Stadtlohner Soundtüftler veröffentlichen Song auf dem Plattenlabel ihres Idols Hardwell

mlzElektronische Tanzmusik

Der DJ und Produzent Hardwell ist ein Weltstar der elektronischen Tanzmusik. Ein Idol für Nico Scheffer (20) und Tim Gröning (18). Für die beiden Stadtlohner wurde am Freitag ein Traum wahr.

Stadtlohn

, 01.02.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Früher keimten die Hoffnungen von Nachwuchsmusikern beim ungeschliffenen Garagenrock mit Freunden aus der Nachbarschaft auf. Heute feilen Nachwuchsmusiker ohne Instrumente weltweit vernetzt an elektronischen Samples und Beats. Und manchmal werden Träume wahr. Tim Gordon und Scheffwell alias Tim Gröning und Nico Scheffer aus Stadtlohn haben am Freitag den Ritterschlag der elektronischen Tanzmusik erhalten.

Jetzt lesen

Hardwell, der weltweit gefeierte Superstar der Electronic Dance Music (EDM), hat die beiden Stadtlohner Soundbastler unter Vertrag genommen und am Freitag ihr Lied „Love ist right“ in seinem Podcast „Hardwell on Air“ als Song der Woche vorgestellt. Hardwell ist Gründer des Plattenlabels Revealed Music in Amsterdam und weltweit als Produzent anerkannt.

„Als würde man bei Schalke 04 unterschreiben“

Das Lied beginnt mit Sphärenklängen. Dann singt eine markante Stimme „I feel the ground falling underneath my feet...“. Tim Gröning und Nico Scheffer verlieren nicht den Boden unter den Füßen. Sie schweben auf Wolke sieben.

„Für mich ist ein Riesentraum in Erfüllung gegangen“, sagt Tim Gröning am Tag vor der Veröffentlichung und strahlt mit Nico Scheffer um die Wette. Der sagt: „Es fühlt sich an, als würde man beim Fußball bei Schalke 04 oder noch höher unterschreiben.“

Stadtlohner Soundtüftler veröffentlichen Song auf dem Plattenlabel ihres Idols Hardwell

Nico Scheffel liebt als DJ Scheffwell den Auftritt auf der großen Bühne wie hier beim Karpaten-Zeltfestival 2019. © privat

„Love ist right“ ist das erste gemeinsame große Ding der beiden Stadtlohner. Während der 20-jährige Scheffwell nach DJ-Auftritten vor tausenden Partygästen beim Dodgeball-Beach-Cup in Stadtlohn und beim Zeltfestival Karpaten schon regionale Bekanntheit erlangt hat, tüftelt der 18-jährige Tim Gröning seit drei Jahren eher im Verborgenen an seinen Songs. „Ich habe noch nie aufgelegt. Ich bin nicht so der Performer“, sagt Tim Gröning.

Tim Gordons Songs werden weltweit gestreamt

Aber was heißt schon „im Verborgenen“: Auf Spotify, Youtube und anderen Plattformen fanden die von Tim Gordon produzierten Songs weltweit insgesamt schon eine halbe Million Hörer. Mit 15 hat sich Tim Gröning das Produzieren elektronischer Musik am PC selbst beigebracht und mit Samples von Stimmen und Instrumenten komponiert und arrangiert. Da hatte er nach drei Musikschuljahren die klassische Konzertgitarre längst beiseite gelegt.

Stadtlohner Soundtüftler veröffentlichen Song auf dem Plattenlabel ihres Idols Hardwell

„Ich bin nicht so der Performer.“ Tim Gröning – hier in einem Studio in Berlin – zieht das Soundtüfteln dem großen Auftritt vor. © privat

„Zuerst hatte ich keine Ahnung von dem, was ich da mache. Die ersten Ergebnisse waren frustrierend“, sagt Tim Gröning. Aber er hatte Feuer gefangen. Über Facebook und andere Foren lernte er andere Producer und Sänger kennen. Transatlantisch entstanden so Songs.

Doch Nico Scheffer, der nur 400 Meter entfernt wohnt, den lernte Tim Gröning vorerst nicht kennen. Beide produzierten munter nebeneinander her – bis sie sich im vergangenen Jahr auf einem Festival in Gelsenkirchen kennenlernten. „Ein gemeinsamer Freund hat uns einander vorgestellt.“ Ein gemeinsames Projekt war schnell beschlossene Sache.

Sängerstimme aus den USA

Die Stimme des Songs „Love is right“ gehört übrigens dem amerikanischen Sänger Max Landry. Ihm hatte Tim Gröning seine Melodie und Song-Idee geschickt. Er war sofort davon angetan, textete und sang eine Version ein.

Aber nicht ganz zur Zufriedenheit der jungen Stadtlohner Producer. Tim Gröning sang daraufhin das Lied selbst komplett und schickte seine Version in die Staaten. So ging es hin und her. Über 50 Stunden feilten Tim Gröning und Nico Scheffner an den Songdetails, bevor sie zufrieden waren.

Ihre fertige Arbeit schickten sie an das Label Revealed Recordings von Hardwell, zur Hochburg der elektronischen Musik mit Sitz in Amsterdam. Woche für Woche nahm er dort eine neue Stufe in einem mehrphasigen Auswahlverfahren, bis Hardwell persönlich grünes Licht gab: Der Song wird veröffentlicht. Das war im Herbst 2019. Vertraglich mussten sich Scheffwell und Tim Gordon aber verpflichten, nicht vor der Weltpremiere damit an die Öffentlichkeit zu gehen.

Stadtlohner Soundtüftler veröffentlichen Song auf dem Plattenlabel ihres Idols Hardwell

Im Kellerstudio seines Elternhauses hat Tim Gröning (l.) mit Nico Scheffer viele Stunden am Song „Love is right“ gefeilt. © privat

So freuten sich die jungen Musiker im Stillen wie die Schneekönige auf den 31. Januar. Beide hatten sich von Anfang an musikalisch bestens verstanden. „Wir haben unterschiedliche Herangehensweisen, daher ergänzen wir uns perfekt“, sagt Nico Scheffer. „Wir sind längst auch richtig gute Freunde geworden.“

Anerkennung wichtiger als Geld

Motor der Freundschaft ist und bleibt die Musik, auch wenn die beiden vor allem ihre Solokarrieren im Blick haben. Der Vertrag mit Hardwells Major Label ist eine neue Motivation. Viel Geld ist nicht im Spiel, sagen die beiden. „Was richtig zählt, ist die Anerkennung durch Hardwell“, sagt Tim Gröning.

Stadtlohner Soundtüftler veröffentlichen Song auf dem Plattenlabel ihres Idols Hardwell

So sieht das Cover des Songs „Love is right“ aus. © Revealed

Tim bereitet sich gerade auf sein Abi am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung in Ahaus vor. Leistungskurse: Mathematik und Betriebswirtschaftslehre. Mit mindestens so viel Leidenschaft aber büffelt er zurzeit Musiktheorie in einem Kurs in Borken. Und an der Stadtlohner Musikschule nimmt er jetzt Klavierunterricht.

Sein Ziel: ein Studienplatz an der Pop-Akademie in Mannheim. Das Problem: Um die begehrten 30 Studienplätze bewerben sich 700 Nachwuchsmusiker. Tim Gröning ist fest entschlossen, notfalls 2021 einen zweiten Anlauf zu nehmen. „Ich weiß, dass Musik für mich das Richtige ist.“ Oder um es in Anlehnung an den Song zu sagen: This love ist right.

Lesen Sie jetzt
Meistgelesen