Höfesterben? Landwirte stemmen sich mit grünen Kreuzen gegen das geplante Agrarpaket

mlzProtest gegen Agrarpaket

Grüne Kreuze werden seit Mitte September auf Ackern aufgestellt. Landwirte protestieren so gegen das geplante Agrarpaket der Bundesregierung. Auch Familie Schulze Icking hat Angst.

Stadtlohn

, 25.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Immer mehr grüne Kreuze werden aktuell auf Ackerflächen im Münsterland aufgestellt. Sie sollen davor mahnen, dass es gerade für die kleineren landwirtschaftlichen Betriebe immer schwieriger wird.

Mit der Aktion wollen sich Landwirte gegen das gerade vorgestellte Agrarpaket der Bundesregierung wehren. Das hatten Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) Anfang September vorgestellt.

Darin wird unter anderem das Verbot des Pflanzenschutzmittels Glyphosat und der Umgang damit sowie die Verwendung von Herbiziden und Insektiziden in Schutzgebieten geregelt. Auch strengere Vorschriften für die Haltung von Tieren werden darin verankert.

Protest der Landwirte formiert sich bundesweit

Während Umweltverbände kritisieren, dass das Paket noch nicht streng genug ist, stellt es in den Augen vieler Landwirte eine Überregulierung dar, die viele Höfe in ihrer Existenz bedroht. „Landwirte müssen in Deutschland eine Zukunft haben“, fordert Dr. Willi Kremer-Schillings aus Rommerskirchen, der als Internetblogger „Bauer Willi“ die Aktion mit den grünen Kreuzen ins Rollen gebracht hat.

Der Protest der Landwirte hat sich bundesweit formiert. Eines der Kreuze steht direkt am Westfalenring auf einer Fläche der Familie Schulze Icking. Marten Schulze Icking (22) hatte von der Aktion aus verschiedenen landwirtschaftlichen Blogs erfahren. Das grüne Kreuz am Ackerrand soll vor allem aufrütteln: „In den vergangenen Jahren haben viele kleinere Betriebe aufgehört. Sie sind einfach verschwunden“, sagt er.

Klimaschutz funktioniert ohne heimische Landwirtschaft nicht

Dabei müsse jedem Verbraucher klar sein, dass es ohne die heimische Landwirtschaft nicht gehe. „Spätestens wenn wir über Klimaschutz reden, brauchen wir die Landwirte vor Ort“, erklärt er. Schließlich könne man ja nicht sämtliche Lebensmittel aus dem Ausland importieren.

Die Verbraucher wollten regionale Produkte, seien aber nicht bereit, den Preis dafür zu bezahlen. „Gleichzeitig will auch niemand die großen Agrarfabriken wie im Osten von Deutschland“, erklärt der junge Landwirt.

„Endlich eine Aktion, bei der alle Landwirte an einem Strang ziehen“, sagt er. Mit Blick auf das neue Agrarpaket wirkt er ziemlich ratlos: „Man weiß langsam nicht mehr, was man noch machen soll“, erklärt er.

Höfesterben? Landwirte stemmen sich mit grünen Kreuzen gegen das geplante Agrarpaket

Josef (l.) und Marten Schulze Icking mit „ihrem“ grünen Kreuz auf einem Acker direkt am Westfalenring. Sie beteiligen sich an der bundesweiten Protestaktion gegen das Agrarpaket der Bundesregierung. © Stephan Teine

Bei seinen Eltern stieß er mit der Idee, das grüne Kreuz aufzustellen, schnell auf offene Ohren. Auch aus der Nachbarschaft und der weiteren Umgebung habe es bisher nur positive Resonanz gegeben, sagt er.

Naturbewusste Landwirtschaft muss auch zu leisten sein

Als Landwirte seien sie die Letzten, die gegen eine nachhaltige oder naturbewusste Landwirtschaft verzichten wollen. „Aber das Ganze muss auch noch zu leisten sein“, erklärt Marten Schulze Icking, der gerade seine Ausbildung zum staatlich geprüften Agrarbetriebswirt macht. „Wer nicht nachhaltig wirtschaftet, könnte ja bald auf den eigenen Flächen nicht mehr arbeiten“, sagt er. Ohnehin würde aktuell schon der Einzelhandel durch seine Preispolitik den Alltag in der Landwirtschaft diktieren. „Wir wollen und müssen die Verbraucher ganz einfach wachrütteln“, erklärt er.

Angst vor der eigenen Zukunft

Marten Schulze Icking sieht seine eigene berufliche Zukunft in der Landwirtschaft. Ob auf dem elterlichen Hof, sei noch nicht klar. „Aber natürlich machen einem die immer strengeren Regeln und die Bürokratie auch viel Angst vor der Zukunft“, erklärt er.

Der Betrieb seiner Familie verdient mit Schweinemast und Ackerbau sein Geld. Rund 1000 Tiere stehen in den Ställen.

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