Ersthelfer müssen keine Helden sein. Nicht wegzusehen und überlegt zu handeln reicht schon aus. © dpa
Meinung

Ersthelfer: Nicht jeder muss ein Held sein

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen hat ein Ersthelfer in Stadtlohn ein Menschenleben gerettet. Heldenhaft, findet Redakteur Stefan Grothues. Und er fragt sich: „Wäre ich auch ein Held?“

Vor einer Woche war ich allein auf einer Radtour unterwegs, als ich am Straßenrand einen Radfahrer blutüberströmt am Straßenrand liegen sah. Eine Frau beugte sich über ihn. Das Martinshorn kündigte die herbeieilenden Retter an. Unvermittelt schossen mir zwei Gedanken in den Kopf. Erstens: Mitgefühl. Und zweitens, ich gestehe: Erleichterung. Die Profis sind jetzt da, ich muss nicht helfen.

Natürlich wäre ich nicht vorbeigefahren, wenn keine Helfer dagewesen wären. Aber der Gedanke beschäftigte mich für einige Kilometer: Hätte ich beherzt und fachkundig helfen können? Muss ich nicht meinen Erste-Hilfe-Kurs mal wieder auffrischen?

Und wäre ich, wie die beiden jungen Männer in Stadtlohn, ohne zu zögern in ein brennendes verrauchtes Haus gerannt, um Menschenleben zu retten? Hätte ich mich dieser Gefahr ausgesetzt? Ich weiß es nicht. Die beiden Stadtlohner Lebensretter darf man daher getrost „Helden“ nennen.

Aber wir anderen, die wir nicht die Gelegenheit oder den Mut zum Heldentum besitzen, können uns trösten. Es reicht ja schon, Mitmensch zu sein. Hinzusehen, wenn Menschen in Not sind. Nicht zu gaffen, sondern zu helfen, so weit es einem jeden möglich ist – und die Retter zu alarmieren.

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Stefan Grothues

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