Auf den großen Empfang auf dem Markt müssen die Kinder auch in diesem Jahr verzichten. Erleben werden sie den Nikolaus und Ruprecht dennoch. Die Nikolausgesellschaft hat eine Lösung erarbeitet. © Markus Gehring
Nikolausempfang

Kein großer Bahnhof für den Nikolaus, verzichten müssen die Kinder aber nicht

Die angespannte Corona-Lage lässt in Stadtlohn wie schon 2020 keinen großen Nikolausumzug zu. Die Nikolausgesellschaft hat aber eine Alternative erarbeitet: Der Nikolaus kommt zu den Kindern.

Mittwochmorgen auf dem Stadtlohner Markt: Der frisch aufgestellte Weihnachtsbaum wird geschmückt. Ein sicheres Zeichen für viele Stadtlohner, dass spätestens jetzt die adventliche Zeit beginnt. Gerade bei den Kindern steigt die Vorfreude. Doch auch dieser Winter wird anders sein als sonst.

So wird es am Vorabend des Nikolaustages keinen großen Nikolausumzug mit Empfang auf dem Markt geben. Verzichten müssen die Kinder aber nicht auf den Nikolaus. Die Nikolausgesellschaft hat eine Lösung erarbeitet, „mit der alle sehr gut leben können“, wie Direktor Benno Terliesner betont.

Nicht zuletzt die immer angespanntere Corona-Lage und die am Mittwoch in Kraft getretene aktualisierte Corona-Schutzverordnung (2G) hatten auch die Nikolausgesellschaft dazu bewegt, die Köpfe zusammenzustecken. „Es wurde kontrovers diskutiert“, berichtet Benno Terliesner. Sicher sei: Für die Durchführung eines Umzuges im bekannten Rahmen hätte es keine hundertprozentige Rückendeckung gegeben.

Der Rathausbalkon bleibt auch 2021 am Vorabend des Nikolaustages verwaist. Klaus-Dieter Weßing (l.) und Benno Terliesner von der Nikolausgesellschaft freuen sich aber, einen guten Kompromiss zum Wohle der Kinder gefunden zu haben.
Der Rathausbalkon bleibt auch 2021 am Vorabend des Nikolaustages verwaist. Klaus-Dieter Weßing (l.) und Benno Terliesner von der Nikolausgesellschaft freuen sich aber, einen guten Kompromiss zum Wohle der Kinder gefunden zu haben. © Michael Schley © Michael Schley

Schon andere Gemeinden in der Umgebung hatten vorsorglich abgesagt. „Auch die Meinung bei den Eltern war gespalten“, ergänzt Schriftführer Klaus-Dieter Weßing im Gespräch mit der Redaktion.

Nikolaus und Ruprecht besuchen die vier Grundschulen

Und somit habe man einen guten Kompromiss erarbeitet. Mit einem gemeinsamen Ziel: „Wir wollen den Kindern den Nikolaus nicht nehmen, diese mussten in der Corona-Zeit schon so viel zurückstecken“, erklärt Benno Terliesner. Und somit habe man für den 5. Dezember folgenden Ablauf erarbeitet, den man auch guten Gewissens verantworten könne: Von 14 bis 16.45 Uhr können sich alle noch nicht schulpflichtigen Kinder vor der Stadthalle ihre Tüte abholen.

„Nach der Tütenausgabe steht es allen dann frei, Nikolaus und Ruprecht zu besuchen“, berichtet Klaus-Dieter Weßing. Diese werden von 14 bis 16 Uhr von der Bühne der Stadthalle den Kindern zuwinken. Ein persönlicher Kontakt sei allerdings nicht möglich, ansonsten aber seien die Vorgaben in der geräumigen Halle umsetzbar. Es gelten selbstverständlich die aktuellen Vorgaben der Corona-Schutzverordnung.

Ab 16 Uhr wird sich der Nikolaus auf dem Pferd mit dem Ruprecht dann nacheinander aufmachen zu den vier Grundschulen, jeweils begleitet von einer Abordnung der Stadtlohner Musikkapellen. Aber nicht in einem Umzug, betont Weßing. Auf den Schulhöfen werden die Klassen dann auf die besonderen Gäste warten. „Der Nikolaus wird auch eine kurze Ansprache halten.“ Der persönliche Kontakt sei auch an den Schulen nicht möglich.

Die Schulkinder werden in diesem Jahr die Nikolaustüten von ihren Lehrern ausgehändigt bekommen.
Die Schulkinder werden in diesem Jahr die Nikolaustüten von ihren Lehrern ausgehändigt bekommen. © Markus Gehring © Markus Gehring

Die Tüten werden dann von den Lehrern verteilt. „Der kurze Empfang bleibt in diesem Jahr auch den Lehrern und Schülern vorbehalten“, so Benno Terliesner. Man wolle so weit wie möglich das Geschehen entzerren und Kontakte minimieren. Sprich: Die Eltern müssen verzichten. Ebenso mögliche Zuschauer.

Empfänge bleiben Schülern und Lehrern vorbehalten

„Insgesamt hoffen wir so auf eine ruhige und würdige Verteilung der Tüten“, bittet Benno Terliesner um Nachsicht und Verständnis. Man bitte auch darum, so weit wie möglich die Abstände einzuhalten und Maske zu tragen – auch dort, wo dies nicht zwingend vorgeschrieben sei. In die Karten spiele der Umstand, dass der Empfang auf einen Sonntag und eben nicht auf einen Schultag falle.

Von Vorteil sei auch, dass diese vier kleinen Empfänge open-air stattfinden werden. „Bei Regen werden wir nicht in die Sporthallen ziehen“, sagt Klaus-Dieter Weßing. Die Abstimmung mit den Grundschulen sei erfolgt, die nicht-schulpflichtigen Kleinkinder haben zur Bezugskarte für eine Nikolaustüte ein entsprechendes Begleitschreiben zur coronakonformen Organisation an der Stadthalle erhalten.

In diesem Jahr kommt der Nikolaus zu den Schulkindern. Eine große Menschenansammlung auf dem Markt soll so vermieden werden.
In diesem Jahr kommt der Nikolaus zu den Schulkindern. Eine große Menschenansammlung auf dem Markt soll so vermieden werden. © Markus Gehring © Markus Gehring

Damit erlebt die 1927 gegründete Nikolausgesellschaft erneut ein Novum. Schon vor einem Jahr hatte der große Umzug mit Empfang auf dem Markt wegen der Pandemie ausfallen müssen. Die Stimmung bei der Nikolausgesellschaft sei schon sehr betreten gewesen, berichtete Weßing seinerzeit. Nun sei die Enttäuschung natürlich auch spürbar, die Lösung habe die Mienen aber schon wieder erhellt.

Auch wenn rechtlich der „große Bahnhof“ möglich wäre – rein logistisch sei das nicht durchführbar, schon gar nicht verantwortbar, weiß Benno Terliesner. Die Schulkinder, die sich ja täglich in der Schule treffen, wären sicher noch händelbar. „Zuschauer sind aber kaum zu kontrollieren auf dem offenen Gelände“, ergänzt Klaus-Dieter Weßing.

Vorfreude überwiegt Enttäuschung nun

Die Zahlen machen dies deutlich: 1300 Kinder könnten allein aus den Schulen auf den Markt strömen, dazu sicher die gleiche Anzahl an Zuschauern. „Selbst wenn viele verzichten würden, wäre das Risiko einfach zu hoch“, betont Klaus-Dieter Weßing. Und so freue man sich, den Kindern mit einer neuen Alternative trotzdem das Erlebnis Nikolaus ermöglichen zu können.

Dass man einem weiteren Ziel, nämlich jedem Stadtlohner Kind eine Tüte zu schenken, nachkommen kann, dafür hatte die Nikolausgesellschaft selbst mit ihren Theateraufführungen gesorgt. „Das war für uns schon eine Zitterpartie, umso größer ist die Freude“, erklärt Benno Terliesner stellvertretend. Und dass man nun den Kindern den Nikolaus nicht nehmen müsse, steigere die Vorfreude auf den 5. Dezember und überwiege die erste Enttäuschung.

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