Immingfeld-Anwohner klagen gegen Windkrafträder in Hundewick

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Gegen die sechs neuen Windkrafträder in Hundewick haben Anwohner des Immingfeldweges geklagt. Sie sind ihrer Ansicht nach viel zu laut. Das Gericht hat getagt, aber noch nicht entschieden.

Stadtlohn

, 13.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit September 2017 drehen sich die sechs neuen, rund 200 Meter hohen Windkraftanlagen in der Bauerschaft Hundewick. Über 50 Millionen Kilowattstunden sauberen Strom haben die Anlagen seither erzeugt. Damit ließe sich rein rechnerisch der Stromverbrauch von über 12.000 Haushalten ein Jahr lang decken. Das ist die eine Seite der Windkraft, die positive.

Immingfeld-Anwohner klagen gegen Windkrafträder in Hundewick

Die neuen Windkrafträder südwestlich des Immingfeldweges im Frühjahr 2018 mit langem Schattenwurf. An einigen Windrädern sind noch die demontierte Vorgänger-Anlagen zu erkennen, die im Rahmen eines Repowering ersetzt wurden. Oben rechts: der Südzipfel des Immingfeldweges. © Geodaten Kreis Borken

Die andere Seite beklagt Udo Brockmann. Er wohnt am Immingfeldweg, gerade einmal 680 Meter entfernt von der nächsten der sechs Windkraftanlagen. Und die verderben ihm oft die Freude am eigenen Garten. „Wir hören ständig dieses schlagende Geräusch der Rotoren. Und bei diesigen Wetterlagen klingt es wie ein permanent laufender Motor oder sogar ein Jet“, sagt Udo Brockmann. Gegen die Genehmigung der Anlagen haben er und zwei weitere betroffene Anlieger geklagt. Am Montag hat die mündliche Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Münster stattgefunden. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Sie wird in nächster Zeit schriftlich zugestellt werden.

30-Millionen-Euro-Investition

Von Anfang an hat sich Udo Brockmann gegen das sogenannte Repowering der alten Anlagen in Hundewick gewehrt. Vier ältere kleine Anlagen sind 2017 durch größere ersetzt worden, zwei weitere wurden komplett neu errichtet. 30 Millionen Euro wurden hier investiert. Hinzu kommt ein siebtes kleineres Windrad, das als Altanlage stehen geblieben ist. „Wir drei Kläger stehen nicht allein. Wir hatten schon mehrere Anwohnerversammlungen. Über 100 Betroffene stehen hinter uns“, betont Udo Brockmann.

Er sagt aber auch: „Wir sind nicht prinzipiell gegen die Windkraftnutzung. Aber der Abstand ist hier nicht ausreichend. In anderen Bundesländern spricht man über 1000-Meter-Abstände. Wir wollen hier eine Abrüstung erreichen. Die Anlagen sollten weiter von der Wohnbebauung entfernt wiederaufgerichtet werden.“

Anwohner empfinden die Windkrafträder als laut und bedrängend

Im Detail wenden sich die Kläger gegen immissionsschutzrechtliche Genehmigungen, die der Kreis Borken erteilt hat. Auf ihre Grundstücke, so die Kläger, wirkten unzulässige und unzumutbare Lärmimmissionen ein. Auch sei aufgrund der Höhe der Anlage von einer optisch bedrängenden Wirkung und aufgrund des wiederkehrenden Schattenschlags und der Infraschallemissionen von einer Gesundheitsschädigung auszugehen. Zudem seien die Genehmigungen rechtswidrig, weil Gesichtspunkte des Tierschutzes nicht hinreichend berücksichtigt worden seien.

Immingfeld-Siedlung wird juristisch als Außenbereich gewertet

Bei der Gerichtsverhandlung am Montag, so sagt Rechtsanwalt Frank Mensing, habe vor allem die Frage der rechtlichen Einordnung der Bebauung am Immingfeldweg im Mittelpunkt gestanden. Mensing vertritt alle drei Kläger. Aus seiner Sicht handelt es sich satzungsrechtlich um eine Wohnsiedlung. Das Gericht tendiere aber eher dahin, dass es sich um Häuser im Außenbereich handele. In einer Wohnsiedlung genössen die Anwohner einen höheren Schutz vor Lärmemissionen als Anwohner im Außenbereich. Im letzteren Fall würden die geforderten Mindestabstände eingehalten.

Klage droht abgewiesen zu werden

Wie der Kreis Borken am Dienstag auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte, „hat der Richter seine schon im Vor-Ort-Termin dargestellte Rechtsmeinung vorgetragen, nach der die Klagen voraussichtlich keine Erfolgsaussicht haben“. In der Verhandlung selbst seien weder vom Kläger noch von der beklagten Behörde und auch nicht vom Anlagenbetreiber neue oder weiterführende Argumentationen eingebracht worden.

Gegen Genehmigungen von Windkraftanlagen nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) werden nicht nur im Kreis Borken, sondern bundesweit häufig Klagen eingereicht. Bisher sind alle BImSchG-Genehmigungen des Kreises Borken für Windkraftanlagen durch die Gerichte als rechtmäßig bestätigt worden, erklärte Julia Lahann, Pressesprecherin des Kreises, am Dienstag auf Anfrage. „Nach den Erfahrungen aus anderen Verfahren sowie nach den Darlegungen des Richters im vorliegenden Fall erwarten wir, dass die Genehmigungen auch im vorliegenden Fall rechtmäßig sind und Bestand haben werden.“

Widerspruch angekündigt

Die Vorzeichen für eine im Sinne der Kläger positive Gerichtsentscheidung stehen also nicht gut. Udo Brockmann will eine mögliche Niederlage aber nicht einfach hinnehmen, sondern Widerspruch einlegen. „Ich habe das Gefühl, Windenergie wird einfach gewollt und von einer starken Lobby durchgesetzt – auch da, wo die Gesundheit der Menschen auf dem Spiel steht.“

Anlagenbetreiber Egbert Paus will indes noch keine Prognose zum Ausgang des Verfahrens abgeben. „Ich bin ja kein Jurist“, sagt er am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion. Aber er verteidigt die Windkraft und führt die 55 Millionen Kilowattstunden an, die die sieben Anlagen im Windpark Hundewick allein im vergangenen Jahr produziert haben, ohne fossile Ressourcen zu verbrauchen: „Bedenken Sie, welche Spuren der Braunkohletagebau hinterlässt. Der verschluckt ganze Ortschaften.“

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