Schlangenlinien und Beinahe-Unfall: Bewährungsstrafe und Führerscheinentzug für 35-Jährige

mlzGerichtsprozess

Weil eine Stadtlohnerin zum wiederholten Mal ohne Führerschein und unter Alkoholeinfluss Auto gefahren ist, musste sie sich vor dem Amtsgericht Ahaus verantworten. Das Urteil? Dennoch milde.

Stadtlohn, Südlohn

, 31.10.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am Ende wurde der Richter noch einmal sehr deutlich: „Mit dem Urteil sind Sie noch bestens bedient. Sie hatten Riesenglück, dass nicht mehr passiert ist. Ich hoffe, dass Sie in sich gehen und die entsprechende Folgen aus Ihrer Tat ziehen“, sagte er bei der Urteilsverkündigung am Dienstagmittag im Amtsgericht Ahaus.

Wirklich einsichtig zeigte sich die 35-Jährige aus Stadtlohn nicht. Wie schon während der gesamten Gerichtsverhandlung suchte die Angeklagte auch nach dem Urteil noch nach Rechtfertigungen und Erklärungen für ihr Verhalten.

Kollision knapp entgangen

Was war passiert? Der gelernten Krankenschwester wurde laut Anklageschrift vorgeworfen, im Sommer dieses Jahres unter Alkoholeinfluss und ohne Führerschein Auto gefahren zu sein. Während dieser Fahrt soll sie mehrmals in den Gegenverkehr geraten sein und ein Fußgänger soll nur knapp einer Kollision entgangen sein, nachdem die Angeklagte ihren Pkw auf einen Bürgersteig „gesteuert“ haben soll.

Interessant wurde es gleich zu Beginn der Verhandlung, als die 35-Jährige angab, eine andere Route gefahren zu sein, als der später geladene Zeuge beschrieb. Nach ihren Worten habe sie nur eine kurze Strecke innerhalb Stadtlohns – von ihrer Wohnung bis zum Krankenhaus – zurückgelegt. Diese Angaben widersprachen der Anklageschrift.

Schuldfähigkeit in Frage gestellt

Den Alkoholeinfluss der Angeklagten versuchte ihr Verteidiger mit der gesundheitlichen Situation zu rechtfertigen. „Meine Mandatin wurde seit 2015 44 Mal operiert und ihr Verdauungssystem funktioniert nicht mehr richtig. Daher wird der Alkohol im Blut nicht so schnell resorbiert wie bei anderen Menschen.“

Anschließend stellte der Verteidiger sogar die Schuldfähigkeit seiner Mandantin infrage. Als Begründung dafür wählte er ihre gesundheitliche Situation. Ihre Aussetzer in den Gegenverkehr versuchte die Frau mit einer kaputten Servolenkung des Autos zu begründen.

Angeklagte vorbestraft

Doch so wirklich schlüssig wirkte die Erklärung irgendwie nicht. Das merkte auch der Richter, der von Beginn an sagte, dass an der Fahrlässigkeit der Tat nichts zu deuteln sei. „Wenn Sie wissen, dass der Alkohol noch länger nachweisbar ist, warum fahren Sie dann Auto?“, hakte er nach.

Erschwerend kam hinzu, dass die 35-Jährige bereits mehrfach vorbestraft ist. Bereits 2013 und 2017 war sie ohne Fahrerlaubnis Auto gefahren, 2016 und 2017 war sie zudem unter Alkoholeinfluss gefahren. Dies alles führte bereits zu einem zeitweiligen Führerscheinentzug sowie einer Bewährungsstrafe.

Keine Teilnahme an MPU-Maßnahme

Diese Bewährungsstrafe endete im Januar 2019 – ihren Führerschein hatte sie jedoch noch nicht zurück, weil die Frau keine Teilnahme an einer MPU-Maßnahme nachweisen konnte. Umso schwerwiegender wirkt ihre Tat aus dem Juni dieses Jahres, da sie erst seit wenigen Monaten keine Auflagen im Zuge der Bewährung erfüllen musste.

Nachdem sich die Lage für die Angeklagte immer mehr verschlechterte, räumte der Richter ein, dass eine Vorladung der Zeugen und weiterer Sachverständiger gar nicht nötig sei, weil die Lage für ihn eindeutig sei und die gelernte Krankenschwester um eine Freiheitsstrafe auf Bewährung nicht herumkomme.

Zeuge nimmt Verfolgung auf

Daraufhin berieten der Rechtsanwalt und seine Mandantin kurz unter vier Augen. Nach der Rückkehr in den Gerichtssaal stimmten sie den Worten des Richters zu und wollten ein vorzeitiges Ende der Verhandlung bewirken. Doch die Staatsanwaltschaft wollte den Zeugen hören.

Der geladene Zeuge, der eigentlich nur innerhalb Südlohns fahren wollte, schilderte dann anschließend seine Beobachtungen: An einer Kreuzung der L 572 von Südlohn in Richtung Stadtlohn fiel ihm die kuriose Fahrweise der Angeklagten auf. Daraufhin nahm er die Verfolgung auf und verständigte gleichzeitig die Polizei. „Ich hatte den Beamten am Telefon und habe beschrieben, wo das Auto langfährt. Vor der Apotheke in Stadtlohn wartete dann eine Streife der Polizei.“

Diese Worte verstärkten den Verdacht des Richters, dass die Version der Angeklagten nicht stimmte. „Warum sollte der Zeuge lügen? Und zudem nimmt er einen Extraweg in Kauf und informiert die Polizei.“ Dementsprechend lautete auch das Urteil: Sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung, eine Geldstrafe in Höhe von 500 Euro und ein Fahrverbot von 18 Monaten.

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