Neuer Feuerwehrturm in Stadtlohn ist den Nachbarn noch ein Dorn im Auge

mlzNeue Feuerwache

Auf diesen Tag haben Stadtlohns Feuerwehrleute lange gewartet: In vier Wochen wird die neue Feuer- und Rettungswache eingeweiht. Manchem Nachbarn ist nicht nach Feiern zumute.

Stadtlohn

, 23.08.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als wir 1979 hier am Starenweg unser Haus gebaut haben, da haben wir auf einen Wald geblickt. Und jetzt gucken wir auf einen Betonturm. Wenn wir das gewusst hätten, dann hätten wir das Grundstück gar nicht genommen.“ Rolf Neißer kann den Verlust des Wäldchens an seiner Grundstücksgrenze immer noch nicht verschmerzen. Im Februar 2017 wurden die rund 60 fast 90 Jahre alten Buchen und Eichen gefällt, um Platz zu schaffen für den Bau der neuen Feuer- und Rettungswache.

Neuer Feuerwehrturm in Stadtlohn ist den Nachbarn noch ein Dorn im Auge

Ausblick auf den Feuerwehr-Übungsturm statt auf den Wald: Rolf Neißer (l.) und Andreas Hilbert im Garten der Familie Neißer. © Stefan Grothues

Andreas Hilbert wohnt am Steinkamp. Auch er ist direkter Nachbar der Feuer- und Rettungswache. Wie Rolf Neißer ist auch ihm der neue, 14 Meter hohe Feuerwehr-Übungsturm ein Dorn im Auge. „Statt des Waldes habe ich nun ein Betonbauwerk vor der Nase. Das sieht aus wie ein moderner Kirchturm, der allerdings noch nicht zu Ende gebaut wurde. Das ist eine optische Zumutung.“

Nachbarn: „Vertrauensverhältnis gestört“

Mindestens so schlimm wie die Optik ist aus Sicht von Rolf Neißer und Andreas Hilbert aber etwas anderes. „Die Stadt hat die Anlieger vor der Baumfäll-Aktion 2017 nicht ehrlich informiert, sondern einfach Fakten geschaffen. Das Vertrauensverhältnis ist gestört“, sagt Andreas Hilbert. Und auch beim Standort des Übungsturms habe es keine Abstimmung mit den Nachbarn gegeben. „Man hätte vorher mit uns sprechen müssen“, sagt Rolf Neißer.

Bürgermeister: „Rechtzeitige Information versäumt“

Bürgermeister Helmut Könning erinnert auf Anfrage unserer Redaktion daran, dass der Wald eigentlich nicht komplett gefällt werden sollte, sondern nur in einem Teilbereich. Es habe sich dann aber herausgestellt, dass die verbliebenen Bäume nicht mehr standfest gewesen seien. Darum sei der Wald im zweiten Schritt komplett gefällt worden. Helmut Könning räumt rückblickend ein: „Wir haben es leider versäumt, die Anwohner vorab darüber zu informieren.“ Danach habe man aber bei den weiteren Überlegungen die Nachbarn mit ins Boot geholt.

Turm vier Meter niedriger als ursprünglich geplant

Helmut Könning bedauert, dass auch Differenzen zum Übungsturm einen Schatten auf „das eigentlich schöne und gut gelungene Projekt“ der neuen Feuer- und Rettungswache werfen. Feuerwehrchef Günter Wewers sagt, man sei den Nachbarn bei der Höhe auch entgegengekommen und habe den Turm nur noch 14 Meter hoch gebaut. In den ursprünglichen Planungen sei der Turm vier Meter höher gewesen.

Klar sei aber, dass die Feuerwehr den Übungsturm brauche. Am Turm können die Feuerwehrleute die Rettung von Menschen mit dem Teleskopmastfahrzeug trainieren. Außerdem sollen am und im Turm Löschangriffe unter Rauch, Schlauchmanagement, Absturzsicherung und der Umgang mit tragbaren Leitern geübt werden.

Befürchtungen der Anwohner, die Feuerwehren der Nachbarstädte und -gemeinden könnten ebenfalls an dem Turm üben und so für eine stärkere Belastung der Nachbarschaft durch den Trainingsbetrieb sorgen, räumte Günter Wewers aus: „Der Turm wird ausschließlich von der Stadtlohner Feuerwehr genutzt werden.“

Einweihung in vier Wochen

In vier Wochen, am Samstag, 21. September, wird die neue Wache feierlich eingeweiht. Am Sonntag, 22. September, lädt die Freiwillige Feuerwehr alle Stadtlohner von 10 bis 18 Uhr zum Tag der offenen Tür in die neue, moderne Wache ein. An diesem Tag wird es Informationsrundgänge für alle Interessierten geben, die Feuerwehr, Jugendfeuerwehr und der Rettungsdienst werden Einsatzübungen durchführen und das Team der Brandschutzerzieher wird einen Einblick in die Brandschutzaufklärung geben.

Anwohner wollen eine gute Nachbarschaft mit der Feuerwehr

Zum Eröffnungsfestakt sind alle Nachbarn persönlich eingeladen. „Und wir werden auch hingehen“, sagt Andreas Hilbert. Er betont: „Wir sind ja der Feuerwehr gegenüber grundsätzlich sehr positiv eingestellt.“ Rolf Neißer fügt hinzu: „Wir wollen ja auch in den nächsten Jahrzehnten eine gute Nachbarschaft.“ Aus Sicht der Nachbarn ist aber die bevorstehende Eröffnungsfeier ein Anlass, zu sagen, „dass nicht alles gut gelaufen ist“. Hilbert: „Es sollen ja jetzt nicht nur Loblieder gesungen werden.“

Die beiden Nachbarn allerdings sehen schon Verbesserungen im Verhältnis zur Stadt: Zur Gestaltung der Freifläche westlich der Feuer- und Rettungswache hat es vor wenigen Wochen eine Anwohnerversammlung gegeben. Die Anwohner konnten mitbestimmen, wie die Neuanpflanzung von zwölf Bäumen und die Einfriedung des Areals aussehen sollen. Andreas Hilbert: „Das war ein gutes Gespräch. Das hätte nur viel früher stattfinden müssen. Aber zu Beginn der Planungen gab es weder eine Nachbarschaftsversammlung, noch ausreichende Informationen.“

Beton-Optik des Turms missfällt Anwohnern

Rolf Neißer und Andreas Hilbert wollen nun in die Zukunft schauen. „Uns bleibt ja auch nichts anderes übrig. Die neue Feuer- und Rettungswache steht ja nun. Und der Übungsturm wird ja wohl nicht wieder abgerissen werden“, sagt Rolf Neißer. Aber die Gestaltung des Übungsturms ist für die Anwohner ein wichtiges Thema. Die Beton-Optik, die dem Architekten am besten gefällt, könne auf keinen Fall bleiben. Neißer: „Der Beton sieht trostlos aus, gerade bei Regen. Dann wird er ganz dunkelgrau.“ Andreas Hilbert ist für einen Anstrich oder für eine Begrünung. „Am besten beides: erst anstreichen, dann begrünen“, sagt er.

Übungsturm wird noch neu gestaltet

Bürgermeister Helmut Könning sagt: „Der Turm wird noch anders gestaltet werden, allerdings nicht mehr pünktlich zur Eröffnung der Feuer- und Rettungswache.“ Ein förmlicher politischer Beschluss liege noch nicht vor. „Es gibt aber schon viele Ideen und Anregungen. Damit werden sich die Ratsfraktionen noch auseinandersetzten müssen.“ Und natürlich werde darüber auch das begonnene Gespräch mit den Nachbarn fortgesetzt.

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