Hausbesitzer sehen Schottergärten oftmals als pflegeleichte Alternative, Umweltschützer warnen vor solchen Gärten. © picture alliance/dpa

Hans Stelzig stört die „Unsitte“ Schotterbeete – und er will etwas dagegen tun

Das Anlegen von Schotterbeeten wird vermehrt als pflegeleichte Alternative gesehen. Doch aus ökologischer Sicht ist diese Tendenz bedenklich. Das findet auch der Stadtlohner Hans Stelzig.

Nein, er verstehe die Menschen nicht. Die Zunahme an Schotterbeeten ist Hans Stelzig ein Dorn im Auge. Und diese „Unsitte“ hat der Stadtlohner vielfach dokumentiert. „Die Anleger von Schotterbeeten sind der Meinung, dass sie sich damit viel Arbeit ersparen. Aber: Manche Städte haben das Anlegen solcher Anlagen verboten, weil sie umweltschädlich sind, den Raum für Insekten nehmen und dazu die Umwelt erwärmen“, erklärt er. Und dafür möchte er das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger schärfen – und hat entsprechend Initiative ergriffen.

Als Grund für das Anlegen von Schottergärten wird – wie von Hans Stelzig angeführt und angezweifelt – vor allem die Pflegeleichtigkeit angeführt. Aus ökologischer Sicht seien Schottergärten allerdings sehr problematisch, denn sie böten Insekten und Kleintieren kaum Nahrung oder Unterschlupf, heißt in einem Schreiben, dass er zum Thema an die Stadtverwaltung gerichtet hat. Auch für das Kleinklima ergäben sich negative Folgen, teilt der Stadtlohner mit: Im Sommer heize sich zum Beispiel der Schotter stark auf, nachts kühle er nur langsam wieder ab.

Wichtiger Lebensraum wird vernichtet

„In den letzten 30 Jahren sind 70 Prozent aller Insekten verschwunden“, betont Hans Stelzig einen Aspekt. Es dauere nicht mehr lange, dann gerate das Ökosystem aus dem Gleichgewicht. „Statt grüner Rasenflächen und Gartenhecken werden Plastik- und Steinwände sowie Bretterverschläge um die Grundstücke angelegt. Hinzu kommen die großflächige Versiegelung des Bodens und die Schotterbeete. Zusammengerechnet ist das Lebensraum, der fehlt“, so Stelzig.

Und der pensionierte Lehrer kennt die Folgen schon jetzt: „Mein Sohn wohnt auf dem Land. Selbst dort sind die Insektenhotels mittlerweile wenig belebt.“ Und er schiebt in seinem Schreiben hinterher: „Mit dem Niedergang der Insektenpopulation schaffen wir unser eigenes Grab.“

Wie sieht es in den einzelnen Bundesländern aus? In Baden-Württemberg zum Beispiel sind Schottergärten laut Naturschutzgesetz verboten. Die meisten anderen Bundesländer verweisen auf ihre Landesbauordnungen. Mit der neuen Landesbauordnung will NRW ab dem 1. Juli strikter gegen Schottergärten vorgehen. Schon jetzt sei vorgeschrieben, nicht überbaute Flächen zu begrünen und wasseraufnahmefähig zu gestalten, erklärte NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) jüngst. Künftig soll die Prüfung dieser Vorschrift schon im Baugenehmigungsverfahren verankert werden.

Zwei Bürgeranfragen liegen der Stadtverwaltung vor

In Nordrhein-Westfalen haben zudem Städte wie Dortmund und Paderborn in ihren Bebauungsplänen für Neubaugebiete Schottergärten untersagt. Auch im Stadtlohner Rathaus liegt das Thema – wie gesagt – auf dem Tisch, das kann der Erste Beigeordnete Günter Wewers auf Nachfrage bestätigen: „Nach Rückfrage im Fachbereich Umwelt, Planen und Bauen kann ich mitteilen, dass es zu dem Thema auch in Stadtlohn inzwischen zwei Bürgeranfragen – eine davon im letzten Rat – gibt.“ Es sei nicht auszuschließen, dass das Thema insgesamt noch politisch beraten werden wird.

Eine Antwort auf seine Bürgeranfrage hat Hans Stelzig aus dem zuständigen Fachbereich erhalten. Darin teilt man ihm mit, dass die Stadt Stadtlohn in zahlreichen Bebauungsplänen die Festsetzung verankert habe, dass „Vorgärten gärtnerisch zu nutzen und zu begrünen“ seien. Im Übrigen unterliege die Vorgartengestaltung nicht der Genehmigungspflicht. Um bei den Bauherren ein Bewusstsein für die Thematik zu schaffen, lege die Stadt einer Genehmigungsfeststellung stets eine Broschüre zum Thema bei. Eine gesamtstädtische Strategie erscheine vor diesem Hintergrund zweckmäßig.

Hans Stelzig ist noch einen Schritt weiter gegangen, er hat den Petitionsausschuss der Bundesregierung angeschrieben, entsprechende Gesetze zu erlassen. „Ich habe auch eine Antwort erhalten. Das zeigt, dass Bewegung im Thema ist.“ Der Stadtlohner sieht aber auch positive Ansätze. Er hat wohlwollend Gärten von Bürgern vernommen, die ihre Zäune zumindest bewachsen ließen. Um neuen Lebensraum zu schaffen. „Es geht also auch anders.”

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