Mit Artenreichtum gegen den Klimawandel: Waldbesitzer Ludger Berghaus und Förster Lukas Effkemann © Stefan Grothues
Forstwirtschaft

Klimawandel: Der Wald verändert auch in Stadtlohn sein Gesicht

Der Wald stirbt. Diese Diagnose ist nach den Dürresommern oft zu hören. Aber nicht jeder Wald stirbt. Und mancher tote Wald erwacht zu neuem Leben. Der Wald in Stadtlohn verändert sein Gesicht.

Die drei mächtigen Eichen auf dem Hof von Ludger Berghaus in Wendfeld sehen kerngesund aus. Vor gut 300 Jahren wurden sie hier gepflanzt. Die Eicheln wurden damals für die Schweinemast gebraucht. Die Geschichte des Hofes reicht noch viel weiter zurück, „bis ins 14. Jahrhundert“, sagt Ludger Berghaus.

Als Landwirt und Waldbesitzer ist der 66-Jährige es gewohnt, längere Zeiträume in den Blick zu nehmen. Unwägbarkeiten inbegriffen. Die drei Hofeichen aber stehen seit Jahrhunderten für Beständigkeit.

Aber was hat in den Zeiten des Klimawandels Bestand? Welche Bäume haben noch eine Zukunft? Das sind Fragen, mit denen sich Ludger Berghaus befassen muss.

95-Jährige: „Drei Dürresommer in Folge gab es früher nicht“

„Im letzten Jahr habe ich die Eichen auf dem Hof wochenlang gewässert“, sagt Ludger Berghaus. „Ich will ja, dass sie mich überleben“, fügt er lächelnd hinzu. Auch sein Sohn Matthias (36) und Enkel Wilm (3) sollen noch möglichst lang ihren Schatten genießen können.

So wie Wilms Urgroßmutter Elisabeth Berghaus es getan hat und immer noch tut. „Meine Mutter ist 95. Sie kann sich noch gut an verschiedene Dürresommer in den letzten 80 Jahren erinnern. Aber das waren immer nur einzelne Jahre, nicht drei hintereinander wie 2018, 2019 und 2020“, sagt Ludger Berghaus. Der Klimawandel ist da. Spürbar.

Sturm, Borkenkäfer und Dürre rafften Fichten dahin

40 Prozent der Fläche des Betriebs von Lugder und Matthias Berghaus sind Wälder. Hier stehen vor allem Eichen, Kiefern und Fichten. Anders als bei den Hofeichen ist im Wald ein künstliche Bewässerung unmöglich. Vor allem die Fichten erholten sich nicht vom Dreierschlag: Orkantief Friederike knickte im Januar 2018 zahlreiche Bäume um. Das und die anschließenden Dürre bereiteten dem Borkenkäfer ein leichtes Spiel, erklärt Förster Lukas Effkemann.

Tote Fichten: So wie hier in Alstätte überlebte auch ein großer Teil der Fichten von Ludger Berghaus die Dürre und den Borkenkäfer nicht.
Tote Fichten: So wie hier in Alstätte überlebte auch ein großer Teil der Fichten von Ludger Berghaus die Dürre und den Borkenkäfer nicht. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Der Fachmann vom Regionalforstamt Münsterland unterstützt Ludger Berghaus beim Umbau seines Waldes. Vielfalt soll ihn stark machen für die Herausforderungen der Erderwärmung. Doch der Umbau kostet Geld. Geld, das der Wald kaum einbringt.

Wald bringt nur eine „schwarze Null“

„Mit dem Wald können wir gerade mal eine schwarze Null erwirtschaften“, so Ludger Berghaus. Das Geld verdient der Hof Berghaus mit dem Anbau von Getreide, Mais und Kartoffeln sowie der Schweinemast. „Bei meinem Großvater stammte vor 70 Jahren noch die Hälfte des Hofertrags aus der Waldbewirtschaftung“, sagt Ludger Berghaus.

Dennoch sagt Ludger Berghaus: „An der Arbeit im Wald habe ich immer mehr Freude je älter ich werde. Das ist eine Aufgabe, die ich für die nächsten Generationen erfülle.“

Er legt im Winter selbst Hand an, wenn es gilt, neue Bäume zu pflanzen oder das Gras in den Schonungen zu mähen, sodass die jungen Bäume gute Startbedingungen haben. Aber welche Baumarten werden mit den immer heißeren und trockeneren Sommern zurechtkommen? Welche Bäume wird Enkel Wilm in 50 oder 60 Jahren ertragreich ernten können?

Artenvielfalt und filigrane Forstwirtschaft sollen Klimawandel trotzen

Förster Lukas Effkemann zuckt mit den Achseln: „So ganz genau weiß das noch keiner. Das Zusammenspiel mit der Natur ist zu komplex. Sicher ist, dass hier reine Fichtenwälder keine Zukunft haben.

Darum setzten wir ja auf Artenreichtum: Stieleichen, Roteichen, Douglasien, Hemlocktannen, Esskastanien, Fichten und Weißtannen.“ Effekemann spricht von „filigraner Forstwirtschaft“, die auf die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort die richtige Antwort finden muss.

Ludger Berghaus hält das Stämmchen einer Roteiche, die im letzten Jahr gepflanzt wurde und gut angegangen ist. Mit Stieleichen, Douglasien Buchen und anderen Bäumen ersetzt sie eine Fichtenmonokultur, die hier die Dürresommer und den Borkenkäfer nicht überlebt hat.
Ludger Berghaus hält das Stämmchen einer Roteiche, die im letzten Jahr gepflanzt wurde und gut angegangen ist. Mit Stieleichen, Douglasien Buchen und anderen Bäumen ersetzt sie eine Fichtenmonokultur, die hier die Dürresommer und den Borkenkäfer nicht überlebt hat. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Ziel ist ein mehrstufiger Wald in dem auch Naturverjüngung für Eichen, Buchen, Birken und anderer Bäume zu ihrem Recht kommt. Effkemann: „Wir sind probierfreudig. Das erhört die genetische Vielfalt. Das macht den Wald insgesamt widerstandsfähiger.“

Ludger Berghaus hebt auch den notwendigen Schutz vor Verbissschäden durch Rehe hervor. Der Bestand des Wildes dürfe nicht überhandnehmen. Berghaus, der auch Jäger ist, bringt es auf die Kurzformel: „Ohne Jagd kein Wald.“

Nach den drei Trockensommern hat der Sommer 2021 dem Wald und den Neuanpflanzungen gut getan. Viele halten diesen Sommer für besonders nass. Doch das war er nicht.

Ludger Berghaus hat nachgemessen: „Bis Ende August fielen 530 Millimeter Regen. Damit ist der Niederschlag genau im Soll eines Durchschnittsjahres.“ Für die Erholung der Grundwasserstände nach den drei Dürrejahren reicht das noch nicht aus.

Förster und Waldbesitzer blicken zuversichtlich in die Zukunft

Förster Lukas Effkemann blickt dennoch eher optimistisch in die Zukunft des Waldes. Effkemann schöpft Zuversicht aus seinen tagtäglichen Beobachtungen. Gerade hält er einen frisch Kieferntrieb in seinen Händen. Um ihn herum wachsen kräftig grün junge Fichten, Eichen und Birken. Effkemann sagt: „Den Wald wird es weiterhin geben. Aber er verändert sich.“

In diesem Sommer mit ausreichend Regen sind die jungen Kiefern gut gediehen. In den Dürresommern überwogen oft die braunen Spitzen.
In diesem Sommer mit ausreichend Regen sind die jungen Kiefern gut gediehen. In den Dürresommern überwogen oft die braunen Spitzen. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Auch Ludger Berghaus glaubt an die Zukunft. Wer auf 700 Jahre Hofgeschichte zurückblicken kann, denkt in größeren Zeiträumen – und weiß mit Rückschlägen umzugehen.

Den Fichtenwald, der jetzt der Dürre und dem Borkenkäfer zum Opfer fiel, hatte sein Großvater gepflanzt – auch nach einem herben Kahlschlag: Die Niederländer hatten nach dem Zweiten Weltkrieg den Wald abgeholzt und das Holz als Reparationszahlung abtransportiert.

Ludger Berghaus sagt: „Den Wald muss man ganz langfristig betrachten. Der Wald ist ja auch viel mehr, als nur Holzwirtschaft. Der Wald speichert CO2, er verbessert die Luftqualität und er ist ein wichtiger Wasserspeicher. Ich will mir die Freude am Wald erhalten.“

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Stefan Grothues

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