Heiligenfigur gehörte einst zum Predigtstuhl von St. Otger

STADTLOHN Eine Skulptur des Heiligen Ambrosius stellt ein Relikt des früheren Predigtstuhls von St. Otger dar. Archivar Ulrich Söbbing hat dazu weitere Recherchen angestellt.

16.03.2009, 15:06 Uhr / Lesedauer: 1 min

Im März 1945 wurde die Pfarrkirche St. Otger mit ihren Kunstschätzen durch Fliegerangriffe zerstört. Teile des Inventars stammten von dem in Berlin tätigen Bildhauer Professor Wilhelm Haverkamp und wurden von diesem in den Jahren 1899 bis 1907 geschaffen.

Im März 1945 wurde die Pfarrkirche St. Otger mit ihren Kunstschätzen durch Fliegerangriffe zerstört. Teile des Inventars stammten von dem in Berlin tätigen Bildhauer Professor Wilhelm Haverkamp und wurden von diesem in den Jahren 1899 bis 1907 geschaffen.

Der Künstler wurde 1864 in Senden als ältestes von 13 Kindern geboren. Aufgrund der Armut der Familie wuchs er überwiegend beim Vater seiner Mutter, dem Lehrer und Organisten Wilhelm Ferlmann, in Capelle bei Nordkirchen auf. Nach einer Ausbildung als Bildhauer in Münster erhielt er ein Stipendium, so dass er ab 1883 ein Studium an der Kunstakademie in Berlin aufnehmen konnte. 1889 gewann er einen Wettbewerb, der ihm einen zweijährigen Aufenthalt in Rom ermöglichte.

Wilhelm Haverkamp gelang es, in Berlin zu einem der führenden Künstler seiner Zeit aufzusteigen. Religiös tief verwurzelt, widmete er sich vor allem der Ausstattung katholischer und evan-gelischer Kirchen, die um 1900 in großer Zahl errichtet wurden. So sind Teile der für die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche geschaffenen Werke noch heute in dem Mahnmal zu sehen. Seine Monumentalgruppe "Handwerker mit Sohn" von 1898 gilt als einziges "Arbeiterdenkmal" Deutschlands aus wilhelminischer Zeit. Er gestaltete aber auch Denkmäler von Bismarck und vom "Großen Kurfürsten".

Bodenständig

Trotz seiner Erfolge blieb Wilhelm Haverkamp sehr bodenständig und besuchte häufig seine münsterländische Heimat. Für die 1893 eingeweihte St.-Otger-Kirche schuf Wilhelm Haverkamp in den folgenden Jahren von allem den figürlichen Schmuck der Kanzel und des Hochaltares. Dazu gehörten am Altar die Darstellungen der Heiligen Otger und Liudger, Ida von Herzfeld und Elisabeth von Thüringen sowie Reliefs mit den Szenen "Jesus vor Pilatus", "Brotvermehrung" und die "Fußwaschung des Petrus". Jetzt fand sich in Privathand die ebenfalls aus Kupfer gearbeitete, 54 Zentimeter große Skulptur des Heiligen Ambrosius wieder, die ursprünglich am Predigtstuhl angebracht war. Das Standbild ist vom Künstler signiert und trägt die Jahreszahl 1902. Ein Jahr später wurde die Kanzel in St. Otger aufgestellt.

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