Seit über 80 Jahren prägt der Möbelhersteller Hülsta die Entwicklung der Stadt Stadtlohn mit. Auch künftig soll die Gründerfamilie Hüls mit dem Unternehmen verbunden bleiben, betont die Geschäftsführung. © Markus Gehring
Hülsta

Gerüchte dementiert: „Familie Hüls bleibt der Möbelmarke Hülsta erhalten“

Zieht sich die Familie Hüls aus dem Unternehmen Hülsta zurück? Diese Frage beschäftigte am Dienstag Mitarbeiter in Stadtlohn und Ottenstein. Die Geschäftsleitung dementierte Spekulationen.

Seit zwei Jahren ist er bereits der starke Mann beim Stadtlohner Möbelhersteller Hülsta: 2019 übernahm der Investor Dr. Thomas Knecht als Geschäftsführer das Ruder und wurde gleichzeitig größter Einzelgesellschafter. Mehrheitlich aber blieben die Hülsta-Anteile in den Händen der Gründer-Familie Hüls.

Branchenmagazin sieht in Thomas Knecht „wohl baldigen Alleininhaber“.

In seiner jüngsten Ausgabe berichtet das Branchenmagazin „Inside“, dass die „Dr. Knecht No. 1 GmbH“ ihre Anteile an der Hülsta-Holding von aktuell 40 Prozent weiter aufstocken will. Für Dienstag, 26. Oktober“, so „Insight“, sei ein Notartermin angesetzt, bei dem die vier Brüder Ludwig, Karl, Georg und Arnold Hüls „eine Unterschrift leisten könnten, die den Abschied der Möbelfabrikantenfamilie Hüls bei Hülsta so ziemlich genau 20 Jahre nach dem Tod des großen Karl Hüls zur Folge haben würde.“ Das Magazin nennt Thomas Knecht den „wohl baldigen Alleininhaber“.

Unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kursierten am Dienstag, für den auch Betriebsversammlungen anberaumt waren, nur Gerüchte. „Wir tappen genauso im Dunklen wie Sie“, hieß es von Seiten des Betriebsrats auf Anfrage unserer Redaktion.

Gewerkschaft: „Wir wissen nicht, ob da was dran ist“

Auch Gewerkschaftssekretär Manfred Robert von der IG Metall Bocholt erklärte am Dienstagmittag: „Wir haben von den Spekulationen gehört, aber wir wissen nicht, ob da was dran ist.“ Der Betriebsratsvorsitzende Benedikt Dönnebrink war am Dienstag nicht zu erreichen. Die Betriebsversammlung sei allerdings, so hieß es aus dem Betriebsratsbüro, eine „Routine“ nach längerer Coronapause.

Das Hülsta-Werk in Ottenstein
Das Hülsta-Werk in Ottenstein © Markus Gehring © Markus Gehring

Dann sorgte die Hülsta-Geschäftsführung in den Betriebsversammlungen in Stadtlohn und Ottenstein für etwas mehr Klarheit. Auf Anfrage unserer Redaktion erklärte sie am Dienstagnachmittag schriftlich: „Die Berichterstattung in der aktuellen ,Inside‘ enthält Fehlinformationen. Es wurde kein Notartermin anberaumt, auch nicht am 26. Oktober 2021. Dr. Thomas Knecht hat dies auch im Rahmen der Gesamtbetriebsversammlung am Dienstag deutlich gemacht. Die Familien Hüls sowie Dr. Thomas Knecht werden der Möbelmarke langfristig erhalten bleiben.“ Nähere Auskünfte waren am Dienstag nicht zu erhalten.

Hülsta feierte im vergangenen Jahr 80-jähriges Bestehen

Thomas Knecht ist seit August 2019 Chief Executive Officer (CEO) der Hülsta-Gruppe. Zuvor war er Vorstandsvorsitzender des Logistikunternehmens Hellmann, das er sanierte und neu aufstellte.

„Mit Dr. Knecht hat Hülsta nunmehr in einem intensiven Auswahlprozess nach ausführlichen Beratungen mit diversen interessierten Branchen- und Finanzinvestoren den strategischen Partner gefunden, der die Premiummarke Hülsta engagiert weiterentwickeln will“, hatte Ludwig Hüls vor zwei Jahren für die Familiengesellschafter erklärt.

Hülsta wurde im Jahr 1940 als Handwerksbetrieb von Alois Hüls gegründet und ab 1960 von dessen Sohn Karl Hüls geleitet. Unter dessen Führung wurde Hülsta zur bekanntesten Herstellermöbelmarke in Deutschland und größtem Arbeitgeber in Stadtlohn mit Zweigwerken in Ottenstein und Heek.

Stadtlohn machte Karl Hüls zum Ehrenbürger

Für seine Verdienste um die Stadt Stadtlohn wurde Karl Hüls im Jahr 2000 mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt Stadtlohn geehrt – nicht nur weil er viele Arbeitsplätze geschaffen und damit zur positiven Entwicklung der Region beigetragen hatte, sondern auch wegen seines großen sozialen Engagements. Nach seinem Tod im Jahre 2001 wurde in Stadtlohn auch eine Straße nach ihm benannt.

In der 81-jährigen Firmengeschichte gab es neben vielen Höhen auch einige Tiefen. Das Werk in Heek wurde 2008 geschlossen. Die Mitarbeiterzahl, die einst bei 1400 lag, ist mittlerweile mehr als halbiert. Die Hülsta-Gruppe trennte sich im letzten Jahrzehnt auch von den Tochterunternehmen Rolf Benz, Ruf, Parador, Loddenkemper und Femira, um das Geschäft auf die Kernmarke Hülsta zu konzentrieren.

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Stefan Grothues

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