Jürgen Rave stellte dem Gesundheitsminister Jens Spahn im August 2020 die DRK-Corona-Teststation vor. Jetzt werden dort nach Anmeldung auch freiwillige PCR-Tests abgenommen. © Stefan Grothues
PCR-Tests

Gegen Entgelt: DRK bietet in Stadtlohn jetzt auch freiwillige PCR-Tests an

Ob für Hochzeit, Disco oder bald den Dodgeball-Beach-Cup: Die Nachfrage nach PCR-Tests steigt. In Stadtlohn gibt es eine neue Testmöglichkeit. Die Zukunft der Schnellteststationen ist ungewiss.

Wer auf einer Hochzeit tanzen will, muss ihn haben. Auch wer in die Disco will oder auf eine private Party. Der PCR-Test hat durch die neue Corona-Schutzverordnung in NRW für Ungeimpfte eine neue Bedeutung bekommen. Die neue Verordnung gilt seit dem vergangenen Freitag (20. August).

Jetzt müssen Ungeimpfte und Ungenesene bei vielen Gelegenheiten einen negativen PCR-Test vorlegen, sobald der Inzidenzwert im Kreis über 35 liegt. Im Kreis Borken lag der Inzidenzwert (Stand 24. August) bei 76,2. Es gilt also die Pflicht zur Vorlage eines negativen PCR-Tests nach Vorgabe des NRW-Gesundheitsministeriums: für Clubs, Diskotheken und ähnliche Einrichtungen, für Tanzveranstaltungen einschließlich privater Feiern mit Tanz und für Hochzeitsfeiern. Auch für den großen Dodgeball-Beach-Cup am ersten Septemberwochenende in Stadtlohn sind PCR-Tests Pflicht – es sei denn, man ist geimpft oder genesen.

Bei den Hausärzten in Stadtlohn mehren sich die Anfragen nach PCR-Tests. „Ich finde das gut“, sagt Dr. Charlotte Dischinger. Die Stadtlohner Hausärztin bezeichnet den PCR-Test als „Goldstandard“. Und sie sagt: „Nur mit Impfungen und den PCR-Tests kriegen wir das Coronaproblem in den Griff.“

Dr. Charlotte Dischinger ist Hausärztin mit eigener Praxis in Stadtlohn. Sie ist ein Fan von Prävention und Impfflicht.
Dr. Charlotte Dischinger ist Hausärztin mit eigener Praxis in Stadtlohn. Sie ist ein Fan von Prävention und Impfflicht. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Das sieht auch Jürgen Rave, Vorstandsmitglied beim Deutschen Roten Kreuz in Stadtlohn, so. Seit vergangener Woche bietet die Covid-19-Teststation des DRK auch die Möglichkeit, freiwillige PCR-Tests abzunehmen. Die Teststation an der Gutenbergstraße 28 ist montags bis freitags von 14 bis 20 Uhr geöffnet. Eine Voranmeldung unter Tel. (02563) 9 78 60 ist erforderlich.

Covid-19-Teststation des DRK weiterhin gut ausgelastet

Zurzeit lassen sich die Anfragen nach Auskunft von Jürgen Rave noch an zwei Händen abzählen. „Das läuft ja gerade erst an“, so Rave. Über Arbeitsmangel brauchen sich die ehrenamtlichen Helfer auch keine Sorgen zu machen. 300 bis 500 Proben werden wöchentlich an der Gutenbergstraße abgenommen. Tendenz im Moment wieder steigend.

Dabei handelt es sich um Covid-19-Testungen, die das Rote Kreuz im Auftrag des Kreisgesundheitsamtes durchführt. Hinzu kommen die vom Gesundheitsamt angeordneten mobilen Testungen zum Beispiel in Kindergärten oder Betrieben. „Gestern waren es 200, heute sind es schon 250“, so Jürgen Rave am Dienstag.

Nach 48 Stunden verfällt die Testgültigkeit

Bei den freiwilligen anlassbezogenen Tests ist der Zeitfaktor wichtig. Das Testergebnis darf bei Vorlage nicht älter als 48 Stunden sein. Maßgeblich ist der Zeitpunkt der Probenentnahme, so sagt es das NRW-Gesundheitsministerium. Rave: „Da müssen wir im Einzelfall den Testzeitpunkt sehr genau absprechen, damit das hinterher auch passt“, sagt Jürgen Rave.

Und das betonte auch die Hausärztin Charlotte Dischinger: „Es mit den Laborzeiten ist etwas kniffelig. Wer freitags um 10 Uhr zum Test in die Praxis kommt, ist schon zu spät dran, weil der Laborkurier dann schon da war.“ Auch sie empfiehlt in jedem Fall eine rechtzeitige Terminabsprache.

Testkosten zwischen 70 und 90 Euro

Ob beim DRK oder beim Hausarzt: Freiwillige PCR-Tests müssen selbst bezahlt werden. Charlotte Dischinger: „Die Laborkosten liegen bei knapp 60 Euro, ich berechne zusätzlich 10 Euro für die Testabnahme.“ Das DRK berechnet für einen freiwilligen Test 87,50 Euro. Auch das, so Jürgen Rave, sei noch ein günstiger Preis. „Es gibt auch PCR-Tests, die über 100 Euro kosten.“

Und was ist mit den Schnelltests? Die Pflicht zur Vorlage eines negativen Antigen-Schnelltests (= POC-Test) gilt weiter für Veranstaltungen in Innenräumen, für Sport in Innenräumen, für die Innengastronomie, für körpernahe Dienstleistungen, Beherbergung und Großveranstaltungen im Freien mit mehr als 2500 Personen. Die Schnelltests sind bislang noch kostenlos. Ab dem 11. Oktober müssen die Tests in der Regel aber selbst bezahlt werden.

Schnelltestzentren könnten im Oktober schließen

Was bedeutet das für die Schnelltestzentren in Stadtlohn? „Wir rechnen jetzt schon mit dem spitzen Bleistift, weil die Nachfrage stark nachgelassen hat“, sagt Bernd Busert, der die Schnelltestzentren an der Heinestraße und in der Stadtlohner Innenstadt sowie ein weiteres in Legden betreibt. „Vor dem Sommer hatten wir an den drei Stationen bis zu 2000 Testungen pro Tag. Jetzt sind es an guten Tagen nur noch 500.“

Bernd Busert, Inhaber Zelte Stockhorst, vor dem Zelt an der Heinestraße, in dem die Neue Schnellteststelle eingerichtet wird.
Bernd Busert, Inhaber Zelte Stockhorst, vor dem Zelt an der Heinestraße, in dem die neue Schnellteststelle eingerichtet wird. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Grund ist die gestiegene Impfquote. Fast 72 Prozent der Menschen im Kreis Borken sind zumindest einmal geimpft, über 66 Prozent schon zwei Mal. Bernd Busert bezweifelt, dass die Impfstationen noch gefragt und rentabel sind, wenn die Testpersonen dafür selbst bezahlen müssen. Ein Schnelltest wird zurzeit mit 11,50 Euro vergütet.

Keine PCR-Tests in Schnelltestzentren

Auch die Tilly-Apotheke denkt über ein Auslaufen ihrer Teststation an der Klosterstraße nach. „Die Nachfrage hält sich im Rahmen“, sagt Anne Jansen von der Tilly-Apotheke. „Vielleicht testen wir bald nur noch im normalen Apothekenbetrieb. Wir sind uns noch nicht ganz schlüssig.“

Bürgermeister Berthold Dittmann lässt sich von Anne Jansen einen Testabstrich entnehmen; rechts Dr. Markus Jansen, Inhaber der Tilly-Apotheke.
Bürgermeister Berthold Dittmann lässt sich von Anne Jansen einen Testabstrich entnehmen; links Dr. Markus Jansen, Inhaber der Tilly-Apotheke. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Dass die Testzentren neben den Schnelltests auch PCR-Tests anbieten, ist aber unwahrscheinlich. Bernd Busert: „Für unsere Testzentren haben wir das ausgeschlossen. Dazu wäre fachmedizinisches Personal erforderlich. Der Aufwand wäre zu groß.“ Anne Jansen von der Tilly-Apotheke sagt: „Wir haben drüber nachgedacht. Aber wir haben den Gedanken vorerst beiseite geschoben, weil die Kosten enorm wären.“

Hausärztin Dr. Charlotte Dischinger zieht im Zusammenhang mit Aufwand und Kosten für den PCR-Text und vor allem aus medizinischen Erwägungen die Schlussfolgerung: „Der PCR-Test ist gut – aber die Impfung ist noch besser.“

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Stefan Grothues

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