Manfred Telöken (l., Heitkamp+Hülscher) und Hubert Brugmann (Klaus Stewering) sind Oberpoliere und schon seit 15 bzw. 14 Jahren in ihren Betrieben. „Das ist schon die dritte Baustelle die wir zusammen machen und wir sind immer eher fertig geworden“, sagt Manfred Telöken. „Meistens läuft es sehr gut zusammen, meistens machte es auch Spaß.“ Und Hubert Brugmann fügt hinzu: „Mit den anderen Betrieben kommen wir sehr gut klar – es läuft Hand in Hand.“ © Markus Gehring
Stromleitungsbau

Fünf Bauunternehmen arbeiten eng zusammen, um die Energiewende zu schaffen

Neue Stromleitungen für die Energiewende im großen Maßstab zu verlegen, ist ein Millionenprojekt. So wie gerade in Legden und Asbeck. Mit dabei: Heitkamp+Hülscher aus Stadtlohn.

Wenn große Stromleitungen geplant, gebaut oder fertig gestellt werden, fällt oft der Name Amprion. Der Netzbetreiber. So wie gerade bei der ersten Gleichstromverbindung zwischen Deutschland und Belgien, die Anfang November in Betrieb genommen wurde.

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Eine Baustelle, fünf Firmen: Heitkamp+Hülscher, Bogenstahl, Rohrleitungsbau Niederrhein, Klaus Stewering und Epping Rohrvortrieb arbeiten in der Arbeitsgemeinschaft Amprion Legden Asbeck zusammen, um die neue Stromtrasse fertigzustellen.
Eine Baustelle, fünf Firmen: Heitkamp+Hülscher, Bogenstahl, Rohrleitungsbau Niederrhein, Klaus Stewering und Epping Rohrvortrieb arbeiten in der Arbeitsgemeinschaft Amprion Legden Asbeck zusammen, um die neue Stromtrasse fertigzustellen. © Heitkamp+Hülscher © Heitkamp+Hülscher

Doch wer sorgt eigentlich dafür, dass die Leitungen in den Boden kommen? Bei drei großen Projekten haben Unternehmen aus dem Westmünsterland ihre Finger im Spiel: Heitkamp+Hülscher aus Stadtlohn ist eines von ihnen. „Wir sind Teil der Energiewende“, sagt Prokurist Robert Ostendorf stolz. Aktuell arbeitet das Unternehmen an der Stromleitung, die in Legden voran getrieben wird. Schon das dritte Projekt mit Amprion in Folge.

Enge Kooperationen um gemeinsam Millionenprojekte zu stemmen

Doch solche Millionenprojekte sind selbst für das „H-Team“, wie sich Heitkamp+Hülscher selbst nennt, mindestens eine Nummer zu groß. Die Lösung: Kooperation mit anderen Unternehmen aus der Gegend.

Für die bisherigen Großprojekte von Amprion hat sich das Stadtlohner Unternehmen zu einer Arbeitsgemeinschaft mit den Firmen Bogenstahl aus Legden, Klaus Stewering aus Borken und dem Rohrleitungsbau Niederrhein aus Duisburg und Krefeld zusammengeschlossen. Für das Projekt in Legden kommt noch die Firma Epping Rohrvortrieb aus Bocholt dazu. „So kommen wir auf über 500 Mitarbeiter“, erklärt Robert Ostendorf. Eine Größe, mit der das Unternehmen auch mit den ganz großen Anbietern der Branche mithalten kann.

Kaufmännische Abwicklung läuft in Stadtlohn zusammen

In Stadtlohn läuft für diese Projekte die komplette kaufmännische Abwicklung und Steuerung. „Eben die Projektleitung“, sagt Robert Ostendorf. Bei der Baustelle in Aachen etwa habe er von Stadtlohn aus sieben Bauleiter koordiniert. Was erst einmal nur nach einem ziemlichen Logistikaufwand klingt, hat auch eine finanzielle Komponente. „Als Bauunternehmen geht man ja in die Vorfinanzierung“, erklärt er.

Stolze Geschäftsführer: Ulrich Bogenstahl, Winfried Schilling (Geschäftsführender Gesellschafter Rohrleitungsbau Niederrhein), Theo Heitkamp (Geschäftsführer Geschäftsführender Gesellschafter), Erwin Hülscher (Heitkamp+Hülscher, v.l.) arbeiten eng zusammen.
Stolze Geschäftsführer: Ulrich Bogenstahl, Winfried Schilling (Geschäftsführender Gesellschafter Rohrleitungsbau Niederrhein), Theo Heitkamp (Geschäftsführer Geschäftsführender Gesellschafter), Erwin Hülscher (Heitkamp+Hülscher, v.l.) arbeiten eng zusammen. © Markus Gehring © Markus Gehring

Bei so großen Projekten kämen da in drei oder vier Monaten schnell mal fünf oder sechs Millionen Euro zusammen, die man bereithalten müsse. „Wenn da die Liquidität nicht stimmt oder Rechnungen nicht pünktlich gestellt werden, wird es natürlich eng“, sagt er. Auch in der Baubranche passiert eben eine Menge hinter den Kulissen, die man auch auf einer noch so großen Baustelle nicht zu sehen bekommt.

Intelligente Abrechnung und Arbeitsplanung

Ein Beispiel: Normalerweise würden die einzelnen Kolonnen der Bauunternehmen auch separat arbeiten. „Drei Leute aus dem einen Unternehmen hier, vier aus dem anderen ein paar Hundert Meter weiter“, erklärt der Prokurist. Anders sei die Abrechnung normalerweise nicht möglich. Doch das sei unwirtschaftlich.

Heitkamp+Hülscher hat ein digitales Stundenerfassungssystem entwickelt, durch das die Bautrupps anders zusammengesetzt werden können. „Wir können die Trupps so aus der Belegschaft aller Unternehmen zusammensetzen und kommen schneller voran“, sagt er. Offenbar ein Ansatz mit großem Erfolg: „Bisher konnten wir alle Baustellen noch vor dem Termin fertig übergeben“, sagt er.

Dabei ist die aktuelle Großbaustelle in Legden und Asbeck aber längst nicht das einzige Projekt, das vom Stadtlohner Schützenweg aus voran gebracht wird. „Normalerweise arbeiten wir auf 12 bis 15 Baustellen gleichzeitig“, sagt der Prokurist. Und dabei seien die Klein- und Tagesbaustellen – etwa im Straßenbau – noch gar nicht mitgezählt.

Suche nach neuen Mitarbeitern ist große Herausforderung

Trotz aller Innovation und trotz aller Großprojekte, ein Problem teilt sich auch Heitkamp+Hülscher mit dem Rest der Branche: die Mitarbeitersuche. „Wir konkurrieren mit dem kompletten Handwerk“, sagt Robert Ostendorf. Und die Arbeitsplätze von Heitkamp+Hülscher lägen eben nicht in einer trockenen, beheizten Halle. „Unsere Jungs sind bei Wind und Wetter draußen“, räumt er ein. Entsprechend könne der Respekt vor deren Leistung gar nicht groß genug sein.

Neue Mitarbeiter brauchen Spaß am Handwerk: Die Arbeitsplätze bei Heitkamp+Hülscher liegen im Freien – bei Wind und Wetter.
Neue Mitarbeiter brauchen Spaß am Handwerk: Die Arbeitsplätze bei Heitkamp+Hülscher liegen im Freien – bei Wind und Wetter. © Markus Gehring © Markus Gehring

Das Unternehmen versucht, mit verschiedenen Anreizen gegenzusteuern: attraktive und abwechslungsreiche Projekte, betriebliches Gesundheitsmanagement, und seit etlichen Jahren auch einer Mitarbeiterbeteiligung: „Die Maschinen gehören den Mitarbeitern“, sagt Robert Ostendorf.

Jeder, der länger als drei Jahre im Unternehmen arbeite und eine Vollzeitstelle habe, werde so am Unternehmenserfolg beteiligt. Das scheint zu motivieren: Eine Mitarbeiterfluktuation gebe es fast gar nicht und der Krankenstand liege deutlich unter dem Branchendurchschnitt.

Mitarbeiter müssen Lust auf das Handwerk haben

Bei der Suche nach neuen Mitarbeitern setzt Heitkamp+Hülscher auf eine Kooperation mit der Losbergschule in Stadtlohn und auch auf Mundpropaganda: „Viele unserer Mitarbeiter kommen aus dem gleichen Familienkreis“, sagt Robert Ostendorf lachend. Der Einzugsbereich reicht dabei vom ganzen Kreis Borken bis ins Ruhrgebiet. „Wir suchen die, die auch noch bereit sind, das Handwerk zu machen. Die Arbeit vor Ort auf der Baustelle“, sagt er. Denn viele Auszubildende würden sich nach der Ausbildung schnell weiterqualifizieren. „Das ist natürlich toll, hilft uns aber auf der Baustelle dann nicht weiter“, sagt er lächelnd.

Die Bandbreite ist dabei groß: Radwege- und Straßenbau, Erschließung in Bau- und Gewerbegebieten, Kanal-, Tief- und Asphaltbau. „Alles, was mit Infrastruktur zusammenhängt, ist unser Hauptgeschäft“, sagt er. Und da würde ja vielleicht auch die nächste Großbaustelle im Ausbau des Stromnetzes gut passen. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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