Ernst Dertmann forscht zu Richard Euringer

Literatur

STADTLOHN Eine Dornenkrone ziert den grauen Bucheinband. Ein Verweis auf Jesus Christus, der aber nicht auf religiöse Inhalte zielt, sondern rein ideologischen Zwecken dient: benutzt für das Buch eines NS-Literaten, dessen Hauptwerke in Stadtlohn entstanden sind.

von Von Thorsten Ohm

, 30.10.2009, 17:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schon lange vor 1933 bekannte sich Euringer zu den Nazis. Und schrieb die passenden Werke: Er trimmte das Schicksal großer historische Gestalten so um, dass ihr Leben sich gut in die Weltanschauung der Nationalsozialisten fügte, schrieb Herz-Schmerz-Gedichte und bediente später auch das Sujet „Vom Soldaten zum NS-Mann“. Aufsehen und erste hohe Auflagen erregte er mit dem 1934 erschienenen Band „Deutsche Passion 1933“, dessen Umschlag die Dornenkrone ziert – einer der vielen Versuche Euringers, Religion und Nazi-Ideologie aufeinander zuzuführen. Das war Propagandaminister Goebbels einen nationalen Buchpreis wert.

Euringer ging als Bibliotheksleiter nach Essen und organisierte dort Bücherverbrennungen, wurde 1935 Reichskultursenator und 1936 freier Schriftsteller. Im Zweite Weltkrieg meldete er sich freiwillig zum Militär. „Nach dem Krieg galt er 1948 als entnazifiziert. In seiner Biografie zeigte er keinerlei Einsicht“, so Dertmann. Euringer konnte schließlich auch wieder veröffentlichen – allerdings nicht unter seinem tatsächlichen Namen, sondern unter einem Pseudonym im Herder-Verlag, hat Dertmann herausgefunden.

Euringer starb 1953 im Alter von 62 Jahren bei einem Besuch in Essen. Auch das mit Euringer verbundene Kapitel Stadtlohner Geschichte dürfe nicht vergessen werden: „Die Aufarbeitung dieser Zeit ist eine bleibende Aufgabe.“

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