An diesem Zaun an der Orleansstraße in München entstand 1942 das historische Foto der Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“. Das Geschwister-Scholl-Gymnasium hofft auf ein Zaunelement für die Errichtung einer Gedenkstätte. © Bezirksausschuss Haidhausen
Geschwister-Scholl-Gymnasium

Historischer Zaun aus München soll in Stadtlohn an Weiße Rose erinnern

Ein Metallzaun in München ist Teil eines historischen Fotos der Weißen Rose. Das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Stadtlohn hofft, ein Element dieses Zauns für eine Gedenkstätte zu erhalten.

Das historische Schwarz-Weiß-Foto zeigt eine lachende Sophie Scholl im Gespräch mit ihrem Bruder Hans und ihren Freunden aus der Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“. Die jungen Männer tragen Wehrmachtsuniformen. Sie müssen an die Ostfront. Nur wenige Monate später wird die Widerstandsgruppe auffliegen. Die Studenten werden von den Nazis hingerichtet. Sophie Scholl ist gerade einmal 21 Jahre alt, als sie ermordet wird.

Hans und Sophie Scholl gehörten zu den Gründern der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ an der Münchner Universität. Sie wurden 1943 hingerichtet. Ihren Namen trägt das Stadtlohner Geschwister-Scholl-Gymnasium. © picture alliance / -/dpa © picture alliance / -/dpa

Das heute weltberühmte Foto wurde im Juli 1942 von dem Medizinstudenten Jürgen Wittenstein an der Orleansstraße in München aufgenommen. Sophie Scholl lehnt auf dem Foto an einem Metallzaun. Ein Originalelement dieses Zauns könnte möglicherweise auch in Stadtlohn an den Widerstand gegen die verbrecherische Nazi-Herrschaft erinnern.

Die Orleanstraße in München soll umgebaut werden, der Zaun muss weichen. Ein Teil verbleibt für eine Gedenkstätte in München. Die restlichen 160 Zaunelemente sollen Geschwister-Scholl-Schulen und anderen Bildungseinrichtungen in ganz Deutschland überlassen werden, um eigene Gedenkstätten zu schaffen.

Ehemaliger machte Stadtlohner Gymnasium auf den Zaun aufmerksam

„Ich habe schon 2019 von der Möglichkeit gehört und war gleich begeistert von der Idee“, sagt Jochen Wilsmann, Schulleiter des Stadtlohner Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Ein ehemaliger Schüler seiner Schule, der später in München promovierte, hatte Wilssmann auf den Zaun aufmerksam gemacht.

Wilsmann: „Ich habe schon genau vor Augen, wo an unserer Schule wir die Gedenkstätte einrichten könnten, einen Erinnerungsort, der die Schülerinnen und Schüler mit einem unmittelbaren Relikt in Verbindung mit dem ikonischen Foto die Geschichte näher bringt.“ Er freut sich, dass dieses Anliegen auch bei der Stadt Stadtlohn offene Ohren findet. Die Bewerbung aus Stadtlohn ist aber nicht die einzige, die in München eingegangen ist.

Zahl der Bewerbungen wächst noch

„An die 40 Interessenten haben sich bereits gemeldet, die ein Stück des Weiße-Rose-Zauns haben wollen“, sagte Hildegard Kronawitter, Vorsitzende der Weiße-Rose-Stiftung, im Mai gegenüber der Süddeutschen Zeitung. „Die Zahl der Bewerbungen ist jetzt noch weiter gewachsen“, erklärte Edith Koller, Mitarbeiterin der Stiftung am Freitag im Gespräch mit unserer Redaktion. „Es gibt regelmäßig neue Anfragen.

Edith Koller sagt aber auch: „Der Zaun ist lang, viele Einrichtungen werden ein Element erhalten können.“ Allerdings: Die Entscheidung wird wahrscheinlich erst im Jahr 2023 fallen. Ob es dann mehr Bewerber als die Zaunelemente geben wird, sei noch unklar. Auch das Auswahlverfahren stehe noch nicht fest.

Stadtlohner Bewerbung liegt im Münchener Rathaus

„Wir haben eine offizielle Anfrage an den Münchner Oberbürgermeister geschickt und auch eine Antwort erhalten“, erklärte Bürgermeister Berthold Dittmann am Mittwoch im Haupt- und Finanzausschuss. „Jetzt können wir nur noch hoffen.“ Jochen Wilsmann plant, mit einem Schülerprojekt die Bewerbung aus Stadtlohn noch zu unterstreichen.

Nach Bürgermeister Dittmanns Angaben soll in Kürze bezüglich des Eisenzauns ein Termin stattfinden, bei dem die Weiße Rose Stiftung, politische Vertreter des zuständigen Bezirksausschusses, das Kulturreferat der Landeshauptstadt München sowie der rechtmäßige Eigentümer des Geländes – und damit des Eisenzauns – vertreten sein werden. Bei diesem Treffen solle eine Lösung gefunden werden, wie und von wem die Überlassungsanfragen aus gegenwärtigem Privatbesitz zu regeln sind.

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