Eine Firma für Kampfmittelbeseitigung hat auf dem Mühlengelände an der Berkel mit einem Bohrgerät für Sondierungen und einem Bürocontainer Quartier bezogen. © Stefan Grothues
Hochwasserschutz

Kampfmittelsuche begleitet größte Investition in Stadtlohns Geschichte

Der Bauausschuss hat am Dienstag die größte Investition der Stadtgeschichte beschlossen. Sie dient dem Hochwasserschutz an der Berkel. Kampfmittelsondierer stehen für Voruntersuchungen bereit.

„Kampfmittelbeseitigung“ steht in großen Buchstaben auf dem roten Kettenfahrzeug und auch auf dem Bürocontainer, der seit einigen Tagen auf dem Gelände der Berkelmühle steht. Und mancher Passant an der Burgstraße macht sich so seine Gedanken.

„Es gibt akut keinen Kampfmittel- oder Bombenfund“, betont Ordnungsamtsleiter Thomas Gausling auf Nachfrage unserer Redaktion. Es gebe auch keine konkreten Verdachtsfälle. Aber es stehen in diesem Frühjahr und Sommer schwere und umfangreiche Arbeiten im Uferbereich und im Flussbett der Berkel an. Nach jahrelangen Vorplanungen und Genehmigungsverfahren wird es jetzt ernst mit der Umsetzung des Hochwasserschutzprogramms, das auch ökologische Verbesserungen vorsieht.

Die Fischtreppe ermöglicht es Fischen und Amphibien, flussaufwärts das Wehr zu überwinden.
Die Fischtreppe ermöglicht es Fischen und Amphibien, flussaufwärts das Wehr zu überwinden. © Stadt Stadtlohn © Stadt Stadtlohn

Pfahlgründungen und Spundwände werden tief ins Erdreich gerammt und das Mühlengelände erschüttern, das im März 1945 im Visier britscher Bomber stand. Ob im Berkelbereich noch gefährliche Blindgänger schlummern, lässt sich per Luftbilderkundung nicht ausschließen. Planer und Bauarbeiter wollen aber keine bösen Überraschungen erleben.

Sondierungsbohrungen im Abstand von 1,50 Meter

Darum wird das Arbeitsfeld systematisch mit Sondierungsbohrungen im Abstand von 1,50 Meter und mit Metalldetektoren erkundet. „Überall wo mit Energieeintrag ins Erdreich gearbeitet wird, da muss gebohrt werden“, erklärte Ulrich Krath am Dienstagabend im Planungs- und Bauausschuss.

So soll das neue, vollautomatisch gesteuerte Wehr aussehen, das den Fischen flussabwärts auch einen Abstieg erlaubt. Der Steg ist für Fußgänger offen.
So soll das neue, vollautomatisch gesteuerte Wehr aussehen, das den Fischen flussabwärts auch einen Abstieg erlaubt. Der Steg ist für Fußgänger offen. © Stadt Stadtlohn © Stadt Stadtlohn

Der Wasserbauexperte aus Koblenz war per Live-Video-Übertragung in die Stadtlohner Stadthalle zugeschaltet. In einem zweieinhalbstündigen Vortrag erklärte er die Details der jetzt anstehenden Hochwasserschutzmaßnahmen. Diese Sitzung hatte der Ausschussvorsitzende Otger Harks (SPD) schon zu Beginn als „denkwürdig“ bezeichnet. Harks: „Wir entscheiden heute Abend über die bislang höchste Investition der Stadtgeschichte. Es geht um 18,7 Millionen Euro.“

Und das sind die wichtigsten der jetzt beschlossenen Projekte:

  • Gut 3,3 Millionen Euro kostet die Fischaufstiegsanlage, die es künftig erlauben wird, dass Fische das Mühlenwehr flussaufwärts umschwimmen können. Dies ist eine Vorgabe der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Gewässer sind für wandernde Fische und Amphibien durchgängig zu machen. Die Fischaufstiegsanlage ist eine Abfolge ansteigender Wasserbecken. Voraussichtliche Bauzeit: 2022
  • Ebenfalls rund 3,3 Millionen Euro kostet die Erneuerung des Wehrs, das künftig vollautomatisch gesteuert wird, um die Wasserstände ökologisch und hochwassertechnisch sinnvoll zu regulieren. Voraussichtliche Bauzeit: Oktober 2021 bis Dezember 2022.
  • Rund 9,6 Millionen Euro investiert die Stadt in die Gewässervertiefung und -aufweitung auf 1100 Metern Länge oberhalb des Wehrs. Damit verbunden sind der Bau von Hochwasserschutzmauern, Aufwallungen, der Berkelpfad.
  • 1,3 Millionen Euro sind für die Hochwasserschutzmauer und Treppenanlage am Mühlenplatz eingeplant. In dieser Summe sind auch weitere Uferwände sowie Hochwasserschutzwände zur Notentwässerung der Burgstraße bei Starkregen in Richtung Berkel enthalten.
  • Knapp 700.000 Euro sind für Hochwasserschutzmaßnahmen rund um die Harrierbrücke vorgesehen. Die Brücke übernimmt im Hochwasserfall als Engstelle eine Drosselwirkung.

Noch nicht Gegenstand der Beschlüsse von Dienstag waren weitere Hochwasserschutzmaßnahmen an der Berkel im Außenbereich sowie zur Hinterlandentwässerung. Sie werden noch mit mehr als 4 Millionen Euro zu Buche schlagen.

Die städtebauliche Gestaltung des Mühlengeländes, des Berkelbalkons und der Uferpromenaden verschlingt weitere 4,3 Millionen Euro. Ulrich Krath betonte: „Nicht alle Zahlen sind schon belastbar. Abweichungen nach oben und unten von 20 bis 30 Prozent sind möglich.“

„Ganz Stadtlohn steht hinter dem Projekt“

Die 18,7-Millionen-Euro-Investition für den Hochwasserschutz fand im Planungs- und Bauausschuss die einstimmige Zustimmung aller Fraktionen. Der Ausschussvorsitzende würdigte das mit den Worten: „Damit steht ganz Stadtlohn hinter dem Projekt.“

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Stefan Grothues

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