Heinrich Mers ärgert sich über Drogenszene an der ehemaligen Marienschule

mlzDrogenproblem

Täglich ärgert sich Heinrich Mers über Jugendliche, die sich vor der ehemaligen Marienschule treffen und dort Drogen nehmen. Beschwerden oder gar Notrufe hätten bisher nichts gebracht.

Stadtlohn

, 04.11.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Jugendliche, die sich vor der ehemaligen Marienschule treffen und dort Drogen nehmen. Für den Stadtlohner Heinrich Mers ist das ein trauriges, aber alltägliches Bild. Das Gebäude an der Josefstraße – heute ist dort die Musikschule untergebracht – liegt direkt in seiner Nachbarschaft. „Ich komme dort mehrmals täglich vorbei“, sagt der 66-jährige Stadtlohner. Ungefähr seit dem vergangenen Frühjahr würden sich dort täglich Jugendliche treffen und oft auch Drogen nehmen. „Ich weiß, wie eine Haschisch-Zigarette riecht“, sagt er.

Gruppe ist über Wochen gewachsen – und handelt auch mit Drogen

Anfangs seien es drei oder vier junge Männer gewesen. Inzwischen sei die Gruppe auf acht oder mehr Personen angewachsen. Auch junge Frauen oder Mädchen würden sich in den Abendstunden dazu gesellen. Immer wieder würden Drogen dort die Runde machen. Auch Handel habe er schon beobachtet. „Es darf nicht sein, dass eine solche öffentliche Einrichtung zu einem Drogen-Hotspot verkommt“, macht er deutlich.

Jetzt lesen

Heinrich Mers, der sich vielfältig ehrenamtlich in der Stadt engagiert, hat auch die direkte Konfrontation nicht gescheut. „Natürlich habe ich die Jugendlichen darauf angesprochen, dass das, was sie tun, nicht geht“, erklärt er. Schließlich befinde sich die Musikschule in der ehemaligen Marienschule. Eine Kita ist nicht weit und auch so kommen oft Kinder und erwachsene Stadtlohner dort vorbei. Mehr als abfällige Kommentare habe er von ihnen aber nicht zu hören bekommen. „Da habe ich es dann sein lassen“, erklärt er.

Jugendliche nicht kriminalisieren, sondern ihnen helfen

Auf keinen Fall wolle er die Jugendlichen dort kriminalisieren. „Denen muss geholfen werden, damit sie nicht endgültig in einem Drogensumpf versinken“, erklärt er. Die gehörten eigentlich in eine geregelte Ausbildung oder Arbeit, fügt er noch hinzu. Natürlich ließe sich so eine Gruppe nicht gerne helfen. Dennoch seien da sämtliche Institutionen einer Stadt verantwortlich. Entsprechend ärgert er sich, dass bisher nur wenig passiert sei. Er habe sich an die Polizei und die Stadt gewandt. „Mehr als ein ‚Wir kümmern uns darum‘ habe ich aber nie gehört“, sagt er. Das sei absolut unbefriedigend.

Jetzt lesen

Dass nichts passiert, stimmt so aber nicht: Polizei, Stadt und Jugendwerk beteuern, dass sie die Clique, die sich dort regelmäßig trifft, im Blick haben.

Die Polizei: Dietmar Brüning von der Pressestelle der Polizei im Kreis Borken erklärt auf Nachfrage, dass die Polizei dort regelmäßig mit Streifen unterwegs sei. Auch in Zivil. Das geschehe zusätzlich natürlich auch in Absprache mit der Stadt. „Nicht jede polizeiliche Maßnahme ist von außen sofort ersichtlich“, erklärt er. Das sei ja auch eher kontraproduktiv. In jedem Fall kenne die Polizei allerdings den Treffpunkt. Von einem Brennpunkt mag er im Gespräch mit unserer Redaktion nicht sprechen.

Beobachtungen im Zweifel auch per Notruf melden

Sollten Anwohner akut Beobachtungen machen, rät er zum Notruf. Dann könne die Polizei reagieren. „Ganz schlecht sind immer verspätete Hinweise. Beispielsweise, dass sich am Vorabend dort wieder Leute getroffen haben“, sagt er. Da könne die Polizei dann auch nichts mehr tun.

Auch Günther Wewers, Pressesprecher der Stadt Stadtlohn, kennt die Beschwerden über den Treffpunkt vor der ehemaligen Marienschule. Er bestätigt, dass auch das Ordnungsamt dort aktiv sei. „In enger Zusammenarbeit mit der Polizei führen wir dort Streifen durch“, sagt er. Wenn die Abschreckung dadurch nicht funktioniere, kündigt er eine härtere Gangart an. „Wir können Haus- oder Betretungsverbote aussprechen“, sagt er. Dann hätte die Stadt auch juristisch eine klare Handhabe. Dafür würden aber bisher noch die Personalien der Gruppe fehlen.

Jetzt lesen

Klar sei aber auch, dass solche Maßnahmen das Problem zunächst nicht lösen, sondern nur verlagern. „Die werden sich über kurz oder lang einen neuen Treffpunkt suchen“, erklärt er. Gerade bei Jugendliche müsse die Stadt auch versuchen, zu helfen.

Jugendwerk weiß von problematischer Clique, die sich dort trifft

Da kommt Eva Vehring, Leiterin vom Jugendwerk Stadtlohn, ins Spiel. Sie verantwortet unter anderem die aufsuchende Jugendarbeit in Stadtlohn. „Wir wissen, dass sich dort verschiedene Cliquen treffen und dass auch eine eher problematische dabei ist“, erklärt sie. Eigentlich habe das Jugendwerk auch einen guten Kontakt in diese Richtung. „Dass die Situation dort so problematisch sein soll, überrascht mich allerdings“, erklärt sie.

Allerdings habe es beim Jugendwerk im September noch einen Personalwechsel gegeben. Seitdem leitet Joke Schnieder die aufsuchende Jugendarbeit. „Sie musste sich natürlich auch erst einarbeiten“, erklärt Eva Vehring.

Arbeit auf der Straße soll verstärkt werden

Im November werde die aufsuchende Jugendarbeit aber noch einmal zusätzlich verstärkt. Das Street-Team, also die Jugendwerk-Mitarbeiter die auf Stadtlohns Straßen unterwegs sind, sei nun zu Zweit unterwegs. Allein schon um über die Kontaktbeschränkungen aufzuklären: „Für viele Jugendliche ist schwer verständlich, dass die Schule normal weitergeht, sie sich aber in der Freizeit höchstens zu Zweit treffen dürfen“, sagt sie.

Aufsuchende Jugendarbeit „Lobby“

Joke Schnieder Gartenstr. 3 48703 Stadtlohn Tel.: 02563 – 20 56 68 E-Mail: j.schnieder@jugendwerk-stadtlohn.de

Auch bei diesen Angeboten gehe es aber nicht darum, die Jugendlichen einfach nur von einem Treffpunkt zu vertreiben. „Wir wollen Gespräche führen, um in engen Kontakt zu kommen“, erklärt Eva Vehring. Dann seien weitere Lösungen denkbar. Sollten Anwohner Probleme mit einer Clique haben, wirbt sie darum, sich direkt an das Jugendwerk zu wenden.

Lesen Sie jetzt