Die Fahne bleibt im Schrank: Die KG "Üm Bütt un Pütt" hat am Donnerstag alle Veranstaltungen der laufenden Session abgesagt – inklusive der Büttabende und des Rosenmontagsumzugs. © Markus Gehring (Archiv)
Corona-Pandemie

Keine Kompromisse: Stadtlohner Narren sagen den kompletten Karneval ab

Die Karnevalisten der KG „Üm Bütt un Pütt“ haben alle Veranstaltungen der Session abgesagt: Es gibt weder Büttabende noch Rosenmontagsumzug. Das hat KG-Präsident Hagen Ebert bestätigt.

Drei Monate vor Rosenmontag ist es in Stadtlohn beschlossene Sache: Es gibt 2022 weder einen Rosenmontagsumzug noch die Büttabende in der Stadthalle. Die KG „Üm Bütt un Pütt“ hat am Donnerstag (2. Dezember) alle Veranstaltungen der laufenden Session gestrichen.

Das bestätigt KG-Präsident Hagen Ebert am Mittag auf Nachfrage unserer Redaktion. „Wir hatten gestern Abend eine Vorstandssitzung und haben das da beschlossen – schweren Herzens“, wie er sagt.

Doch weder ein Umzug mit 20.000 Zuschauern noch ein Büttabend mit 600 Gästen in der Stadthalle seien bei der momentanen Entwicklung denkbar. „Wir müssen Kontakte reduzieren, das ist mit den Karnevalsveranstaltungen einfach nicht vereinbar“, sagt er. Der Vorstand habe mehrere Alternativen geprüft, aber direkt wieder verworfen. „Wir haben das gedanklich durchgespielt“, sagt er.

KG will nichts riskieren und sagt Veranstaltungen ab

Auch wenn es noch eine längere Zeit bis zur Hochphase der Session sei, habe die KG diese Entscheidung jetzt getroffen. Ein weiteres Abwarten, ob sich vielleicht Ende Januar die Lage entspannt, hätte weitere Hoffnungen geschürt, die dann noch bitterer enttäuscht würden. Natürlich könne bis Rosenmontag noch viel passieren. Auch, was Verbote oder Genehmigungen angehe. Aber: „Nur weil man es darf, muss man es ja nicht unbedingt auch machen“, erklärt er.

Gleichzeitig müsse die KG eben auch mit einem langen Vorlauf für die Session planen. Der Kartenvorverkauf, die Buchung der Büttredner – als das müsste jetzt festgezurrt werden. „Und wer würde uns jetzt überhaupt eine Zusage machen?“, sagt er. Die Frage lässt er im Raum stehen. Und auch für Vereine und Nachbarschaften müsste die Vorbereitung jetzt starten. „Aber wie soll ich die Gruppen jetzt motivieren, einen Karnevalswagen zu bauen?“, macht der KG-Präsident deutlich.

Finanzielle Frage besiegelt Entscheidung

Und dann sei da ja noch die finanzielle Frage: „Allein die Veranstaltungstechnik für die Büttabende kostet eine Menge“, sagt er. Bei der aktuellen Situation mache er sich keine Hoffnung, alle Karten zu verkaufen. „Das Geld käme nie wieder rein“, sagt er.

Ganz ohne Karneval soll es in Stadtlohn dann aber doch nicht gehen. „Die Stadthalle ist gebucht und auch die vielen Tanzgruppen bereiten sich ja schon vor“, erklärt er. Daraus möchte die KG mehrere Online-Angebote machen, um zumindest etwas Karnevalsstimmung zu verbreiten. Wie die aber im Detail aussehen sollen, ist im Moment noch völlig offen. „Die Planungen stecken wirklich noch in den Kinderschuhen“, sagt Hagen Ebert. Auch eine Festschrift solle es geben.

Jubiläum soll im Sommer nachgefeiert werden

Und dann ist da ja noch das 50-jährige Bestehen der Stadtlohner Karnevalsgesellschaft. Auch das konnte im vergangenen Jahr nicht gefeiert werden. Eine Idee ist, das mit einem sommerlichen Festakt 2022 nachzuholen. Auch diese Planungen haben aber gerade erst begonnen. Klar ist, dass es kein Karneval im Sommer werden solle.

Hagen Ebert sieht in der Absage keinen Sinneswandel. Immerhin hatte die KG noch am 11. November die Prinzenproklamation von Prinz Franz III. (Schlüter) und Prinzessin Birgit II. (Robers) und dem Schülerprinzenpaar Ole I. (Ellers) und Edda I. (Schücker) gefeiert. Da allerdings unter strengen Hygienevorschriften: Wer die Partyzone betreten wollte, musste Impfpass und Personalausweis vorzeigen. „Obwohl wir mehr gedurft hätten, haben wir ja auch da Verantwortung übernommen“, so Hagen Ebert.

Und das geschehe jetzt wieder. „Auch wenn wir das vielleicht nicht mit so viel Frohsinn angehen wie bei der Proklamation“, sagt der Präsident. Die schwere Entscheidung werde vom gesamten Vorstand und den amtierenden Prinzenpaaren getragen.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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