Kandidatensuche für den neuen zweiten Mann läuft

Im Rathaus

Wer wird neuer zweiter Mann im Stadtlohner Rathaus? Die seit Jahren wohl wichtigste personalpolitische Entscheidung des Rates steht in den nächsten Monaten an. Bislang haben sich fünf Kandidatinnen und Kandidaten um das Amt des Ersten Beigeordneten beworben.

STADTLOHN

, 05.04.2016, 18:41 Uhr / Lesedauer: 3 min
Das Rathaus in Stadtlohn.

Das Rathaus in Stadtlohn.

"Das ist schon eine gute Auswahl. Ich denke aber, dass noch weitere Bewerbungen hinzukommen werden", erklärte Bürgermeister Helmut Könning am Dienstag auf Anfrage. Die Bewerbungsfrist endet am 15. April.

Wie geht es dann weiter? Voraussichtlich im Mai, so Könning, werde es eine kleine Vorstellungsrunde geben, an der auch die Vorsitzenden der fünf Ratsfraktionen beteiligt werden. Im Idealfall, so der Bürgermeister weiter, könnte dann der Rat in seiner Sitzung Anfang Juni die endgültige Wahl treffen.

Fünf Bewerber

Unter den bislang fünf Bewerbern sind mindestens zwei Frauen, so viel verriet Bürgermeister Könning am Dienstag bereits. Keiner der Bewerber stammt aus Stadtlohn. Könning: "Unsere Ausschreibung hat über den Kreis Borken hinaus Beachtung gefunden, die bisherigen Bewerber stammen aus dem Münsterland und dem Rheinland. Es war ausdrücklicher Wunsch der Politik, dass wir bei der Ausschreibung einen weiteren Kreis ziehen."

Gesucht wird laut Stellenausschreibung "eine engagierte, erfahrene, verantwortungsbewusste und entscheidungsfreudige Persönlichkeit". Eine "Wohnsitznahme in Stadtlohn wird gewünscht."

Verwaltungsexperte

Bürgermeister Könning erklärte am Dienstag, ihm sei wichtig, dass der Beigeordnete ein ausgewiesener Verwaltungsexperte sei, der auch über profunde Kenntnisse im Verwaltungsrecht verfüge. Das sei die ideale Ergänzung zum Bürgermeister, der ja nicht nur die Verwaltung leite, sondern auch ein politisches Amt mit vielen repräsentativen Aufgaben ausfüllen müsse.

Die Neuausschreibung der Beigeordneten-Stelle ist notwendig geworden, weil der bisherige Amtsinhaber Karlheinz Pettirsch im Februar nach schwerer Krankheit im Alter von 58 Jahren verstorben ist. Fast 24 Jahre hatte Pettirsch das Amt des Ersten Beigeordneten in Stadtlohn inne.

Amtszeit acht Jahre

Der Erste Beigeordnete ist der allgemeine Stellvertreter des Bürgermeisters. Als Wahlbeamter wird er vom Rat gewählt und vom Bürgermeister vereidigt. Die Amtszeit des Wahlbeamten beträgt acht Jahre. Danach entscheidet der Rat über eine Wiederwahl oder über eine mögliche Neuausschreibung der Stelle. Die Besoldung und Aufwandsentschädigung richten sich nach der Eingruppierungsverordnung für kommunale Wahlbeamte auf Zeit für das Land NRW. Für Stadtlohn ist die Besoldungsgruppe A 15 ÜBesG NRW vorgesehen.

In dieser Besoldungsgruppe beginnt das Grundgehalt nach dem Tarifrechner für den Öffentlichen Dienst in der untersten Stufe bei rund 4600 Euro. Hinzu kommen Zulagen, zum Beispiel für Kinder. Bewerberinnen und Bewerber müssen die für das Amt erforderlichen fachlichen Voraussetzungen nach der Gemeindeordnung NRW erfüllen und insbesondere eine ausreichende Erfahrung für dieses Amt nachweisen.

Hohe Erwartungen

Die Wahl des oder der neuen Ersten Beigeordneten erfolgt in enger Abstimmung mit den Vorsitzenden der fünf Ratsfraktionen. Was ist ihnen bei der Neubesetzung der Stelle wichtig? Wir haben nachgefragt.

Helmut Stowermann (CDU): „Aus unserer Sicht sollte der Erste Beigeordnete unbedingt über juristischen Sachverstand und Erfahrung im Verwaltungsdienst verfügen – so wie Herr Pettirsch. Bewerber von außen sind willkommen, sie bringen neue Sichtweisen mit. Aber natürlich darf es auch ein Stadtlohner sein, das ist kein K.o.-Kriterium. Bewerber müssen auch nicht die CDU-Brille aufhaben. Der Beigeordnete muss schließlich mit allen Fraktionen zusammenarbeiten.“  

Erwin Plate (UWG): „Der neue Beigeordnete muss allen Fraktionen neutral gegenüberstehen. Ich wünsche mir einen Kandidaten mit juristischem Wissen. So können in den Rats- und Ausschusssitzungen kleinere rechtliche Fragen schnell geklärt werden. Die Aufgaben, die auf den Beigeordneten warten, sind nicht einfach. Er muss schon eine gewisse Reife mitbringen, um fest im Sattel sitzen zu können. Ein parteiloser Experte wäre uns am liebsten.“

Otger Harks (SPD): „Für uns ist es wichtig, dass der oder die neue Beigeordnete ein Jurist ist oder Erfahrungen in der höheren Verwaltungslaufbahn hat. Welcher Partei er angehört, ist nicht so wichtig. Es geht um Expertise und Qualität. Bei uns im Stadtlohner Rat gibt es ja auch nicht so tiefe Gräben zwischen den Fraktionen. Eine vernünftige Zusammenarbeit mit allen muss möglich sein. Der Bewerber kann gerne von außerhalb kommen, aber er muss sich mit Stadtlohn identifizieren und bereit sein, längerfristig zu bleiben. Die Stelle sollte nicht bloß ein Karriere-Sprungbrett sein.“

Bernd Schöning (FDP): „Ich persönlich würde mich sehr freuen, wenn die Stelle mit einer Frau besetzt würde. Als FDP-Fraktionsvorsitzender meine ich, der oder die neue Beigeordnete muss nicht zwingend ein Verwaltungsjurist sein, aber er sollte die Befähigung zum höheren Verwaltungsdienst haben. Er dürfte ruhig etwas jünger sein, so um die 35 oder 40 und von auswärts kommen. Frisches Blut für die Verwaltung ist nicht verkehrt. Aber ich will keine Ausschlusskriterien aufzählen. Wichtig ist vor allem, dass er oder sie eigenständig denkt und nicht alles nur nachplappert.“

Marlies Bomers-Meiering (Grüne): „Der oder die neue Erste Beigeordnete sollte parteipolitisch nicht eingefahren, sondern offen für Anregungen aus allen Parteien sein – natürlich auch für grüne Themen. Das ist uns wichtig. Ein Jurist hätte den Vorteil, dass rechtliche Aspekte schnell und auf dem kurzen Dienstweg beurteilt und geklärt werden könnten.“

Lesen Sie jetzt