Junge Iraker schreinern für ihre Zukunft

Integration durch Arbeit

Integration durch Arbeit – dieses Prinzip wird in den Werkstätten der Losbergschule gelebt. Flüchtlinge engagieren sich dort auch fürs Johannes-Lädchen.

Stadtlohn

20.11.2017, 18:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Johannesförderwerk fördert Integration von Flüchtlingen durch Arbeit: Mohammed Fauzi (l.) und Khalef Murad arbeiten montagabends ehrenamtlich in der Holzwerkstatt der Losbergschule. privat

Das Johannesförderwerk fördert Integration von Flüchtlingen durch Arbeit: Mohammed Fauzi (l.) und Khalef Murad arbeiten montagabends ehrenamtlich in der Holzwerkstatt der Losbergschule. privat

In der Holzwerkstatt der Losbergschule herrscht montagabends gute Stimmung. Hier arbeiten viele freiwillige Helfer, die sich nicht nur aufs Tischlern verstehen, sondern spürbar auch Spaß daran haben, Vogelhäuschen und Insektenhotels für das Johannes-Lädchen zu fertigen. Khalef Murad bohrt Löcher in ein Insektenhotel, Mohammed Fauzi würde am liebsten an der großen Fräse arbeiten. „Nein, nein, das ist noch zu gefährlich“, bremst Josef Möllers den Eifer des jungen Irakers.

Khalef Murad und Mohammed Fauzi und zwei weitere Landsleute unterstützen das Ehrenamtlichen-Team seit zwei Monaten. Weil sie gerne anderen helfen. Und weil sie für sich selbst eine berufliche Perspektive finden wollen.

„Das klappt gut mit den Jungs“, sagt Josef Möllers lachend. Der 80-jährige Tischlermeister ist die Seele der Werkstatt. Er freut sich über die neuen Helfer. „Sie sind sehr aufmerksam und packen mit an.“

Vorkenntnisse haben die Iraker in der Kursen im Berufsorientierungszentrum der BBS in Ahaus erworben. Ihr Ziel: Eine Lehre als Tischler.

Bufdis in der Losbergschule

„Keine Integration ohne Arbeit“, sagt Franz Marpert, der Mentor des Johannes-Förderwerks. Anpacken, Sehen, Fühlen gehen nach seinen Erfahrungen immer einher mit Spracherwerb, Annäherung und Qualifizierung. Aus diesem Grund unterstütze das Johannes-Förderwerk in Kooperation mit der Losbergschule auch die Begleitung von Schülern mit Migrationshintergrund.

Seit August gibt es beim Johannes-Förderwerk die neue Einsatzstelle für den Bundesfreiwilligendienst mit drei Stellen, genehmigt durch das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln.

Die Verwaltung der Einsatzstelle für die „Bufdis“ ist in der ehemaligen Johannesschule im Verwaltungstrakt untergebracht. Die Schulleitung der Losbergschule regelt den Einsatz der Bundesfreiwilligen.

Die Bundesfreiwilligen arbeiten mit voller Wochenstundenzahl im Ganztag mit den Lehrern zusammen. Schwerpunktmäßig sind sie in den Vorbereitungsklassen zur individuellen Unterstützung der Schüler und Schülerinnen mit Migrationshintergrund eingesetzt. Die Förderung der Sprachkenntnisse Deutsch steht bei der gesamten schulischen Arbeit in der Losbergschule im Vordergrund.

„Der beste und erfolgreichste Weg, um die Sprache zu erlernen ist die praktische Arbeit.“ Davon ist Franz Marpert fest überzeugt. Er begleitet eine kleine Gruppe von Schülern aus Bulgarien und Deutschland beim Aussäen, Pikieren, Pflanzen, Unkrautjäten, Fegen, Harken und Umgraben. „Es wird nur Deutsch gesprochen!“, betont Franz Marpert. Die Schüler seien motiviert, lernen bereits das berufsbezogene sachgerechte und fachgerechte Arbeiten. Und sie knüpfen Beziehungen. „Manchmal werde ich auch schon ,Papa‘ genannt“, sagt Franz Marpert schmunzelnd

Lernort und Lebensort

Wenn es regnet, sind die Schüler in der Schreinerei der Losbergschule. Die Schüler lernen die Fachbegriffe, die Anwendung der Werkzeuge und den Einsatz von Kleinmaschinen kennen. Franz Marpert und die Bundesfreiwilligen begleiten die Schüler auch bei Behördengängen und der Suche nach einem Schülerbetriebspraktikumsplatz. Kontakte zu den Familien gehören ebenfalls dazu. Franz Marperts Maxime: „Schule ist nicht nur Lernort, sondern allgemein auch Lebensort.“

Ein Lebensort ist auch die Werkstatt am Montagabend: Neben ihrer ehrenamtlichen Arbeit nehmen die Flüchtlinge aus dem Irak gerne auch an den geselligen Treffen der Helfer teil. Und dann zeigt Mohammed Fauzi aus Bagdad, dass er nicht nur ein Gespür für Holz hat, sondern auch für die Musik: Auf der Gitarre trägt er irakische Lieder vor – und erntet von seinen Werkstattkollegen großen Beifall.

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