Erste Schiedsfrau ist im Amt

Für Streitfälle in Stadtlohn

Ein schattenwerfender Baum oder eine wuchernde Hecke – das sind die häufigsten Anlässe für Nachbarschaftsstreitigkeiten. Im Schlichtungswesen gibt es jetzt ein neues Gesicht.

Stadtlohn

, 13.12.2017, 16:53 Uhr / Lesedauer: 2 min
Fingerspitzengefühl ist gefragt: Gerhard Otte und Margret Wensing schlichten als Schiedsleute in Streifällen. Grothues

Fingerspitzengefühl ist gefragt: Gerhard Otte und Margret Wensing schlichten als Schiedsleute in Streifällen. Grothues © Stefan Grothues

Für Stadtlohn eine Premiere: Margret Wensing ist am Mittwoch als erste Schiedsfrau in ihr Ehrenamt eingeführt worden. Die 53-Jährige ist jetzt die Stellvertreterin von Gerhard Otte (77), der bereits seit sieben Jahren im Amt ist. Im Rahmen einer Feierstunde begrüßte Bürgermeister Helmut Könning die neue Schiedsfrau. Gleichzeitig würdigte er den Einsatz ihres Vorgängers Heribert Schwitte (68). Der Bankkaufmann im Ruhestand hatte sieben Jahre lang das Amt des stellvertretenden Schiedsmanns inne.

Wie kam Margret Wensing dazu, sich um dieses Ehrenamt zu bewerben? „Die Kinder sind groß, ich arbeitete nur halbtags als Masseurin. Da habe ich Zeit. Und das Schiedsamt hat mich wie das Schöffenamt immer schon interessiert. Vielleicht weil mein Bruder Amtsrichter und meine Schwägerin Staatsanwältin sind.“ Aber Margret Wensing weiß: „Aufgabe einer Schiedsfrau ist nicht das Richten, sondern das Schlichten.“

Auf die Aufgabe gut vorbereitet

In einem zweitägigen Seminar ist sie nach ihrer Vereidigung im November auf ihre Aufgabe vorbereitet worden. Weitere Fortbildungen folgen. „Wir haben gelernt, dass es nicht um Paragrafen geht, sondern um menschlichen Ausgleich. Was nützt es, wenn einer sein Recht bekommt und gleichzeitig das nachbarschaftliche Verhältnis ruiniert ist. Da ist ein ein menschlicher Ausgleich wichtiger.“ Das weiß auch Gerhard Otte aus seiner siebenjährigen Erfahrung. „Der Baum oder die Hecke ist nicht selten nur ein äußerer Anlass für den Streit. Der wahre Grund liegt oft tiefer.“ Eine Handvoll Fälle hat der pensionierte Lehrer jedes Jahr zu verhandeln. Etwa die gleiche Anzahl von Zwistigkeiten klärt sich schon nach einem Vorgespräch mit dem Schiedsmann ganz ohne Verhandlung.

Erstmal ein gemeinsamer Termin

Für den Januar haben Gerhard Otte und Margret Wensing einen gemeinsamen Termin vereinbart. Dann kann „die Neue“ dem „alten Hasen“ beim Schlichten über die Schulter schauen. Danach wollen die beiden klären, wer künftig welche Schiedsverfahren übernimmt. Bisher galt die Regel: Der Stellvertreter sprang nur dann ein, wenn der erste Schiedsmann verhindert oder befangen war.

Feierstunde für den Wechsel im Schiedswesen (v.l.): Hermann Kösters, Erster Beigeordneter Günter Wewers. Margret Wensing, Gerhard und Silveria Otte, Heribert und Petra Schwitte und Bürgermeister Helmut Könning.

Feierstunde für den Wechsel im Schiedswesen (v.l.): Hermann Kösters, Erster Beigeordneter Günter Wewers. Margret Wensing, Gerhard und Silveria Otte, Heribert und Petra Schwitte und Bürgermeister Helmut Könning. © Stefan Grothues

Auf ihrer Fortbildung hörte Margret Wensing von einer Kollegin aus dem Ruhrgebiet, die sich als Schiedsfrau ernsthaften Drohungen ausgesetzt sah. „Da habe ich schon fast bereut, mich freiwillig gemeldet zu haben“, so Margret Wensing. Gerhard Otte beruhigte sie: „Im Vergleich zu den Ballungszentren leben die Schiedsleute hier ja auf einer Insel der Seligen.“ Ein Streit um eine Hecke sei schließlich leichter beizulegen als Beleidigungen und Sachbeschädigungen, mit denen er als Schiedsmann in Stadtlohn eigentlich gar nicht zu tun habe.

Das Schiedsamt ist eine Schlichtungsstelle, die bei Nachbarschaftsstreit und bei Straftaten wie Beleidigung und Sachbeschädigung eingeschaltet werden muss, bevor ein Gerichtsverfahren eingeleitet werden kann. Schiedspersonen sind zur Verschwiegenheit verpflichtet und unparteiisch. Eine juristische Vorbildung ist nicht erforderlich, Lebenserfahrung schon. Der Stadtrat wählt die Schiedspersonen für eine Dauer von fünf Jahren. Gerhard Ottes und Margret Wensings Amtszeit endet am 30. September 2022. Das Schiedsamt ist ein Ehrenamt. So kann das Schlichtungsverfahren kostengünstig angeboten werden. Ein Verfahren kostet in der Regel 30 Euro. Die Stadt Stadtlohn trägt die Kosten, die für die Ausübung der Tätigkeit notwendig sind. Dazu gehören Beschaffung von Fachbüchern, Bürobedarf und Fortbildungskosten. Die Schlichtungsverhandlungen können im Rathaus stattfinden. Teilweise finden Vorgespräche auch im Wohnzimmer der Schiedsleute statt. gro www.schiedsamt.de
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