Verkäuferin kritisiert Ratsentscheidung für das neue Sonntags-Shopping in Stadtlohn

mlzVerkaufsoffener Sonntag

Ruth Niehues ist Verkäuferin. Sie liebt ihren Beruf. Und sie schätzt ihren Arbeitgeber, das Kaufhaus Berken. Den dritten Adventssonntag jedoch würde sie lieber mit ihrer Familie verbringen.

Stadtlohn

, 05.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In Stadtlohn wird es ab diesem Jahr einen fünften verkaufsoffenen Sonntag geben. Der Rat hat in der vergangenen Woche den Wunsch der Einzelhändler erfüllt, auch am dritten Adventssonntag zum Weihnachtsmarkt ihre Geschäfte öffnen zu dürfen.

Bei Ruth Niehues kommt dieser Ratsbeschluss gar nicht gut an. Er nimmt ihr einen freien Sonntag in der für sie ohnehin hektischen und arbeitsreichen Vorweihnachtszeit. „Die Idee mag für die Kunden und Geschäftsleute attraktiv sein“, sagt die 47-Jährige. „Aber ist dabei nur mal kurz an die Angestellten gedacht worden?“

Stressige Vorweihnachtszeit

Es gehe ja schließlich nicht nur um den einen Sonntagnachmittag, sagt Ruth Niehues und beschreibt ihre vier Wochen vor Weihnachten: Als Vollzeitkraft habe sie ohnehin eine Sechs-Tage-Woche. „In der Vorweihnachtszeit müssen wir samstags noch länger arbeiten. Am dritten Adventswochenende wird es dann besonders stressig: freitags der Lichterabend bis 21 Uhr, samstags der lange Samstag und sonntags jetzt noch zusätzlich von 12.30 bis 18.15 Uhr. Und dann geht die neue Arbeitswoche los... Wann sollen wir Verkäuferinnen denn mal die eigentlich besinnliche Vorweihnachtszeit mal genießen können?“

„Sonntagsruhe ist mir ganz wichtig“

Auch außerhalb der Weihnachtszeit, so sagt Ruth Niehues, sei ihr der Sonntag eigentlich „heilig“. Zwar weniger im religiösen Sinn, sondern als ein Tag, an dem sie die Seele baumeln kann. „Während der Woche bleibt ja kaum Zeit füreinander. Am Sonntag schlafe ich gerne aus, frühstücke lange mit meinem Partner. Ich liebe die Sonntagsruhe, sie ist mir ganz wichtig. Und ich freue mich, auch mal Zeit für die beiden Enkel zu haben.“

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Braucht denn der Einzelhandel in Stadtlohn nicht die verkaufsoffenen Sonntage zum Überleben? Die Kunden schätzen ja offenbar das sonntägliche Angebot. Ruth Niehues ist skeptisch. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die verkaufsoffenen Sonntage so wichtig sind. Die Kunden können ja das Geld nur einmal ausgegeben. Und wenn sie es sonntags ausgeben, können sie das werktags nicht mehr.“

Verkäufer-Beruf verliert an Attraktivität

Ruth Niehues sieht eine ganz andere Gefahr für den Einzelhandel: „Es wird immer schwieriger, qualifiziertes Personal zu finden. Die jungen Leute wollen ja vernünftige Arbeitszeiten haben.“ Das könne der Einzelhandel aber kaum bieten, und schon gar nicht bei immer mehr verkaufsoffenen Sonntagen. „Wenn es so weitergeht, muss man sich wohl nicht wundern, dass immer mehr Geschäfte schließen, weil immer weniger den eigentlich schönen Beruf ausüben wollen.“

Sie selbst ist schon – mit kurzen Unterbrechungen – seit 31 Jahren im Einzelhandel in verschiedenen Branchen tätig. Sie sagt: „Ich liebe diesen Beruf, den Austausch mit den Menschen. Da gibt es ja oft auch ein positives Feedback.“ Und auch über ihren Arbeitsgeber Berken verliert sie kein schlechtes Wort. Im Gegenteil: „Das ist ein sehr guter Arbeitgeber.“

„Rat hätte Verkäuferinnen mal befragen sollen“

Das hindert Ruth Niehues aber nicht daran, offen ihre Kritik am neuen verkaufsoffenen Sonntag in der Vorweihnachtszeit zu äußern. Sie richtet sich vor allem auch an den Rat, der mehrheitlich den neuen verkaufsoffenen Sonntag ermöglicht hat. „Also wäre es schön gewesen, wenn man uns auch mal gefragt hätte“, sagt sie und fügt hinzu: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Verkäuferinnen das gut finden, so wie es im Rat dargestellt wurde. Die Begeisterung hält sich in Grenzen.“

Lockt denn nicht der zusätzliche Verdienst? Schließlich erhalten die Verkäuferinnen und Verkäufer doch einen besonderen Sonntagszuschlag. Ruth Niehues schüttelt den Kopf: „Das Geld kann ich natürlich gebrauchen. Aber die freie Zeit ist mir wichtiger. Und die kann ich für Geld nicht kaufen.“

Lieber Einkauf ohne Hektik

Hand aufs Herz, geht Ruth Niehues denn selbst mal an einem verkaufsoffenen Sonntag in den Nachbarstädten shoppen? „Nein“, wehrt sie lachend ab, „das ist nichts für mich. Das wäre mir zu hektisch. Ich gehe lieber einkaufen, wenn das Gedränge nicht so groß ist. Dann haben auch die Verkäuferinnen mehr Zeit für mich.“

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