Historische Exponate drehen das Rad der Zeit zurück

Im Eisenbahnmuseum

Was macht der himmelblaue Wecker im Eisenbahnmuseum? Das neue Exponat lädt ein zu einer Zeitreise. Der Wecker gehört zu einer erstaunlichen Sammlung, die der alte Eisenbahner Bernhard Robers in dieser Woche dem Stadtlohner Museum als Leihgabe vermacht hat - pünktlich zum Auftakt der neuen Museumssaison am Sonntag.

STADTLOHN/VREDEN

, 01.04.2016, 18:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Geschichte hinter dem Wecker: "Den habe ich mir 1948 gekauft, um pünktlich zum Dienst im Bahnhof zu kommen", erzählt der heute 86-jährige Vredener, der 1944 als Lehrling bei der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE) begann. Bezahlt hat der junge Robers den Wecker von den 60 D-Mark Kopfgeld, die es zur Währungsreform gab. Pünktlichkeit war wichtig: Schließlich liefen um Punkt 8 Uhr deutschlandweit Morsezeichen zum Uhrenabgleich an allen deutschen Bahnhöfen ein. Und die musste Bernhard Robers quittieren. "So wusste der Chef auch immer, ob ich pünktlich da war."

Dann ging die Arbeit los. Frachtpapiere konnte der junge Robers nach den Währungsreform mit Füllfelderhalter ausfüllen. Den hatte er sich - gegen den Willen seiner Eltern - vom restlichen "Kopfgeld" gekauft. Im Büro gab es sonst nur Federhalter, die noch in Tintenfässer getunkt werden mussten.

Menschen, Sand, Vieh

Der Bahnhofsbetrieb in Stadtlohn begann natürlich schon deutlich vor Acht: Schon um 5 Uhr herrschte reges Treiben, wenn Kaufleute, Markthändler und andere Berufspendler auf dem Weg nach Burgsteinfurt umstiegen. In ihren besten Zeiten beschäftigte die WLE 185 Mitarbeiter. In der Güterabfertigung, die heute das Eisenbahnmuseum beherbergt, wurden Getreide, Dünger und Sand, aber auch lebendes Vieh umgeschlagen.

Diese Zeit wird lebendig, wenn Museumsgründer Heinz Garwer und Bernhard Robers die Uhr gemeinsam zurückdrehen. Garwer sagt über den Eisenbahner Robers: "Er ist einer der letzen Zeitzeugen, die Auskunft über die untergegangene Eisenbahnepoche in Stadtlohn und Vreden geben können." Und Robers sagt über den Herzenseisenbahner Garwer: "Er war zwar nie selbst bei der Eisenbahn beschäftigt, aber er weiß manches besser als ich."

114 Jahre alte Fahrkarte

Und Heinz Garwer will die Geschichte und die Geschichten in seinem Museum weitererzählen und lebendig halten. Dass die umfangreiche Sammlung des Eisenbahnclubs jetzt noch mit der Sammlung Robers bereichert wird, freut ihn ungemein. "Da war ich lange hinterher", sagt er lachend. Er schätzt die metallenen Stempel, die Eisbahnglocke, die Karbidlampe und anderen Dinge, die Robers in frühen Dienstjahren begleiteten.

Vor allem aber freut er sich über eine echte Rarität, die Robers ins Museum gab: die 114 Jahre alte Fahrkarte (wir berichteten) für die Jungfernfahrt auf der damals nagelneuen Bahnstrecke von Vreden über Stadtlohn nach Ahaus. Dieses Unikat ist jetzt das Glanzstück der umfangreichen Fahrkartensammlung des Eisenbahnmuseums.

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