Josef Lammers fühlt sich mit 82 noch zu jung für den Ruhestand

mlzArbeiten trotz Rente

Josef Lammers ist seit 19 Jahren Rentner. Den Ruhestand aber kennt er nicht. Der 82-Jährige steht als Mini-Jobber noch in Diensten der Stadt Stadtlohn. Und dabei geht es ihm nicht ums Geld.

Stadtlohn

, 02.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Reporter lässt das Rosenbeet des Klärwerks zunächst links liegen. Er ist ja auf der suche nach einem Senioren, der trotz Rente noch arbeitet. Der Mann mit Mütze und Ringelshirt im Rosenbeet kann nicht der Gesuchte sein. Mit jugendlicher Leichtigkeit bückt er sich und beschneidet die Rosen.

Grünpflege ist eine echte Aufgabe

„Doch ich bin Josef Lammers“, sagt der Mann lachend und zieht seine Arbeitshandschuhe aus. Josef Lammers, 82, seit dem Jahr 2000 in Rente. Und noch immer steht er auf der Lohnliste der Stadt Stadtlohn. Als Mini-Jobber ist er verantwortlich für die Pflege der Grünanlagen der Kläranlage Stadtlohn. Und deren Ausmaße gleichen eher einem Park als einem Vorgarten: Rosenbeete, Rasenflächen, Obstbaumwiesen, Ziersträucher. Eine echte Aufgabe. Und dann gibt es ja auch noch den alten Klärwerkstandort. Dort hat Josef Lammers gerade eine Blumenwiese angelegt.

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Eine gärtnerische Groß-Aufgabe, die der 82-Jährige scheinbar mühelos meistert: Alles sieht tipptop aus, der Rasen ist akkurat gemäht und trotz der Sommerdürre frisch grün – natürlich ohne Trinkwasserwasser fürs Sprengen zu verschwenden. „Wir haben ja genug geklärtes Wasser. Außerdem ist der Grundwasserspiegel hier ziemlich hoch“, sagt Josef Lammers. Er selbst sieht bei der Grünpflege noch Nachholbedarf. „Die Rosen hätten eigentlich schon viel früher beschnitten werden müssen. Aber bei der großen Hitze der letzten Wochen bin ich lieber im Kühlen geblieben.“

„Jupp, du bist bekloppt!“

Denn das hat er sich im Jahr 2000 bei der Übernahme des Jobs ausbedungen: „Ich halte die Anlagen in Ordnung, aber wann ich das mache, das bleibt alleine mir überlassen.“ So oder so, die Grünpflege macht jede Menge Arbeit. Auch schwere Arbeit, wenn Josef Lammers an den Gehölzschnitt denkt. „Jupp, du bist bekloppt!“, diesen Satz höre er immer wieder, sagt der rüstige Teilzeitrentner. Nachbarn und Bekannte verstehen oft nicht, warum der 82-Jährige sein Leben nicht einfach genießt.

Gartenarbeit wirkt wie Reha-Sport

„Aber das tue ich doch“, sagt Josef Lammers. „Ich kann doch nicht tagsüber vor dem Fernseher sitzen.“ Zuhause hat er auch noch einen großen Garten, baut Kartoffeln an und züchtet Kaninchen. Aber das allein reicht ihm nicht. Er ist überzeugt davon, dass ihn nicht allein der Reha-Sport jung hält. Bücken beim Rosenschnitt und Recken bei der Obstbaumpflege, das ist Josef Lammers‘ ganz spezielles Fitnessprogramm.

Jetzt schon über 40 Jahre beim Klärwerk beschäftigt

Hinzukommt, dass die Grünanlagen des Klärwerks für Josef Lammers ein ganz besonderes Herzensanliegen sind. „Ich habe sie ja selbst vor 30 Jahren mit angelegt.“ Eigentlich wollte Josef Lammers ja Maurer werden. „Aber damals gab es keine Lehrstelle“, erinnert er sich. Er arbeitete zunächst bei einem Bauern. 1974 wechselte er in die Stadtgärtnerei und von dort 1976 zum Klärwerk, das damals noch an der Lessingstraße lag. „Mit einem Kollegen habe ich das Klärwerk betrieben. Wir waren ja eigentlich keine ausgebildeten Abwasserfachleute. Aber wir haben etliche Kurse besucht.“

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Kollegen sind wichtig

Erst mit dem Bau der neuen Kläranlage im Bockwinkel vor 30 Jahren wurde ein Klärwerksmeister eingestellt. Das Team wuchs, der Teamgeist auch. Seine vier Kollegen sind für Josef Lammers ein wichtiger Grund, trotz Rente weiterzumachen. „Bei Pättkesfahrten und Weihnachtsfeiern haben wir immer viel Spaß“, sagt er. Der neue Chef der Kläranlage heißt übrigens seit kurzem Michael Lammers. Der 46-jährige Klärwerksmeister ist Josef Lammers‘ Sohn.

Geld ist nicht entscheidend

400 Euro Entgelt bekommt Josef Lammers für seinen Minijob. Aber das Geld spielt für ihn nur eine untergeordnete Rolle. „Dafür muss ich nicht arbeiten gehen. Aber wenn hier alles gut aussieht, dann bin ich zufrieden.“ Und glücklich ist er, wenn sich Menschen darüber freuen, dass die Grünanlagen am Klärwerk „wie ein richtiger Park“ aussehen. „Ich genieße mein Leben. Und ich bin dankbar dafür, dass mir das vergönnt ist“, sagt Josef Lammers. Dann zieht er seine Arbeitshandschuhe wieder an. Es gibt ja noch so viel zu tun.

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