus. Es sei aber sicher der bessere Weg, die Anwohner schon frühzeitig mit ins Boot zu holen. „Wenn es keinen Informationsvorsprung für eine Seite gibt, dann ist die Chance größer, sachlich und ohne zu große Emotionen gute Lösungen und Kompromisse zu finden.“

Investor: Es gibt bei der Planung noch Spielräume

Darauf setzt auch Matthias Niesing für den Investor, der Volksbank Ochtrup-Laer und Grünewald und Niesing Immobilien: „Ich war sehr zufrieden mit dem Verlauf der Bürgerversammlung. Das war ja für uns ein großer Test: Wie reagiert das Umfeld auf unsere Planungen?“

Zu den Kritikpunkten sagt er: „Wir haben sicher noch Spielräume, um Reibungspunkte aus dem Weg zu räumen und eine Lösung zu finden, die für alle tragbar ist.“

Dass der Bedarf für die neuen Miet- und Eigentumswohnungen da ist, das hätten eine ganze Reihe von Anfragen nach der Bürgerversammlung gezeigt. Matthias Niesing hofft, dass bis zum Frühjahr 2022 ein Bebauungsplan aufgestellt werden kann. Im Jahr 2022 soll auch der Abriss der alten Bestandsgebäude erfolgen.

„Engelsgärten“ schweben nicht auf Wolke sieben

Aber vorher sind noch viele Diskussionen nötig. Mathias Pennekamp betont: „Das Verfahren ist ja keine Garantie für Harmonie.“ Das weiß auch Hermann-Josef Tendahl: „Das Verfahren ist gut. Aber am Ende zählt ja für uns Anwohner das Ergebnis. Was sagen die Politiker? Und wie kompromissbereit ist der Investor? Das werden sicher noch spannende Monate.“

Blick zurück

  • Viele Jahre war auf dem Gelände im Bereich Brakstraße/Kalter Weg der Baustoffhandel Wullers ansässig.
  • Später siedelte sich dort der Sonderpostenmarkt Thomas Philipps an, der Mitte der 1990er-Jahre an die von-Ardenne-Straße umzog.
  • Seither stehen die Hallen leer – abgesehen von einer Kunstaustellung im Jahr 2010. Damals zog die Kreuzweg-Installation „Dimensionen – Wege zum Kreuz“ über 3000 Besucher an.
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Stefan Grothues

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