Geht der Kiepenkerl wieder auf die Reise?

Kiepenkerl soll umziehen

Rastlosigkeit prägte das Leben der Kiepenkerle, die als Händler übers Land zogen. Warum sollte es ihrem Denkmal besser ergehen?

STADTLOHN

, 07.02.2018, 18:17 Uhr / Lesedauer: 2 min
Seit 40 Jahren hat der Kiepenkerl seinen Platz an der Stadthalle. Erwin Plate regte jetzt im Bauausschuss einen Umzug des Denkmals zum Mühlenplatz an.

Seit 40 Jahren hat der Kiepenkerl seinen Platz an der Stadthalle. Erwin Plate regte jetzt im Bauausschuss einen Umzug des Denkmals zum Mühlenplatz an. © Markus Gehring

Der Kiepenkerl an der Dufkampstraße hat sichtbar schwer an seiner Kiepe zu tragen. Ernst, gebeugt und nur grob in Stein gehauen hat er nur wenig gemein mit den fröhlichen Kieperkerlen, die sich alljährlich in Stadtlohn, der heimlichen „Hauptstadt der Kiepenkerle“ treffen. Das Denkmal indes führt ein Schattendasein, halb versteckt zwischen immergrünem Ilex und Kirschlorbeer.

Erwin Plate will das ändern. „Das ist doch zu schade, wenn der Kiepenkerl zuwächst“, sagte das UWG-Ratsmitglied in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses. Überhaupt, so Erwin Plate weiter, sei der Standort an der Stadthalle nicht ideal. Er regte an, den Kiepenkerl auf den Mühlenplatz zu versetzen, sobald die Mühle saniert und der Platz neu gestaltet ist. Im Ausschuss erntete der Vorschlag manches Kopfnicken, aber diskutiert und entschieden wurde die Frage noch nicht. Aber sie rückt ein Denkmal ins Licht, das eine bewegte Geschichte hinter sich hat. Und das in seiner Unvollendetheit auch eine tragische Künstler-Geschichte erzählt.

Stadtarchivar Ulrich Söbbing kennt die Geschichte im Detail: Initiator des Denkmals war 1937 der damalige Landrat Felix Sümmermann. Er beauftragte den Stadtlohner Bildhauer Josef Brinkamp mit der Arbeit.

Kiepenkerl stand Modell


Das Kunstwerk sollte auf der Mittelinsel des Kreisverkehrs zwischen Ahaus, Heek und Schöppingen platziert werden. Der damals 35-Jährige galt als begabter Bildhauer: Studien führten ihn an Kunstakademien in Berlin, Düsseldorf und Venedig. Modell für das überlebensgroße Kunstwerk aus Kreuzheimer Muschelkalk stand auch ein Stadtlohner: Bernhard Tenbrock, der letzte Kiepenkerl der Töpferstadt. Fotos aus Brinkamps Atelier dokumentieren die Etappen des Schaffens, und ein Modell zeigt, wie das Kunstwerk einmal aussehen sollte: eine naturalistische Darstellung vom Holzschuh bis zur Mütze.

Dazu sollte es aber nie kommen. 1939 wurde Josef Brinkamp zum Militär eingerufen. Als 38-Jähriger fiel er im März 1945 bei Kämpfen nahe Breslau. Zur selben Zeit fielen die Bomben auf Stadtlohn und beschädigten das unvollendete Kiepenkerl-Denkmal.

Später wurde es restauriert und fand seinen Platz vor der Steinmetz-Werkstatt der Firma Brinkamp Söhne an der Eschstraße in Stadtlohn, die ein Bruder des Künstlers weiterführte.

Bei Transport zerbrochen


Vor 40 Jahren erwarb die Stadt Stadtlohn das Standbild. Beim Transport zur Stadthalle zerbrach es allerdings erneut und musste wieder instandgesetzt werden. Heute wirkt der Torso in seiner unvollendeten Expressivität fast moderner als die geplante Vollendung die das Kunstwerk nie erreichte.

Im nächsten Herbst treffen sich wieder über 100 Kiepenkerle aus dem ganzen Münsterland in Stadtlohn – zum 37. Mal übrigens. Vielleicht hat die Umsetzung des Kunstwerks vor vier Jahrzehnten ja die Idee zum ersten Treffen inspiriert. Und vielleicht gibt es bis zum nächsten Treffen ja auch eine Entscheidung über den Verbleib des Standbildes.

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