Ferdi Schreiber stellt Träume auf gewalztem Blech aus

Almsicker Herbstausstellung

Manchmal kokettiert Ferdi Schreiber mit seinem Alter, nennt sich augenzwinkernd einen „alten Sack“. Doch wenn es um die Kunst geht, dann ist der bald 70-Jährige rastlos, voller Sturm und Drang – wie eh und je. Seine neuesten Werke sind ab diesem Wochenende in der 12. Almsicker Herbstausstellung zu sehen: „Berkel und Boote – In Blech gepresste Träume“.

STADTLOHN

, 23.09.2016, 18:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ferdi Schreiber stellt Träume auf gewalztem Blech aus

Blech und der Regen aus Jahrzehnten schufen den magischen Horizont für Ferdi Schreibers Berkelbilder auf gewalztem Regenrinnenblech.

Aber was heißt schon neu. Auch die jüngeren Werke Schreibers tragen bereits Patina und den Zauber des Archaischen: alte Dachbleche, 3500 Jahre alte Mooreiche, rostige Fundstücke und historische Ziegelsteine collagiert der Stadtlohner Künstler in formal strenger Ordnung. Das Bauhaus, Piet Mondrian und Anselm Kiefer gehören zu den Quellen seiner Inspiration.

Neu aber sind zwei Themen: Der Berkel widmet Ferdi Schreiber eine ganze Bilder-Serie auf gewalztem Dachrinnenblech. Dort hat das Regenwasser über Jahrzehnte Spuren hinterlassen, die heute magisch verwitterte Horizonte für den Berkellauf bilden. Flüsse sind ein Herzensthema für Ferdi Schreiber. „Ich habe die schönsten Ferientage bei meiner Oma in Olfen an der Stever verbracht.“ Das heitere Idyll ist aber nicht sein Thema. Eher die künstlerische Archäologie: Seine Berkelbilder scheinen vorgeschichtlichen nebelverhangenen Zeitläuften nachzuspüren.

Albtraum der Flucht

Entrückt aber ist Ferdi Schreiber nicht. „Ich will nicht nur schöne Bilder machen. In meiner Kunst will ich mich auch an der Gesellschaft und am Politischen reiben.“ Und so hat er auch den Albtraum der Flucht aufs Blech gepresst: Collagen, die die Not der Flüchtlinge zeigen. „Das Thema hat mich wirklich sehr beschäftigt. Ich musste das einfach machen.“ Die Bootsskulpturen der Ausstellung schaffen eine thematische Klammer, die zunächst gar nicht beabsichtigt war. „Aber so ist das in der Kunst, auch das Ungewollte und der Zufall spielen eine große Rolle“, sagt Ferdi Schreiber. Die Boote steuert der junge Hamburger Künstler Knud Plambeck bei – wie Schreiber ein Sammler und Schrottarchäologe. Fässer, Milchkannen und Bleche aus dem Hanburger Hafen sind seine Grundstoffe. Seine Boote wirken mal wie heiter verzauberte Geschöpfe, mal wie mystisch strenge Artefakte. Immer aber treten sie in einen spannenden Dialog mit Schreibers Bildern.

Kunstfreude vermittelt

Wie kam der heute 69 Jahre alte Ferdi Schreiber – geboren in Bochum, aufgewachsen in Münster – zur Kunst? „Die Lust am Gestalten und an der Auseinandersetzung mit Materialien hatte ich schon als Kind.“ Ein Klassenfahrt nach Frankreich spielte eine besondere Rolle: die gotischen Kathedralen und eine van-Gogh-Ausstellung in Paris öffneten ihm künstlerisch die Augen. Seine Kunstbegeisterung vermittelte er viele Jahre als Lehrer am Vredener Gymnasium – und auch jetzt noch im Ruhestand stundenweise am Berufskolleg Canisiusstift in Ahaus. 

Knud Plambeck 1976 geboren in Ulm, Tischlerausbildung, Studium zum Produktdesigner in Schwäbisch Gmünd und an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel, 2006 Gründung der Galerie „Wasserspiegel“ in Altona
Öffnungszeiten der Almsicker Werkstattgalerie: Sa, 24. September, und So, 25. September, 14.30 bis 18 Uhr, sowie von Fr, 30. September, 14.30 bis 18 Uhr.
Besichtigungen sind auch nach Absprache unter Tel. (02563) 7464 möglich.
Adresse: Stadtlohn, Almsick 23, Anfahrt über die Kreisstraße33 und die Russenstraße

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