Erster Gottesdienst seit Corona: Viel Neues und ein Stück Normalität

mlzErster Corona-Gottesdienst

Absperrungen, Masken-Pflicht und Ordnungsdienste. In der ersten Messe seit Schließung der Kirchen wegen Covid-19 gab es viel Neues zu lernen – und gleichzeitig ein Gefühl von Normalität.

Stadtlohn

, 03.05.2020, 15:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Glocken der St. Joseph Kirche in Stadtlohn läuten. Ein vertrautes Geräusch in Zeiten, in denen so Vieles ungewohnt ist. Die erste Messe seit des Lockdown durch die Corona-Pandemie. Ordnungsdienste, Masken-Pflicht, abgesperrte Bankreihen und Desinfektionsmittel-Ständer. Die Messe am Samstagabend ist anders als sonst, und doch verlassen viele Besucher sie mit einem breiten Lächeln.

Auf Abstand: Für die Gottesdienstbesucher gibt es zugewiesene Sitzplätze.

Auf Abstand: Für die Gottesdienstbesucher gibt es zugewiesene Sitzplätze. © Christin Lesker

Vor der Kirche stehen Ordnungsdienste mit Warnweste. Sie verteilen Liederzettel. 50 Stück sind abgezählt, denn für mehr Menschen ist wegen der Sicherheitsvorkehrungen kein Platz. Jeder Besucher wird einzeln zu seinem Platz begleitet. Jede zweite Bank ist abgesperrt, in den übrigen Bänken sitzen nur zwei bis drei Menschen.

Zusätzlich sind einige Kameras und Mikros aufgebaut, um den Gottesdienst für alle live zu übertragen, die lieber von zu Hause dabei sein möchten. Ein befremdliches Bild, dass erahnen lässt: Es war viel Arbeit, trotz der vielen Auflagen einen Gottesdienst auf die Beine zu stellen.

Lange Planung

Schon vor zwei Wochen hat das Seelsorge-Team die ersten Pläne gemacht, wie ein Gottesdienst in dieser Zeit aussehen kann. „Uns war schnell klar, dass wir die Zahl der Gottesdienste erhöhen müssen, damit alle die möchten auch einen Platz finden“. Die Maßnahmen wurden mit Experten besprochen, Freiwillige für den Ordnungsdienst gesucht, Dienstpläne umgeschrieben und die Kirche vorbereitet.

Jeder zweite Reihe wird freigehalten.

Jeder zweite Reihe wird freigehalten. © Christin Lesker

Als der Gottesdienst am Samstag beginnt sitzen rund 30 Leute in der Kirche. Kaplan Jonas Hagedorn erklärt kurz die Regeln. Dann erklingen die ersten Orgel-Töne. Die Kirche mit ihren Absperrungen und die maskierten Besucher sehen surreal aus, wie in einem Film. Aber schließt man die Augen, klingt es wie immer. Ein schönes Gefühl und ein Stück Normalität. Es wird gesungen und gebetet. Der Friedensgruß entfällt, aber die strahlenden Augen des Nachbarn, lassen ein freundliches Lächeln unter der Maske erahnen.

Anders, aber schön

Es gibt keine Messdiener und statt der Händewaschung greift der Kaplan zum Desinfektionsmittel-Ständer. Die Hostie empfangen die Besucher stumm und mit Abstand zum Nächsten. Und doch ziehen nach dem Schlusslied zufriedene Gesichter aus der Kirche. „Es ist vielleicht nicht optimal“, meint eine Besucherin und schmunzelt, „aber es ist ein Anfang“.

Die Freude über ein Stück Gottesdienstnormalität war groß.

Die Freude über ein Stück Gottesdienstnormalität war groß. © Christin Lesker

Viele bedanken sich bei den Ordnern für die Hilfe. Die Menschen freuen sich und ein „Endlich wieder Messe“, hört man viele sagen, als der Gottesdienst vorbei ist. „Es ist ein kleines Stück Normalität in dieser Zeit“, findet Marie-Theres Schlamann, die als Ordnerin geholfen hat. Aber nicht nur das, es ist auch eine Abwechslung, die den eintönigen Alltag der vergangenen Wochen belebt.

Wie beim aller ersten Mal

„Das fühlte sich ein bisschen wie die aller erste Messe an“ meint Kaplan Jonas Hagedorn und lacht. „Ständig der Gedanke: Was darf ich gerade nicht berühren oder wann muss ich das nächste Mal meine Hände desinfizieren?“ Trotzdem ist er sichtlich zufrieden. Was planbar war, lief gut und auch wenn keiner sagen kann, wie lange die Gottesdienste so gefeiert werden, ist es ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Klebestreifen auf dem Boden sorgen für Abstand unter den Gottesdienstbesuchern.

Klebestreifen auf dem Boden sorgen für Abstand unter den Gottesdienstbesuchern. © Christin Lesker

Viele Dinge werden in den kommenden Messen anders sein, als gewohnt. Aber diese erste Messe zeigt: Auch mit Masken und Abstand bleibt, worauf es im Gottesdienst ankommt: die Gemeinschaft.

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Christian Feldmann war auch als Ordner dabei und fasst zusammen: „Es ist einfach schön mal wieder mit mehreren Leuten zusammen zu sein und gemeinsam zu singen“. Und dieses Gefühl von Gemeinschaft ist es wohl, was vielen in den letzten Wochen gefehlt hat.

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