Jugendwerk Stadtlohn will Kontakt halten und setzt auf digitale Kanäle

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Wenn niemand mehr vor die Tür darf, kommt das Jugendwerk Stadtlohn eben zu den Jugendlichen in der Stadt. Unter Hochdruck werden gerade digitale Kanäle geschaffen. Das kommt gut an.

Stadtlohn

, 31.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Jugendhaus „Jump in“ ist seit fast drei Wochen geschlossen. Doch das Jugendwerk Stadtlohn ist weiter für die Jugendlichen da. Über digitale Angebote, die gerade unter Hochdruck erweitert werden. Unsere Redaktion erreicht Eva Vehring, Leiterin des Jugendwerks Stadtlohn, und die Sozialpädagogin Valerina Fischer am Montagvormittag per Videokonferenz.

Den Kontakt zu den Jugendlichen hatten sie auch im „normalen“ Alltag vor dem Coronavirus über soziale Medien gehalten. Beispielsweise Whatsapp oder Instagram. Dass daraus mal der einzige Kontakt werden würde, hatte sich natürlich niemand ausgemalt.

„In der ersten Woche haben wir über diese Kanäle vor allem Informationen gestreut“, erklärt Eva Vehring.

Informationen haben Jugendliche am Anfang nicht erreicht

Sie war zum Anfang der Corona-Krise noch viel in Stadtlohn unterwegs. „Als das Kontaktverbot noch nicht in Kraft war und die Beschränkungen noch nicht so streng waren, haben sich viele Jugendliche noch in Gruppen getroffen“, erzählt sie. Die hätten teilweise noch gar nicht genau gewusst, was das Coronavirus bedeute. „Sie haben sich über das Schulfrei gefreut und zusammen Fußball gespielt“, erklärt sie.

Mehrere Kanäle führen zum Jugendwerk

Das Jugendwerk Stadtlohn bleibt auch in der Corona-Krise erreichbar

Da seien die Verbote ja auch praktisch täglich verschärft worden. „Plötzlich waren beispielsweise die Bolz- und Spielplätze gesperrt“, sagt sie. Auch das hätten manche erst sehr spät mitbekommen.

In vielen Gesprächen hätten sie dann aber viele Jugendliche erreicht. „Die Infos sind jetzt Gottseidank angekommen“, da ist sich Eva Vehring sicher.

Unsicherheit macht sich unter Jugendlichen breit

Doch damit wird die Unsicherheit nicht unbedingt kleiner. „Wir bekommen viele Fragen“, sagt sie. Etwa wie es mit den Abschlussprüfungen aussieht. Da steht das Jugendwerk per E-Mail oder andere Kanäle als eine Art Online-Nachhilfe parat.„Manche haben auch Sorgen, ob und wie die Corona-Krise überhaupt überwunden werden kann“, erzählt die Leiterin des Jugendwerks. Auch für solche Sorgen sind die Sozialpädagogen natürlich ansprechbar. „Die Jugendlichen hängen ja genauso in der Luft wie alle anderen“, so Eva Vehring weiter.

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Und dann ist da natürlich noch die große Langeweile: „Oft werden wir einfach nur gefragt, ob wir einen Tipp haben, was man noch machen kann oder welche Serie auf Netflix sich gerade lohnt“, erzählt Eva Vehring lächelnd.

Kontakt per Videokonferenz ist zumindest ein kleiner Trost

Irgendwie müsse man trotzdem die gute Laune behalten. „Man braucht ja eigentlich einfach den physischen Kontakt zu anderen Menschen“, sagt Eva Vehring. Das gehe natürlich nicht. Deswegen weicht das Jugendwerk inzwischen oft auf Videokonferenzen aus. „Da ist es ja einfach schon mal schön, die Kollegen oder Freunde wiederzusehen“, erzählt sie weiter.

Podcast und Escape-Room online sind geplant

Und was plant das Jugendwerk für die nächsten Tage oder Wochen? „Wir haben einige Ideen, müssen aber gerade noch sehen, was sich technisch umsetzen lässt“, sagt Eva Vehring. Nach einigen technischen Kinderkrankheiten funktioniere die Technik nun. „Wir wollen zum Beispiel einen Podcast produzieren“, sagt sie.

Dabei sollen die Jugendlichen aber mit einbezogen werden und mitarbeiten. „Immer nur konsumieren bringt ja nicht viel und ist schnell langweilig“, sagt auch Valerina Fischer. Geplant ist eine Art Kaffeeklatsch mit den Jugendlichen. „Das hat schon einmal ganz gut auf Instagram funktioniert“, erklärt sie. Auch ein Online-Escape-Room-Spiel soll es demnächst geben.

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Auch wenn das Jugendwerk schon lange auf sozialen Medien unterwegs ist, wurden die Mitarbeiter von der aktuellen Situation überrollt. „Das war ja praktisch eine Digitalisierung von fast 0 auf 100“, sagt Eva Vehring lachend. Da müsse nun noch viel getestet und ausprobiert werden, bis es reibungslos funktioniert. „Aber das schaffen wir natürlich“, fügt sie hinzu.

Technische Möglichkeiten und die Arbeitszeiten

Einerseits sei sie froh über die technischen Möglichkeiten. Andererseits sei die Arbeit so aber auch noch sehr anstrengend. „Da müssen wir uns alle noch dran gewöhnen“, erklärt sie. Auch wenn die Offene Jugendarbeit ja nie ein normaler Schreibtischjob mit Arbeitszeiten von 9 bis 17 Uhr sei, müsse sich das im Moment noch einspielen.

„Bei den Jugendlichen verschiebt sich der Alltag ja auch“, sagt Valerina Fischer. Viele schlafen länger als in der Schulzeit und bleiben dann entsprechend länger auf. „Ich hab auch schon Whatsapp-Nachrichten nachts um halb Zwölf bekommen“, schildert sie.

Auch da suche das Jugendwerk aktuell noch nach den richtigen Lösungen. Oberste Regel bei allem ist dabei: „Wir müssen den Kontakt halten und auch in dieser schwierigen Zeit für die Jugendlichen da sein.“

Konflikte in den Familien werden zunehmen

Denn eins ist für Valerina Fischer und Eva Vehring ganz klar: Die Konflikte in den Familien werden zunehmen. „Allein schon, weil man sich ja nur noch ganz schwierig aus dem Weg gehen kann“, erklärt Valerina Fischer. Auch dafür will das Jugendwerk Möglichkeiten schaffen. So hätten sie schon von mehreren Jugendlichen gehört, dass sie gar nicht mehr vor die Tür dürften. „Sie haben uns geschrieben, dass die Eltern ihnen das nicht mehr erlauben“, so Valerina Fischer.

Umso wichtiger sei es eben, auch in diesen Zeiten als Ansprechpartner da zu sein un deine Möglichkeit zum Austausch zu bieten.

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