Küchenchef Udo Schlüter zaubert mit seinem Team im Hundewicker Bahnhof allerlei Leckereien. © Anna-Lena Haget
Restaurantcheck

Hundewicker Bahnhof: Zauberhafter Neubeginn zwischen Klassik und Moderne

Vor wenigen Tagen hat das Traditionslokal „Hundewicker Bahnhof“ wieder geöffnet. Ein guter Zeitpunkt, um dem Restaurant mit seiner gutbürgerlichen Küche einen Besuch abzustatten.

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, hat der Schriftsteller Hermann Hesse einmal gesagt. Jeder Neueröffnung scheinbar auch, denn als ich mit meiner Begleitung an diesem späten Sonntagnachmittag am Hundewicker Bahnhof ankomme, kann ich nur staunen. Über Heerscharen von Gästen, die genau die gleiche Idee gehabt haben wie wir: Mal gucken, wie sich die Traditionsgaststätte am ersten Wochenende unter neuer Führung so macht.

Unter hohen Bäumen liegt der gemütliche Biergarten.
Unter hohen Bäumen liegt der gemütliche Biergarten. © Anna-Lena Haget © Anna-Lena Haget

In meiner Begleiterin weckt der Anblick des Gasthauses jahrzehntealte Erinnerungen. Ihr letzter Besuch hier liegt nun 40 Jahre zurück. Umso neugieriger ist sie darauf, wie sich das Lokal in der Zwischenzeit so gemacht hat. Wir betreten den schmucken Biergarten vor dem Haus. Im Schatten unter Bäumen lässt es sich vortrefflich entspannen.

Im Inneren des Gasthauses ist zwar weniger los, aber das vierköpfige Team hinter der Theke und die Kellnerinnen rotieren trotzdem. Wir haben im Voraus reserviert und die Chefin bringt uns zu unserem Tisch für zwei. Die Einrichtung ist ein stilvoller Mix aus altem und neuem und in grün, braun, grau und weiß gehalten. Die Atmosphäre ist stimmig und gefällt uns auf Anhieb.

Gemütlich und Ton in Ton ist der Gastraum des Hundewicker Bahnhofs.
Gemütlich und Ton in Ton ist der Gastraum des Hundewicker Bahnhofs. © Anna-Lena Haget © Anna-Lena Haget

Am Nebentisch speist ein vergnügtes Seniorinnen-Clübchen und erzählt von früher. Dass der Hundewicker Bahnhof pandemiebedingt acht Monate geschlossen war, merkt man dem Lokal nicht mehr an. Wie ich später erfahre, hatten die Betreiber am Eröffnungswochenende Schwierigkeiten, genügend Personal zu finden. Deshalb packt die ganze Familie tatkräftig mit an, um das Unternehmen zu einem Erfolg zu machen.

Und es funktioniert: Auf unsere Getränke brauchen wir nicht lange zu warten. Trotz des Hochbetriebs im Biergarten nimmt die freundliche Kellnerin schnell unsere Bestellung auf und kehrt kurze Zeit schon mit einem alkoholfreien Bier und einer Cola zurück.

Die Speisekarte

Die Speisekarte ist angenehm übersichtlich: zwei Suppen, zwei Vorspeisen und vier kleine Gerichte finden sich dort, ebenso eine abwechslungsreiche Auswahl aus sieben Hauptgerichten mit Fleisch und Fisch. Ein guter Einfall ist der Salat, den der Gast sich nach dem Baukastenprinzip auf Wunsch mit zusätzlichen Zutaten aufpeppen kann.

Die neue, moderne Theke des Hundewicker Bahnhofs.
Die neue, moderne Theke des Hundewicker Bahnhofs. © privat © privat

Vier Desserts, Kaffee und Kuchen und Getränke ergänzen das Angebot auf der Karte. „Unser Dessert des Tages sind heute frische Erdbeeren mit Vanilleeis“, macht die Mitarbeiterin uns auf eine Nachspeise aufmerksam, die dort nicht steht. Das klingt doch schon mal sehr gut!

Die Vorspeise

Normalerweise hätte ich jetzt die Tomatensuppe des Hauses probiert. Die scheint es nicht zu geben, aber dafür hört sich das Süßkartoffel-Kokos-Süppchen spannend an. Meine Begleiterin vertraut auf Tradition und bestellt eine Rinderkraftbrühe mit Einlage. Knapp zehn Minuten nach unserer Bestellung stehen die Suppen schon dampfend vor uns.

Das Süßkartoffel-Kokos-Süppchen
Das Süßkartoffel-Kokos-Süppchen © Anna-Lena Haget © Anna-Lena Haget

Originell: Das Süßkartoffel-Kokos-Süppchen kommt im Einmachglas. Das satte Orange der Suppe macht Appetit. In der Tat, der fruchtig-exotische Kokosgeschmack, gepaart mit einer leichten Currynote, haut mich aus den Socken. Auch die knusprigen Croutons passen sehr gut dazu.

„Die ist nicht so heiß, dass man sich die Zunge dran verbrennt, genau richtig zum Essen“ ist der einzige Kommentar, zu dem sich meine Begleiterin hinreißen lässt, ehe sie mit Appetit ihre Brühe angeht. Ordentlich Klößchen und Eierstich sind drin und die Suppe selbst schnell weg. Das ist der sicherste Indikator, dass es schmeckt. So eine herzhafte Kraftbrühe geht eben immer.

Die Rinderkraftbrühe
Die Rinderkraftbrühe © Anna-Lena Haget © Anna-Lena Haget

Das Team des neuen Hundewicker Bahnhofs tut wirklich alles, damit die Gäste sich wohlfühlen. Auch die Chefin erkundigt sich, ob an unserem Tisch alles in Ordnung sei und wünscht guten Appetit. Und das, obwohl inzwischen draußen vor der Tür wirklich der Bär tobt. Aber das Team macht einen hochmotivierten Eindruck, auch wenn es hin und wieder stressig wird.

Das Hauptgericht

Meine Mitesserin beweist Geschmack bei der Auswahl ihres Hauptgerichts: Das „Hundewicker Krüstchen“ sieht gut aus und riecht noch viel besser. Knusprige Bratkartoffeln, dazu eine Portion Champignons und ein Spiegelei, das mit Bacon ummantelt und mit Frühlingszwiebeln garniert ist. „In den Bratkartoffeln sind ja auch Speckskes drin“, freut sie sich gleich nach der ersten Begutachtung des Tellers.

Das Hundewicker Krüstchen
Das Hundewicker Krüstchen © Anna-Lena Haget © Anna-Lena Haget

Ich freue mich auf die Tagliatelle mit Garnelen, die verführerisch duften. Garniert ist das Gericht mit frischem Ruccola und Parmesanspänen. Zwar war die Pasta auf der Karte als kleines Gericht deklariert, aber die Portion ist wirklich ordentlich.

Und im Gegensatz zu anderen Restaurants, wo höchstens eine oder zwei Anstandsgarnelen auf dem Teller landen, geizt die Küche im Hundewicker Bahnhof keineswegs mit den Meeresfrüchten. Dazu passt perfekt die sämige Kräuter-Sahne-Soße und die Kirschtomaten, die das Ganze verfeinern.

Die Tagliatelle mit Garnelen
Die Tagliatelle mit Garnelen © Anna-Lena Haget © Anna-Lena Haget

Weil bei all der Schlemmerei auch etwas Gesundes dabei sein soll, teilen wir uns den Salat „Grüne Wiese“. Als Beigericht reicht der glatt für zwei und ist nicht nur für Vegetarier zu empfehlen: Buntes Blattgemüse, Gurken, Tomaten und Paprika, angemacht mit einer feinen Essig-Öl-Vinaigrette.

Ja, sogar an Croutons und geröstete Pinienkerne hat der Koch gedacht. Dazu bekommen wir Baguettebrot und ein Schälchen Kräuterquark serviert.

Der Salat
Der Salat “Grüne Wiese” © Anna-Lena Haget © Anna-Lena Haget

Das Damenkränzchen nebenan zahlt und die Mitarbeiterin nimmt sich einen Moment Zeit, mit den älteren Frauen zu plaudern. „Das wäre ja zu schade, wenn es den Hundewicker Bahnhof nicht mehr gäbe“, sagt eine der Seniorinnen. Da kann ich nur zustimmen.

Die Nachspeise

Wie es uns die Kellnerin empfohlen hat, bestellen wir das Dessert erst nach dem Hauptgang. Ich entscheide mich für das Vanilleeis mit Erdbeeren. Meine Begleitung fröhnt derweil ihrer zweiten großen Leidenschaft: Herrencreme.

Die Herrencreme
Die Herrencreme © Anna-Lena Haget © Anna-Lena Haget

Der Eisbecher ist genau das richtige für den fruchtigen Abschluss meines Menüs. Die Erdbeeren sind süß, aromatisch und harmonieren hervorragend mit der sahnigen Eiscreme. Oben drauf: ein Klecks Sahne, Erdbeersoße und Krokant.

Auch mein Gegenüber ist restlos begeistert von ihrem Nachtisch. „Was ist die Herrencreme lecker! So gute habe ich lange nicht mehr gehabt“, seufzt sie angetan. Und das will schon etwas heißen, wenn sie das sagt.

Die Preise

Das Süßkartoffel-Kokos-Süppchen kostet sechs Euro, die Rinderkraftbrühe fünf. Für das Hundewicker Krüstchen zahle ich 14 Euro. Der Preis für die Tagliatelle mit Garnelen beträgt 18,50 Euro. Der Salat „Grüne Wiese“ kostet 12,50 Euro und für die Herrencreme werden 4,50 Euro fällig.

Auf dem Spielplatz des Hundewicker Bahnhofs können die kleinen Gäste ihren Spaß haben.
Auf dem Spielplatz des Hundewicker Bahnhofs können die kleinen Gäste ihren Spaß haben. © Anna-Lena Haget © Anna-Lena Haget

Für die Getränke bezahle ich zehn Euro. Ein alkoholfreies Krombacher (0,33 Liter) kostet 2,80 Euro, eine Cola (0,2 Liter) kostet 2,20 Euro und wir hatten je zwei. Insgesamt gebe ich für das Essen 70,50 Euro aus. Das ist zwar nicht supergünstig, aber ein durchaus angemessener Preis für die großen Portionen und den zuvorkommenden Service.

Barrierefreiheit

Das Restaurant ist durchgehend ebenerdig begehbar. Für Menschen mit Behinderungen gibt es eine eigene, geräumige Toilettenanlage.

Kinderfreundlichkeit

Für die kleinen Gäste gibt es im Hundewicker Bahnhof eine eigene Karte mit kindgerechten Portionen und allem, was Kinder gerne essen. Außerdem kann sich der Nachwuchs auf dem Spielplatz gleich neben dem Biergarten richtig austoben.

Anfahrt und Parken

Rund um den Hundewicker Bahnhof gibt es genügend Parkplätze für Autos und Fahrräder. Das Gasthaus liegt ein wenig versteckt, abseits der L527 zwischen Stadtlohn und Südlohn inmitten einer Bauerschaft.

Restaurantinfos

Hundewicker Bahnhof, Eschlohn 25, 46354 Südlohn, Tel. (02563) 9693520

Öffnungszeiten: Montag und Dienstag Ruhetag, Mittwoch bis Freitag ab 14.30 Uhr geöffnet, Samstag und Sonntag ab 11 Uhr geöffnet.

Über die Autorin
Redaktion Ahaus
Redaktion Ahaus
Zur Autorenseite
Anna-Lena Haget

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.